CD-Review: Helfahrt – Drifa

HELFAHRT_-_Drifa_artwork

[Pagan Black Metal] – Trollzorn (2010)
Deutschland
Die Schnecke auf des Rasiermessers Schneide!

Nach „Sturmgewalt“ (2006) und „Widergang“ (2008) geleitet uns nun schon das dritte Album der Münchner Schwarzmetaller auf unserem Weg nach Helheim. Diesmal geleitet uns Drifa, Enkelin des Gletscherriesen Karl und Personifikation von Frost, Schnee und Eis … sozusagen passend zum beginnenden Frühling.

Kenner der Szene wissen, dass es die Mannen um den Sänger Max Marquardt dem Zuhörer nicht gerade einfach machen. Nein, Helfahrt spielen keine leichte und seichte Kost. Sie versinnbildlichen das komplette Gegenteil von Humpa-Party-Metal und liefern ernsthafte Klänge, die nachdenklich machen, düster und bedrohlich wirken.

Entsprechend sollte man auch nicht den Fehler machen und sich „Drifa“ nebenbei anhören. Dieses Album verlangt absolute Konzentration und Aufmerksamkeit. Aber wenn man bereit ist dies zu investieren, dann werden dem Metaller die Augen und Ohren übergehen.
Helfahrt sind zunächst einmal … einfach schwarz. Hier gibt Black Metal den Ton an. Heidnisch sind allenfalls die Texte und die an manchen Stellen eingestreuten Akustik-Parts aus Gitarre (etwa bei „Der Zeit entstellt“) kombiniert mit Flöten und Klavier/Flügel-Klängen (bei ‚Staub‘) oder Maultrommeln (‚Abschied‘). Ansonsten dominieren die stampfenden schwarzen Riffs und Drums im Mid-Tempo-Bereich bis hin zu brachialen Double-Bass-Gewittern.

Außergewöhnlich in der Szene (aber typisch Helfahrt) ist der stets präsente E-Bass – ein echter Leckerbissen für alle Fans der dunklen Töne. Selten, dass dieses Instrument auf der gesamten Album-Länge so präsent eingebracht und bewusst in vorderste Front geschoben wird. Aber es unterstreicht den düsteren Klang nachhaltig und verleiht dem Ganzen oftmals etwas Rockiges (etwa bei ‚Zu Asche‘). Nicht zu kurz kommen daneben natürlich die Gitarren, die mit röhrendem Sound und ständigen Rhythmuswechseln, ergänzt vom knallenden Bass nie Langweile oder Eintönigkeit aufkommen lassen. Ein kleines, wundervolles Soli bei ‚Drudnhax‘ steht exemplarisch für Spielfreude, Können und Einfallsreichtum.

Stimmlich macht Chef-Gröhler Marquardt im Zusammenspiel mit Sebastian Ludwig dort weiter, wo man zuletzt bei „Widergang“ aufgehört hat. Helfahrt decken stimmgewaltig von dreckigen, rotzig fiesen und aggressiven bis hin zu melancholischen, ohnmächtigen Klängen ein breites Spektrum ab. Harmoniebedürftige Zeitgenossen werden es schwer haben. Alpträume werden für sie wahr. Wer hingegen das Bedürfnis hat, des Nachbars Gartenzwerge mit seiner Kettensäger zu zerstückeln, der wird sich hier wohlfühlen und seinen „Soundtrack“ gefunden haben.

Nicht schrecken lassen wir uns von der Schnecke auf der Rasierklinge – der Schnecke ist das nämlich Wurscht. Und entsprechend beruhigt können wir die Scheibe ein ums andere ´mal im CD-Player kreisen lassen … und hinterhältig summend zusehen, wie der Nachbar seine Wichtel mit Beginn des Frühlings in Stellung bringt: „Keine Gnade kennt die Zeit“! Absolutes Muss für alle Freunde des heidnischen Black-Metals!

Hörbeispiele zu Helfahrt finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/helfahrt
geschrieben am 4.4.2010 von karsten@folkmetal.at

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Bewertung: Punkte (Innovation): 12 von 15
Punkte (Gesamt): 14 von 15
Informationen: Helfahrt
Trollzorn

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