CD-Review: Derelict Earth – And so fell the last leaves…

derelict earth_and so fell the last leavesc

[Progressive Metal] – Eigenproduktion (2011)
Frankreich
Auswüchse in unendliche Musikwelten!

Es macht schon Spaß, in den Undergroundschubladen zu stöbern. Der Reiz durch unbekanntes Land zu streifen, auf der Suche nach nichts bestimmten und doch in der Hoffnung über ein kleines Juwel zu stolpern. Gesagt getan und siehe da bei Metaldemos.com fündig geworden. Da die Abteilung Folk/Pagan Metal nicht wirklich was zu bieten hatte, musste die progressive Abteilung herhalten. Genau da bin ich auf so ein Juwel gestoßen.

Das Frankreich still und heimlich einen Geheimtipp nach den anderen an Land bringt ist spätestens seit Alcest und Bran Barr bekannt. Die Franzosen übersättigen zwar nicht den Markt wie unsere nördlichen europäischen Horden, aber was kommt, das hat Qualität. Um so mehr verwunderte mich, dass Derelict Earth mit seinem bereits zweiten Album „And so fell the last leaves…“ nur unter vielen Underground Demos mit zum Teil minderer Qualität anzufinden war. Kein Plattenlabel ist bisher auf die Idee gekommen hier ein Angebot zu erstellen. Nennt man das Betriebsblindheit oder ist es gar die Übersättigung am Markt, die keinen Platz mehr für das Wesentliche, Ausgefallene und Künstlerisch Wertvolle hat. Wie auch immer, lassen wir das „Warum“, Wieso und überhaupt….

Derelict Earth ist ein progressives Metal Soloprojekt von Ex-Silmarillion Sänger und Gitarrist „Quentin Stainer“. Mit extrem verschiedenen musikalischen Einflüssen, von klassischen, – über Melodic Death, – bis hin zum Black Metal, Derelict Earth’s Musik verbindet brachiale Emotion mit eingängigen Songmaterial. Gegründet 2009 in Toulon folgte noch im selben Jahr das erste Werk „Sins of the Siblings“. Ein Album, welches frei zum Download steht, genau wie der neue Longplayer „And so fell the last leaves…“.

Ein „Must have…“ sozusagen. Wann bekommt man schon so viel Qualität zum Nulltarif? Insgesamt bietet die aktuelle Rille acht Songs, wobei sich alle ziemlich genau an eine Länge von 6-7 Minuten halten. Bereits die ersten Klänge von ‚We, Experiment of God‘ verraten schon, dass es sich nicht um ein übereifriges, billiges Teenager Demo handelt. Quentin Stainer bringt zwar schon, wie bereits erwähnt eine gewisse Erfahrung mit, aber es kommt halt immer darauf an, wie diese umgesetzt wird. Der erste Titel zeigt gleich die Vielfältigkeit des Mannes aus Toulon. In Amorphis Manier wird drauf los gegrowlt um im nächsten Atemzug auf die Depressive Bremse zu steigen. Amorphis ist als Kompliment zu verstehen, nicht als Kopiervorlage. ‚No more sunset‘, sowas wie mein Lieblingstitel auf „And so fell the last leaves…“, streift wirklich alle Themen des Metal. Sei es Dark Ambient, Black -, Dark,- Pagan oder Meldoic Death Metal. Um nicht zu vergessen den Downtempo Part, den keine Funeral Doom Combo besser praktizieren kann. Ein genialer Song der eigentlich symptomatisch für das gesamte Werk ist.

Pagan und Nature, aber auch gegenwärtige sozialkritische Themen finden sich in den Texten. Ein weiteres Plus. Wird hier nicht einem abgedroschen Trend folgeleistet, sondern sehr intelligentes Songwriting an den Tag gelegt. Die Vocals bewegen sich zwischen Death Growls und Klargesang. ‚The locost culture‘ und ‚At the nadir of men‘ (die ersten Takte erinnern mich ein wenig an Metallica und seine …and justice for all – Zeit) und ‚Carnal Transcendance‘ gehen es noch mit viel Elan an, wobei nie durchgedroschen wird und es immer wieder die alternativen langsameren Breaks gibt. Dem Ende zu wird es noch düsterer und epischer. Damit sind die drei letzten Nummern ‚Scars of truth‘, ‚Awaiting the heat death‘, ‚And so fell the last leaves‘ gemeint.

Kaum zu glauben, dass hinter diesem Projekt nur ein Mann steht. Soloprojekte neigen dazu etwas eintönig und vor allem plastisch rüberzukommen. In diesem französichen Fall ist keine Spur davon zu hören. Alles wie aus einem Guss. Quentin Stainer hat musikalisch viel riskiert, dort wo sich andere gar nicht hintrauen und hat gewonnen. So weit drüber wagen sich nur wenige. Die grandiosen Opeth sind in diesem Atemzug zu nennen, ebenso Amorphis und die nationalen Wegbegleiter in der Szene; Alcest.

Also nochmals, dieses Projekt ist kostenlos zu haben. Wer da nicht zuschlägt ist selbst schuld. Wenn jetzt nicht die Downloadzahlen in die Höhe fahren, weis ich nicht mehr… Meine Favoriten: ‚No more sunset‘, At the nadir of men‘, ‚Csars of truth‘ (da höre ich sogar epische Amon Amarth raus) und ‚Awaiting the heath death‘.

Hörbeispiele zu Derelict Earth finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/derelictearthproject oder http://www.metaldemos.com/demos/metaldemo201
geschrieben am 2.7.2011 von erich@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 12 von 15
Punkte (Gesamt): 14 von 15
Informationen: Derelict Earth
Eigenproduktion

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