CD-Review: Aigi – Hilat

aigi_hilat

[Etno Joik Folk Rock] – Eigenproduktion (2008/2011)
Finnland
Samische Glut!

Vor kurzem trudelte ein Päckchen aus dem hohen Norden ein. Nicht ahnend, dass es sich dabei um eine Sendung handelt, die mich bald aus dem Trott alltäglicher Klänge entführen würde. Der erste Blick auf das Cover deutet schon darauf hin, dass es sich nicht um eine extreme Form des Metal handelt. Ziert doch eine hübsche junge Frau anmutig das Cover. Das es sich dabei um eine für mich noch gänzlich unbekannte Musikrichtung handelte, machte mich um so neugieriger.

Gut Etno, Folk und Rock sind nichts Neues, aber vom Joik gebe ich zu, weder namentlich noch musikalisch bisher etwas gehört zu haben. Zumindest nicht wissend. Gibt es doch eine Band namens Korpiklaani, die solche Einflüsse am Beginn ihrer Karriere in ihre Musik einbezogen hat. Daher sei diese Art archaischer Klänge kurz erklärt, um sich auch ein genaueres Bild über das hier rezensierte Werk zu machen:

„Der Joik (nordsamisch juoigan; Zeitwort: joiken, nordsam. juoigat) ist ein mit dem Jodler verwandter, eintönig-gutturaler Gesang der Samen. Diese Ureinwohner Lapplands besingen damit Tiere und Naturphänomene. Der Joik ist heute noch integraler Bestandteil der Kultur der Samen. In einer Mischung aus Lied und Gedicht bzw. Ballade behandeln die Texte meist das Leben in der kargen Landschaft der Polarregion. Seine Themen erstrecken sich auf die Inhalte des gesamten Leben des Joikers. Manche der Joiks erzählen von Personen, die meisten aber von Tieren, die besonders wichtig für die Samen sind. Auch heilige, besondere Plätze in der Natur, Gefühle und Hoffnungen sind bekannte Themen des Joiks. Wer den Joik verstehen will, muss sich in die tiefe Verbundenheit der Samen mit der Natur versenken“. (gekürzete Version auf Wikipedia unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“

Aigi aus Sapmi (Lappland) repräsentieren diese für die Samen seit Jahrtausenden prägenden Klänge und verpacken sie auf ihrem eigens produzierten Werk „Hilat“ mit rockigen und folkigen Riffs, aber auch mystischen Elementen die am ehesten dem Gothic Rock zuzuschreiben sind. Hier trifft Träumerei, Melancholie und Mystik auf Fröhlichkeit, Folklore und rockige Ausgelassenheit. Der Hörer bekommt Emotion pur zu Gehör ohne dabei überfordert zu werden, wird es doch mit einer musikalischen Einfachheit und Leichtigkeit ausgeglichen die auf archaischen Klängen basiert. Klarerweise werden akustische Instrumente bedient. Die Nyckelharpa spielt eine übergeordnete Rolle, ebenso die Frickel und teils die Bodhrán. Im Vordergrund steht jedoch eindeutig der (Joik) Gesang von Anne Gro Gaup. Von lieblich bis rotzig ist Anne’s Stimme sehr variabel.

10 Stücke werden auf Samisch zum besten gegeben. Der Bezug zu Lappland und zur samischen Kultur zeigt sich auch in der Bandstruktur. Kommt je ein Teil aus Norwegen und einer aus Finnland (Vermerk: Lappland zieht sich über Finnland, Schweden und Norwegen, die Samen sind sogar darüber hinweg über Russland und die Ukraine verteilt).

Einzelne Songs möchte ich an dieser Stelle nicht hervorheben, besticht das Album mit seiner Gesamtheit und einer atemberaubenden Atmosphäre. Mit „Hilat“ wird wirklich einmal was „Neues“ serviert. Ein Klangerlebnis was für viel Abwechslung sorgt. Hier kann wirklich jeder zuschlagen und nichts falsch machen. Egal ob Metalhead, Gothik Freak oder Folker. Bis Dato war Aigi am Kontinent ein unbeschriebenes Blatt, hingegen in Norwegen konnten die Lappen eine Single (nicht auf Hilat) sogar schon unter die Top 10 (!) der Charts bringen. Skandinavien ist was Musik anbelangt sowieso anders gestrickt, daher keine Angst: kein Kommerzalarm, auch keine Musik für die Massen. „Hilat“ ist ein samischer Reiseführer in musikalischer und geschichtlicher Hinsicht für Anfänger. Absoluter Geheimtipp!

Hörbeispiele zu Aigi finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/aigitheband
geschrieben am 18.2.2011 von erich@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 13 von 15
Punkte (Gesamt): 14 von 15
Informationen: Aigi
Eigenproduktion

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