CD-Review: Den Nordiske Sjel / Nidhögg – Jotunheimen (Split-CD)

den nordiske sjel u. nidhoegg_Jotunheimen

[Nordisk Heavy Metal & Baltic Viking Metal] – Nocturnalempire Produktion (2009)
Deutschland
Aus dem Herzen des deutschen Pagan Metal gen Norden!

In nicht ganz üblichem Format kommt der Silberling herangesegelt: Eine Split-CD, im ersten Teil des Wikingerschiffs rudern Den Nordiske Sjel, im zweiten Teil die Mannen von Nidhögg – für beide das CD-Debüt, vereint im Kampf um die Gunst der Metal-Horden. Für ein Debüt zweier (noch) nicht ganz berühmter Formationen nicht überraschend, kommt die CD unter dem Gesichtspunkt Layout und Ausstattung wenig üppig ausgestattet daher. Der Auftritt ist etwas uneinheitlich und anstatt manches, zu klein geratenen Bildes hätte der Hörer sich lieber den Abdruck der Texte gewünscht, zumal diese teilweise etwas schwer verständlich sind. Aber gut, das sind nur Peanuts und für eine „Demo-CD“ unerheblich. Neun Songs mit insgesamt 41 Minuten liegen vor mir, circa zur Hälfte von den Recken aus Thüringen, zur anderen Hälfte von den Mannen aus Vorpommern verfasst.

Den Anfang macht Den Nordiske Sjel, die nordische Seele. Selbst beschreiben sich die Thüringer als melodische und atmosphärische Formation mit Leidenschaft – dem ist nicht zu widersprechen. Ohne großes Intro kommt man kompromisslos zur Sache. Mit mäßigem Tempo, aber durchaus kernigem Sound stampft man voran, immer wieder unterbrochen von ruhigeren Passagen und Tempowechseln. Klargesang duelliert und ergänzt sich mit gemäßigtem Gekrächze und bringt damit Abwechslung. Die Melodien sind eingängig und gehen nach wenigen Wiederholungen in Fleisch und Blut über und mit zunehmendem Hören findet man mehr Gefallen an den vier Werken der Thüringer. Ansatzpunkt für Kritik wäre allenfalls der – bisweilen etwas dünne – Klargesang, der einerseits gerne individueller und andererseits aggressiver ausfallen dürfte. Textlich konkurriert man sicher auch nicht mit der deutschen Klassik, was im Schwermetall allerdings auch nicht notwendig ist – für Spaß ist allemal gesorgt!

Kurzweilig reihen sich die vier Beiträge aneinander, abgeschlossen von einem Instrumental; bezeichnenderweise tituliert als ‚Ausklang‘, das in seiner Platzierung eine wohltuende Alternative zu den sonst üblichen Intros darstellt und – trotz Instrumental – keine Langweile aufkommen lässt, sondern vielmehr nochmals das handwerkliche Können aufzeigt, gepaart mit Abwechslungsreichtum in der Melodieführung und Rhythmik. Rund um ein gelungenes Debüt für Den Nordiske Sjel, das sicher nicht perfekt ist, aber in sich stimmig und mit wenigen Verbesserungen, auf mehr hoffen lässt.

Dem hoffnungsfrohen Anfang aus Thüringen schließen sich die Krieger von der Ostsee an, Nidhögg, dem schlangengleichen Drachen Niflheims. Und die fünf Wikinger gehen mit Gitarre, Schlagzeug und Gesang auf Angriffskurs, das einem Hören und Sehen vergeht. Etwas unglücklich (von Seiten des Produzenten) reiht man zwar deren ‚Intro‘ an das ‚Outro‘ der Nordiske Sjel an – zwei Instrumentals nacheinander, was dramaturgisch etwas unglücklich erscheint – wofür die Mannen von Nidhögg wiederum nichts können.

Ein Instrumental – ‚Auf Vigrids Felde‘ – macht also den Anfang, das vielleicht etwas zu langatmig geraten ist, das aber in jedem Falle über das Nachfolgende hinweg täuscht. Schwebt man im Instrumental eingangs noch auf den Schwingen der Möwen über den Wellen der Ostsee, erhaben, bisweilen melancholisch, aber stets kraftvoll, so wird man doch urplötzlich in ‚Des Jarls Tod‘ in die Abgründe der Welten gestürzt. Als Baltic Viking Metal getarnt, eröffnen sich schnell schwarzmetallische Ansätze, die mitziehen, mitreißen, den Lautstärkeregler aufdrehen lassen, dass die Bierflaschen auf den Boxen das Tanzen beginnen. Sicher, hier sind nicht die Erfinder eines schwarzglänzenden Pagan-Metals am Werke, aber echte Könner dieses Genres. Mit ‚Ravens in the Sky‘ steuert man denn auch auf einen absoluten Höhepunkt der CD zu, der die Nachbarschaft eines jeden Hörers in seinen Grundfesten erzittern lässt, erzittern lassen muss. Geiler Black-Metal gekreuzt mit Pagan-Metal, schwer zu qualifizieren, aber eindringliche Riffs und Tempowechsel, Beschleunigung und Entschleunigung feinstes Gekrächze mit Kreischgesang, Aggression und Abwechslung gepaart mit Können und Geschick – kurzum absolut gelungener düsterer Metal in Reinkultur! Hut ab! Amon Amarth könnten nicht besser sein.

Doch dann urplötzlich der jähe Absturz! Die Titel acht und neun stellen den Hörer vor ein Rätsel. Die letzten beiden Tracks dieser bislang hörenswerten bis gelungenen CD setzen leider nicht das fort, was bis dato aufgebaut wurde. Zwei Live-Songs von Nidhögg – ‚Jomsvikingar‘ und ‚Till death we stand‘ – bilden einen abrupten Abschluss. Neben dem englisch-grammatikalisch zweifelhaften Titel zumindest des letzten Songs offenbaren sich unerwartet klangliche/musikalische Defizite, die etwas ratlos machen. Nicht dass die beiden Schlussakte nicht Potential hätten. Nicht dass es sich hierbei um, dem Grunde nach interessante und hörenswerte Schlachtgesänge handeln würde/könnte, aber die Qualität dieser Live-Aufnahmen lässt doch sehr zu wünschen übrig.

Offensichtlich hat man unterschätzt, dass gerade Live-Aufnahmen die schwierigste Form der Aufnahme darstellen. Nur selten gelingt es, Qualität mit Stimmung in Perfektion zu vereinen. Gerade an die Aufnahmequalität stellt ein Live-Mitschnitt höchste Anforderungen und nur selten gelingt eine Live-Performance, die es wert ist, für die Ewigkeit in Silber gepresst zu werden. Die beiden vorhandenen Mitschnitte sind es – trotz allen Potentials – leider nicht. Ich verstehe, wenn man der Meinung ist, drei Songs – davon ein Instrumental – sind zu wenig für eine (Split-) CD, aber weniger wäre hier in jedem Fall mehr gewesen – zumal das „reinrassige“ Nidhögg-Album „Siegeszug der Götter“ vor der Tür steht. Auch das coole ‚Danke Schön‘ im Darth-Vader-Sound entschädigt nicht für die (klangliche) Zweifelhaftigkeit der beiden Abschlusstücke der CD.

Unterm Strich aber bleibt ohne jeden Zweifel auch und insbesondere hinsichtlich Nidhögg ein starker Gesamteindruck, der Lust auf mehr macht.

Hörbeispiele zu Den Nordiske Sjel finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/dennordiskesjel

Hörbeispiele zu Nidhögg finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/nidhoeggofficial
geschrieben am 9.9.2009 von karsten@folkmetal.at

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Bewertung: Punkte (Innovation): 7 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Nidhögg
Nocturnalempire Produktion

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