CD-Review: Nachtgeschrei – Am Rande der Welt

nachtgschrei_amrande der welt

[Medieval] – Massacre Records (2009)
Deutschland
Die neuen Medieval Heroes!

Sehr gespannt war ich auf das Zweitwerk der Frankfurter Nachtgeschrei, denn bereits mit ihrem Erstling „Hoffnungsschimmer“ haben die sieben Musiker aufgezeigt. Die Vorfreude war mehr als berechtigt. „Am Rande der Welt“ ist die erfolgreiche Fortsetzung von Hoffnungsschimmer.

Mit ‚Fiur‘ wird gleich einmal ein Intro der Meisterklasse hingelegt. Die Akustikgitarre leitet ein gefühlvolles Instrumental ein, welches sich, begleitet von altbekannten Dudelsack Rhythmen energetisch steigert und in militärische Metal Riffs übergeht, sowie in Lied Nummer 2: ‚Muspilli‘, ein mythologischer Titel. Der Inhalt dieses Songs ist nicht identisch mit den althochdeutschen Texten aus dem 9. Jahrhundert. Nachtgeschrei haben ihre eigene Definition von Mittelaltermusik, Abseits von altbekannten Klischees. Man hält es so wie bei „Hoffnungsschimmer“ und driftet nicht in klassische Mittelalter Lyrik a la Hildebrandslied ab. Die Texte auf „Am Rande der Welt“ laden zum Nachdenken, Träumen und Interpretieren ein. Sie beschreiben großteils Sehnsucht, Melancholie und eben die Vorstellung vom Rande der Welt. Keine Angst. An die hartgesottene Metal Meute: „Es wird zu keinem Zeitpunkt kitschig“.

Es folgen ‚Herz aus Stein‘ und ‚Fernweh‘, beides Folk Rock Hymnen, welche sofort zum Mitsingen einladen, wobei erstere etwas flotter abgeht. Nummer fünf auf dem neuen Silberling ist mein persönlicher Favorit. ‚Niob‘, eine dynamische Folk Metal Nummer, die wirklich in Mark und Bein geht. Wer da nicht aus sich raus geht, kann sich wirklich als frigide bezeichnen. Bei diesem powervollen Song kommt speziell der Gesang von Hotti gut rüber. Übrigens der Gesang wurde von einigen Schreiberlingen als Schwachstelle kritisiert. Die Meinung kann ich nicht ganz teilen. Leider werden Bands und Sänger oft an den zwei bekanntesten Medieval Bands gemessen. Die Namen brauche ich nicht zu erwähnen. Jeder glaube ich, weis wen ich da meine. Mag sein, dass Hotti’s Gesang nicht so voluminös im Vergleich zu besagten Frontmännern klingt, aber das macht die Stimme nicht schlechter. Hotti hat so einen Wiedererkennungswert und ist keine billige Einhorn – Kopie.

‚Lauf‘ fast eine Ballade, ‚Windfahrt‘ und ‚Nur ein kleines Stück vom Himmel‘ sind, wenn man das so sagen kann, typische Nachtgeschrei Nummern. Die Drehleier und der Dudelsack stehen wie immer im Vordergrund. Übrigens ‚Nur ein kleines Stück vom Himmel‘ ist ein weiterer literarischer Geheimtipp. ‚Wahrheit‘ geht es geruhsam an und ladet zum mitschunkeln ein. ‚Totmacher‘ und ‚Glut in euren Augen‘ lassen es gekonnt Medieval ausrocken. Kaum zu glauben, wie schnell 46 Minuten vorüber gehen. Die neue der sieben Frankfurter nimmt die Hörerschaft wirklich ‚Am Rande der Welt‘ mit.

Wer von „Hoffnungsschimmer“ angetan war, dem wird ‚Am Rande der Welt‘ noch mehr erfreuen. Für diejenigen, die noch keine Bekanntschaft mit Nachtgeschrei gemacht haben, aber auf intelligente, philosophisch geprägte Texte Wert legen und gute Medieval Rock/Metal Musik, wie Schandmaul, In Extremo, Subway to Sally oder Saltatio Mortis mögen, müssen hier einfach zuschlagen. Mit ihrem zweiten Werk haben Nachtgeschrei fast schon zu den Großen der Medieval Szene aufgeschlossen.

Hörbeispiele zu Nachtgeschrei finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/nachtgeschrei
geschrieben am 30.3.2009 von erich@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 11 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Nachtgeschrei
Massacre Records

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