CD-Review: Hangatyr – Helwege

hangatyr_helwege

[Pagan Black Metal] – Nocturnal Empire (2010)
Deutschland
Gefangen zwischen zwei Welten!

„Melodischer Black-Metal mit heidnischem Einfluss“, so beschreiben die fünf Mannen Odins ihre Musik. Dem will man nicht wirklich widersprechen, treffen sie doch ziemlich genau die Realität.

Zunächst darf man aber feststellen, dass wir uns – im absolut positiven Sinne!- in den heimischen Gefilden von folkmetal.at bewegen: dem Untergrund! Hier wird die Musik noch gelebt und nicht (nur) zelebriert oder (ein-) kassiert. Und hier kommt ein Debut-Album des Weges, ungeschliffen, authentisch, ungekünstelt … roh! Vielleicht klingt „Helwege“ aufs erste Hören etwas brachial produziert. Nach mehrmaligem Hören wird man aber feststellen müssen, dass gerade dieser Produktionsstil die Qualitäten Hangatyrs förmlich unterstreicht. Diese Musik kann man … darf man nicht anders produzieren, man nehme ihr sonst die Seele.

Musikalisch bewegen wir uns über weite Strecken deutlich auf schwarz-metallischen Wegen. Die simplen, stampfenden, teilweise monotonen Rhythmen und Riffs unterstreichen die Black-Metal-Ambitionen von Hangatyr. Die Texte und Melodien, die kurzen akustischen Intermezzi hingegen sprechen eine deutliche pagane Metal-Sprache. Auch die Chöre lassen etwa XIV. D.C. oder die restliche deutsche Pagan-Metal-Szene erahnen. Ich kann daher nur sagen: Wir schwimmen hier zwischen zwei Welten, ohne wirklich der einen oder anderen näher zu stehen. Entscheiden zwischen beiden Brüdern möchte i c h mich zumindest nicht.

Stichwort „Texte“. Gerade diese sind – insbesondere im Pagan-Metal – oft ein heikles Thema. Regelmäßig kommen sie kitschig, schwülstig, übertrieben und verzerrt daher. Unglaubwürdig und überdreht. Und gerade hier muss man Hangatyr ein echtes Kompliment aussprechen … welch` wohltuende Ausnahme! Die germanische Götter-, Helden- und Sagenwelt ist auch ihr Inhalt, was anderes wäre bei diesem Band-Namen zu erwarten? Aber anstelle abgegriffene Hymnen auf Ehre, Treue und sonst ´was zu singen, bleibt man bei „Helwege“ … ja fast puristisch, schier avantgardistisch – oder anders ausgedrückt: einfach und trocken … schlicht wohltuend. Man hört den gut verständlichen Texten gerne zu. Vielleicht auch weil die Texte die düstere, atmosphärische Linie der dargebrachten Lieder außerordentlich und erwähnenswert gut ergänzen und unterlegen. „Wären nur alle so ungekünstelt“, möchte man da schon flehentlich bitten (wohl ohne Gehör zu finden).

Zurück zu „Helwege“: Acht Liedwerke vereinen sich stimmig in Text und Ton auf dem Silberling zu einer Gesamtspielzeit von rund 40 Minuten, wovon zwei Liedwerke (‚Wintersturm‘ und ‚Wolfzeit‘) aus dem (hörenswerten!!!) Demo stammen. Ich selbst hätte mir vielleicht eher eine Neuaufnahme von ‚Irminsul‘ gewünscht – aber bitte, vielleicht werden meine Wünsche in Zukunft erhört. Absolute Anspieltipps sind jedenfalls: ‚Eid und Vergeltung‘ und ‚Trollhammar‘ (hat übrigens nichts mit Musik à la Finntroll etc. zu tun!).

Zusammen gefasst lässt sich sagen: Technisch, weder instrumental, noch gesanglich zu beanstanden, liegt hier ein in sich stimmiges, authentisches Debut vor mir, das einfach Spaß macht … richtig Spaß macht! Es ist eine Empfehlung für alle Black-Metal-, wie Pagan-Metal-Fans (hier vor allem Fans von XIV. D.C., Menhir, Gernotshagen), das gerade auch wegen seiner „Gespaltenheit“ eine gewisse Eigenständigkeit aufweist und sich so dem Einerlei entzieht.

Bleibt nur noch eine Feststellung zu diesem Debut zu treffen: diese Scheibe ist einfach geil! Einfach geil!! Verwegene 13 Punkte für ein Underground-Debut, sag ich da nur!

Hörbeispiele zu Hangatyr finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/hangatyrmetal
geschrieben am 19.2.2010 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 9 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Hangatyr
Nocturnal Empire

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