CD-Review: Dementia ad vitam – De Gaia, le Poison…

dementia ad vitam – de gaia, le poison

[Folk, Dark Ambient, Neoklassik] – Naturmacht Productions (2010)
Frankreich
Leidenschaft pur!

Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht finden. Die Suche nach ihnen ist zweck- und hoffnungslos. Reine Zeitvergeudung. Aber es gibt Dinge im Leben, von denen wird man gefunden! Das Schicksal will es offensichtlich. Und genauso erging es mir mit „De gaia, le poison …“. Unverhofft lag sie in meiner Hand, die silberne Scheibe. Ich kannte nichts von diesem Verkaufsstand, kannte nichts von diesem Label, nicht einmal das Label selbst. Das Schicksal meinte es gut mit mir, beim Fimbul Festival 2010, als ich mich auffordern ließ und dann zugriff, ohne wirklich zu wissen, was man sich einfängt. Diffuse Klavierklänge waren mir im Trubel zu Ohren gekommen. Zu sacht, zu still um sie bei einem Festival wahrnehmen zu können. Ein erster Eindruck, der sich am nächsten Tag verdichtete, zur Gewissheit und vom ersten Moment an zur Passion wurde. Der Beginn einer Leidenschaft …

Die Tage werden kürzer, das Licht klarer, die Luft rauer … die Welt verändert sich, wird stiller, düsterer, dunkler. „De Gaia, le Poison …“ nimmt diese Stimmung auf, verdichtet sie und schafft eine Atmosphäre, der man sich nur schwer entziehen kann. Ruhig, sanft, sphärisch wird man über eine Stunde auf verträumten Pfaden durch das Dasein geleitet. Ein wundervoller Zauber umgibt den Hörer, der bereit ist sich hinzugeben, Ruhe zu finden und sich voll auf die drei Franzosen konzentrieren kann, die mit diesem Album ihr zweites Werk auf den Markt bringen. Ein Album, das sich in (fast) reiner Akustik verliert. Gitarre, Klavier, Piano, Streichinstrumente (mancherorts offensichtlich über Keyboard eingespielt), Naturklänge. Wir schweben zwischen den Welten. Mal nähern wir uns dem Folk, mal der Klassik, düster bleibt es allemal, ein bisschen Black, ein bisschen Avantgarde, ein bisschen … Munarheim.

„De Gaia, le Poison …“ ist ein Album, das zwischen den Welten pendelt. Ein Album das nie aggressiv wird, stets sanft bleibt, das nie vorhersehbar ist, sondern stets überrascht. 15 Lieder ergänzen sich zu einem Gesamtkunstwerk, einem Werk mit Anspruch. Ein Album das sicherlich alles anderes ist, als leichte Kost. Ein Spaßfaktor ist hier nicht auszumachen, sieht man von dem ungemeinen Vergnügen ab, diesen Klängen zu folgen. Das Französische ergänzt mit seiner Sprachmelodie die Musik perfekt. Für den, des Französischen Unkundigen hat es zudem den Vorteil, dass der Inhalt nicht von der Melodieführung ablenkt, dass der Gesang letztlich Instrument bleibt. Von der Kraft, der Dramatik, von der Aussagekraft bleibt dadurch nichts auf der Strecke.

Vielschichtig, komplex und voller Leidenschaft, mit Stimmen aus der Zwischenwelt, einem verzaubertem Wispern, magischen Erzählungen bis hin zum Heulen der Verzweiflung, der Qual, des Wahnsinns … rein stimmlich wird alles geboten, was die Phantasie, das Leben, das Schicksal einfordert. Hinzu kommt eine zumindest ausreichend ansprechende Produktion, die vielleicht nicht das absolute Maximum heraus kitzelt, aber doch weitestgehend die klanglichen Stärken wiedergeben kann. Letztlich aber ist die Produktion alles andere als schwach, die vorhandenen Mängel schützen den Hörer zumindest vor der totalen Ekztase.

Wer den üblichen Folk, Metal oder Folkmetal bei Seite schieben kann, wer bereit ist zur Ruhe zu kommen, sich auf „Wesentlicheres“ zu konzentrieren, wer insbesondere klassischen, bisweilen avantgardistischen Klängen nicht abgeneigt ist, der wird hier fündig werden. Ich habe seit Zeiten kein Album gehört, dass eine solche Melodiestärke hatte, einen solchen Ausdruck, eine solche Kraft … einfach zum Niederknien schön. Für mich schon jetzt d a s Album des Jahres 2010!

Hörbeispiele zu Dementia ad vitam finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/dementiaadvitamband
geschrieben am 28.9.2010 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 15 von 15
Informationen: Dementia ad vitam
Naturmacht Productions

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