CD-Review: Daemonlord – Godless Prayers

daemonlord_ godless prayers

[Black Metal] – Ketzer Records (2011)
Spanien
Rohkost aus Espana!

Daemonlord ist eine mir vormals unbekannte, aber ausgesprochen produktive Band, die seit 2007 (nach 10 Veröffentlichungen seit der Gründung 2002, davon 3 Alben) offenbar eine kreative Pause eingelegt hat und sich nun mit – im Vergleich zu dem wenigen, was ich von ihr an früherem Material auftreiben konnte – einem gereiftem Stil zurückmeldet.

Als Genreeinteilung bekomme ich immer wieder „Raw Black Metal“ zu lesen – das ist zutreffend und bis auf echte Puristen sollte auch „der Underground“ mit dieser Platte hochzufrieden sein. Stark verzerrte, zittrige Gitarren… Blitzkrieg-Drums… krächzende Vocals… wintermorgendliche Kälte und Hall… alles da – und trotzdem gelingt es Daemonlord mit Leichtigkeit immer wieder, über die engen Grenzen ihres Genres hinauszublicken: Die Tracks haben hohen Wiedererkennenswert, warten mit einem reichen, raumfüllenden Sound auf, sind sehr melodiös und überaus variantenreich – zumindest meiner Aufmerksamkeitsspanne nach kommt immer genau dann, wenn es etwas lang zu werden droht, eine kleine Innovation, ein Break, ein neues Riff, eine Drumsequenz, die einen aufhorchen lässt. Auch die obligatorischen reinen Instrumentalstellen (herzerweichend die Akustikgitarre bei Track 9, ‚Train to Nowhere‘) fügen sich perfekt in das Gefüge ein, das Album wirkt jederzeit „aus einem Guss“. Nicht einmal die bei mir in der Regel nicht sonderlich beliebten, stellenweise auftretenden und dosiert eingesetzten Rockgitarren wirken deplatziert, sondern stets bereichernd.

Einzig die Vocals könnten auf den ersten Blick etwas mehr Abwechslung und auch Stimmgewalt vertragen – auf den zweiten Blick muss man allerdings konstatieren, dass es gerade diese Vocals sind, die die Komposition zusammen halten. Der Vokalist, der sich wahlweise so anhört, als würde er mit einem Frosch im Hals singen, oder vor jeder Textzeile mit Blut gurgeln (vergleichbar mit Abbath von Immortal), wirkt sich erdend auf die Songs auf, bewahrt gewissermaßen die Rohheit und hält die Songs mit ihren dominanten Melodien davon ab, zu „weich“ zu werden.

Das Album hat insgesamt einen sehr guten Erst- und Letzteindruck hinterlassen, so dass ich nicht tiefer auf die einzelnen Tracks eingehen will. Vieles wirkt sehr vertraut, nur konnte ich diese Vertrautheit noch nicht auf den Punkt bringen… immerhin sei auf das Intro von Track 10, ‚The Decline‘, hingewiesen, das – wie Clubbed to Death von Rob Dougan auf dem Matrix-Soundtrack – „an excerpt from the first movement of Edward Elgar’s Enigma Variations“ benutzt. Womöglich sind die Reminiszenzen einfach den großartigen Melodien und dem darin begründeten hohen intra- und interindividuellen Wiedererkennenswert der Tracks geschuldet.

Dieses Album sollte sich sowohl für eingefleischte Rohkostler eignen als auch für jene, die mit Gedresche, Repetition und Monotonie allein nicht viel anfangen können und hervorragende Ideen und memetisch eingängige Tracks schätzen, ohne sich zu weit von der Trueness entfernen zu wollen. In beiden Fällen – und allen Interessenschattierungen dazwischen – würde ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.

Hörbeispiele zu Daemonlord finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/daemonlord1
geschrieben am 24.2.2011 von gorogh@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 12 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Daemonlord
Ketzer Records

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