CD-Review: Heindenlaerm – Blutrecht

Heidenlaerm_Blutrecht_2008_m

[Mittelalter] – Kabumm Records  (2008)
Deutschland
Tradition im neuen Gewand!

Im Mittelalter gab es für den Großteil der Menschen nicht viel zu lachen. Das Leben war  hart und kurz. Und weil man schon sehr bald dem Tod ins Gesicht sehen musste, feierten die Leute die Feste, wie sie fielen, exzessiv bis zur Erschöpfung, manchmal sogar bis zum Tode. Diese morbiden Genüsse werden uns heute wohl eher beängstigen… Wir befinden uns etwa 700 Jahre später anno 2003 in Berlin. Drei Spielleute rotten sich zusammen, machen bepackt mit Dudelsack, Trommel, Drehleier und einer Feuershow die Mittelaltermärkte unsicher und feiern wie unsere Vorfahren ähnlich ausgiebig. Jedoch mit dem feinen Unterschied, nicht den Tode herbei zu sehnen, sondern sich mit ihrer Musik eine größere Fangemeinde zu erspielen und dabei Spaß am Leben zu haben. So erschien 2006 das erstes Album „Heidenspass & Höllenlaerm“, ehe nun das zweite Werk „Blutrecht“ die Fangemeinde erfreuen wird. Die Rede ist von „Heidenlärm“.

Seit 2007 umfasst das Line up vier Musiker:
Abraxas – Gesang, Cister, Sackpfeife & Feuer
Chaosklauz – Drums & Percussion, zweite Frontline
Tom Tom – Sackpfeife, Flöte & Cister
Nixxus – Sackpfeife

Auf „Blutrecht“ begeben sich der Hörer und die Hörerin auf eine identische Reise ins Mittelalter. Hier wird die vergangene Epoche nicht mit rosaroter Brille und all Heils Fidelei präsentiert, so wie es viele Bands in diesem Genre gerne tun. Bereits das ‚Intro‘ zeigt  eine mystische, ja fast schwarze Seite und doch eine mit viel Melancholie und Schönheit. Insgesamt zieren zwölf Lieder den Silberling, davon sechs traditionelle im neuen Gewand, sowie sechs Eigenkompositionen. Allesamt werden sie rein akustisch und meist ohne Gesang präsentiert. Ab und zu klingt sich Abraxaz doch mit seiner Stimme ein, so wie bei ‚Falkenstein‘, dem gleichnamigen Albumtitel ‚Blutrecht‘ oder meinem persönlichen Favoriten ‚Das Hexenzweimalelf‘, ein absoluter „Hammer“. Weitere Höhepunkte auszumachen fällt schwer, aber nicht weil es keine gibt, sondern weil die Gesamtheit das Werk ausmacht.

In Zeiten wo immer mehr Gruppierungen dazu neigen, die Mittelaltermusik mit E-Gitarre, E-Bass oder gar Keyboard und Techno Rhythmen zu vermischen, erfreut es um so mehr, das es noch Bands außer Corvus Corax und Furunkulus gibt, die auf reine Tradition bauen und damit auf sowieso kurzlebige Trends verzichten. Übrigens können sich diejenigen, die von Heidenlärm noch nichts zu Ohren bekommen haben, an oben genannten Bands orientieren. Damit soll aber keineswegs die Eigenständigkeit von Heidenlärm in Frage gestellt werden. Im Gegenteil. Mit „Blutrecht“ werden die Wahlberliner ihre Fangemeinde sicher erweitern.

Heidenlärm hat sich dem Mittelalter verschrieben und das nicht nur auf Märkten und mittlerweile auch Konzerthäusern. Mit „Blutrecht“ präsentieren die Berliner ein solides zweites Album und bauen weiter rein auf akustische Instrumente. Genau das macht die Band so authentisch. Mit ihrer neuen Scheibe werden die Spielleute aber nicht nur die Mittelalterfraktion ansprechen, sondern auch die Hörerschaft härterer Klänge. „Blutrecht“ ist kompromissloser und schmutziger als so mancher Metal Tonträger. Absolute Kaufempfehlung für alle Heiden und die, die es noch werden wollen.

Hörbeispiele zu Heidenlärm findet Ihr unter folgendem Link: http://www.myspace.com/heidenlaermband
geschrieben am 27.08.2008 von Erich auf Feindesland
 
Bewertung: Punkte (Innovation): 8 von 15
Punkte (Gesamt):    13 von 15
Informationen:

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