CD-Review: Eluveitie – Evocation I – The arcane dominion

Eluveitie - Evocation I 2

[Folk] – Nuclear Blast (2009)
Schweiz
Mystik, Verwünschungen und Flüche!

Wer hätte das gedacht? Da gibt es eine Band aus einem kleinen verschlafenen Alpenland, welche bereits mit ihren ersten beiden Alben „Spirit“ und „Slania“ den absoluten Durchbruch geschafft hat und seit dem wie keine andere Combo die Folk Metal Szene beherrscht. Mit „Slania“ gelang das Folk Metal Album des Jahres. Jeder weiß natürlich von wem wir hier sprechen, eine Vorstellung wäre daher reine Zeitverschwendung. Viel mehr hat die Metalwelt gegrübelt, wie man eine Scheibe a la „Slania“ nochmals toppen kann. Nicht wenige sind aus den Wolken gefallen, wie sie vernommen haben, dass die Musiker aus dem Käse – und Schokoladenland vom erfolgreichen Slania – Kurs abweichen und ein Akustikalbum auf den Markt bringen. Ein riskantes Unterfangen, welches sich nur die Folk Götter aus dem Keltenland erlauben können. Ich sage nur eines: „Hoch gepokert und gewonnen“.

Zurzeit wird alles, was die Schweizer anfassen, zu Gold. In diesem Fall heißt der Schatz „Evocation I – The Arcane Dominion“, ist ein reines Folk Album und setzt sich mit der alten gallischen Kultur auseinander. Der Großteil der Lyriks stammt aus original überlieferten gälischen Texten (ausgenommen ‚Sacrapos‘, ‚Omnos‘ & ‚Voveso in mori‘), die zwischen 1.600 und 2.100 Jahre alt sind. Da „Chrigel“, „Anna“ & Co auch nichts dem Zufall überlassen, wurden Wissenschaftler aus verschiedensten Bereichen herangezogen. Einige Passagen können heute nur mehr gemutmaßt werden, doch das tut der Wirkung keine Minderung. Die Schriften behandeln neben mystischen Elementen ebenso Flüche und Verwünschungen. Das ganze ist allegorisch und voller Metaphern, so wie es zu der damaligen Zeit üblich war.

Zu dem kann man Musikalisch nicht näher an der Wahrheit sein. Jeder einzelne Song ist ein Bild für sich, eine Übersetzung daher belanglos, bzw. auch theoretisch nicht machbar. Dass es sich bei „Eluveitie“ um Vollblutmusiker handelt, wissen wir nicht erst seit heute. Auf „Evocation I – The Arcane Dominion“ sehen (hören) wir nur aus einen anderen Blickwinkel. „Anna Murphy“, die normalerweise für die Drehleier verantwortlich ist, übernimmt auf dem neuen Werk den Löwenanteil des Gesanges. „Chrigel Glanzmann“ widmet sich dafür Dudelsack, Flöte, Mandola, Mandoline & Horn. Und weil man sich mit halben Sachen im Hause „Eluveitie“ sowieso nicht zufrieden gibt, wird das Niveau mit Gastmusikern angehoben. Unter anderem „Oliver S. Tyr“ von Faun, „Mr. Alan Nemtheanga“ alias Primordial, „Fredy Schnyder“ (Nucleus Torn).

Was erwartet die Hörerschaft noch auf „Evocation I – The Arcane Dominion“? 15, bzw. 17 (Lt. Edition) Lieder, die anmutig und zugleich härter als so manches Metal Album sind, ohne das ein E – Bass oder Gitarre verwendet wird. Die Ohren werden mit rein traditionellen Instrumenten verwöhnt. Ein Klangerlebnis der Sonderklasse, welches Hörer und Hörerin in eine längst vergangen geglaubte Welt versetzt. In die Welt der Kelten, in ihre Magie, in ihren Alltag und ihren Aufstand gegen das feindliche Rom. „Eluveitie“ macht es möglich. Obwohl es sehr schwer ist einen einzelnen Song hervorzuheben, möchte ich doch ein paar speziell erwähnen. Nummer zwei ‚Brictom‘, Titel sieben ‚Nata‘ mit Mr. Voice „Alan“ von Primordial (Geilheitsgarantie) und Lied acht ‚Omnos‘, sowohl akustisch, als auch auf der lt. Edition als Metal Version ein Hammer. Was „Evocation I – The Arcane Dominion“ aber ausmacht, ist die Gesamtheit des Werkes, seine Tradition und Naturverbundenheit.

Slania als Folk Metal Album zu toppen, war im Prinzip nicht möglich, deswegen war mit „Evocation I – The Arcane Dominion“ einen völlig neuen Weg zu gehen, ein genialer Schachzug. Auch wenn es viele Metalheads vor den Kopf gestoßen hat, sie werden an einem reinen Akustik Werk Marke „Eluveitie“ mit Sicherheit ebenso Gefallen finden. Und die Erfolgsgeschichte der Schweizer wird noch weiter gehen. Es wurde bereits „Evocation II“ verkündet. Aber keine Angst, zuvor wird ein Metal Album folgen. Ich wette, es handelt sich dabei um zwei weitere Schachzüge.

Übrigens empfehle ich die „Limited Edition“ zu kaufen. Zum einen, weil sich mit ‚Slania‘ (Folk Medley), sowie zur Zufriedenheit der Metal Fraktion, mit ‚Omnos‘ (Early Metal Version) zwei klasse Bonus Tracks darauf befinden, zum anderen weil der gesamte Auftritt beim Summer Breeze 2008 auf DVD gepresst und beigelegt wurde. Für einen perfekten Folk – Tonträger in beiden Kategorien die Höchstpunkteanzahl. Damit steht man dem Vorgänger „Slania“ um nichts nach. Hier gilt, wie immer in solchen Fällen: „Buy or die“

Hörbeispiele zu Eluveitie finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/eluveitie
geschrieben am 5.5.2009 von erich@folkmetal.at

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Bewertung: Punkte (Innovation): 15 von 15
Punkte (Gesamt): 15 von 15
Informationen: Eluveitie
Nuclear Blast

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