CD-Review: Des Koenigs Halunken – Irrfahrt

des koenigs halunken_Irrfahrt

[Medieval] – Narrenschiff/Soulfood (2009)
Schweiz
Mittelalterliches aus dem Lande der Eidgenossen!

Die Mittelalterszene der Schweiz ist, wie das Land selbst, überschaubar. Daher ist es kaum verwunderlich, dass auch die eidgenössische Spielmannszunft recht karg bestückt ist. Vor einem Namen gibt es jedoch kein entrinnen: Des Koenigs Halunken.

Dem übrigen deutschsprachigen Raum wohl noch ziemlich unbekannt, wird hier das Konzept der Halunken kurz dargelegt: Da wäre einmal seine Majestät, der Koenig (Dudelsack, Drehleier), die Prinzessin (Geige), der koenigliche Leibwächter (Bass, Gesang), der koenigliche Herold (Schlagwerk, Gesang), der Hofnarr (Gesang, Perkussion) und schliesslich der Schafhirte (Gitarre und sonstiges Gezupfe).

Nachdem 2008 das Debütalbum „Spieglein, Spieglein“ erschien, stehen wir nun kurz vor der Veröffentlichung des Nachfolgers „Irrfahrt“. Beim neuen Werk fallen sofort drei Unterschiede im Vergleich zum Erstling auf:

– bessere Produktion (die Gitarre erklingt mittlerweilen ziemlich wuchtig)
– der Einsatz einer Geige
– die ausschliessliche Verwendung der Schriftsprache

Den letzten Punkt nehme ich nur ungern zur Kenntnis. Im Zuge einer möglichen Ausdehnung der Hörerschaft auf den gesamten deutschsprachigen Raum ist dieser Schritt zwar durchaus verständlich, aber der Einsatz des Schweizerdeutschen auf dem Debüt war schon einzigartig (die Mundartadaptionen von Herr Mannelig und In Taberna haben Kultstatus). Ein Punkt Abzug.

Der abgezogene Punkt wird jedoch postwendend durch den Einsatz der Fiedel zurückerobert. Im Sackpfeifen-Rock à la In Extremo, Schelmish und Co. wird die Geige ja selten bis nie verwendet und stellt hier entsprechend eine Bereicherung dar.

Den Auftakt des Albums macht ein Instrumental, das hauptsächlich aus dem Zusammenspiel von Dudelsack und Geige besteht. Die restliche Geschichte dieses Zweitwerks ist rasch erzählt: die Halunken werden auf ihrer „Irrfahrt“ in alle Himmelsrichtungen zerstreut und die Lieder berichten über die Erlebnisse des Einzelnen.

Zwei Tracks möchte ich dabei besonders hervorheben. Da wäre einmal die mit punkigen Anleihen versehene Uptempo-Nummer „Barbar“ sowie „Kannibalen“, welcher einen überaus eingängigen Refrain besitzt.

Mal erklingt die neue Scheibe folkig, mal etwas rockiger. Die Halunken erfinden damit das Mittelalter(-rock) Genre natürlich nicht neu. Sie bringen jedoch durchaus etwas frischen Wind in die Szene. Hier kriegt man nicht die x-te Version vom „Palästinalied“ und ähnlichem traditionellen Liedgut zu hören. Sie erzählen eine fortlaufende Geschichte, haben sämtliche Tracks selbst komponiert, ohne dabei den Anspruch auf allzu grosse Ernsthaftigkeit zu erheben (wie z. B. die Textzeile „bück dich Fee, Wunsch ist Wunsch“ beweist).

Gesamthaft betrachtet, gelingt den Halunken mit „Irrfahrt“ im Vergleich zum Debüt ein qualitativer Sprung nach vorne. Es wäre ihnen gegönnt, wenn sie mit dieser Scheibe auch ausserhalb der Eidgenossenschaft etwas Aufmerksamkeit erlangen könnten.

Hörbeispiele zu Des Koenigs Halunken finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/koenigshalunken
geschrieben am 27.11.2009 von wallace@folkmetal.at

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Bewertung: Punkte (Innovation): 9 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Des Koenigs Halunken
Narrenschiff/Soulfood

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