CD-Review: Fjoelnir – Ahnenkrieg (Demo)

fjoelnir_ahnenkrieg

[Pagan Metal] – Eigenproduktion (2011)
Deutschland
Hidden treasure!

Nichts ist ärgerlicher, als eine verpasste Chance. Gerade wenn man später viel Geld investieren muss, um die begehrten Sammlerstücke zu ergattern. Folglich empfiehlt es sich die Demos von Anfang an zu sammeln, zu einer Zeit, in der sie noch preiswert oder gar kostenlos sind.

Fjoelnir heißt die Truppe aus dem Frankenland, die u.a schon als Support für Heathen Foray, Bifröst und Heidevolk zu Gange waren und 2010 ihr Einstiegs-Demo „Ahnenkrieg“ auf den Markt geworfen haben. Vier Schlachtgesänge wurden darauf für kommende Generationen verewigt, auf einem Demo wohlgemerkt und keinem „Luxus-Debut“ (wie etwa gerade rezensiert von Nothgard). Entsprechend wird die Luft beim Zuhören etwas stickig, trieft der Schweiß von den Wänden und man stolpert über zahllose leere Bierflaschen. Kurz: Diese Scheibe ist erarbeitet, gelebt, schlicht authentisch! Kristallklaren Sound darf man nicht erwarten. Und wenn es hier und dort etwas scheppert, der Einsatz nicht exakt kommt oder die Melodie unerwartet schräg wird, dann sitzen wir gedanklich in der Ecke eines schummrigen, kleinen Studios … aber wir sind hautnah dabei.

„Power“ ist das Stichwort. Bei Fjoenir ist (noch) wenig filigran, hier wird geprügelt und geknüppelt, was das Zeug hält und wenn das Schlagzeug vom Podest kippt, dann ist man gerade auf Betriebstemperatur. Eine Bassistin, die unzähligen männlichen Pendants zeigt wo der Bass hängt (man kann sie nämlich auch akustisch wahrnehmen und vermutet nicht, wie bei anderen Bassisten, dass sie nur für die After-Show-Parties mit auf der Bühne stehen). Ein Sänger, den man zwar nicht versteht, der aber so unermüdlich keift, wie es für diesen Musikstil sein muss. Dies zudem mit einer Mischung aus Krächzen, Keifen und Growlen, die durchaus etwas Eigenständiges hat. Ab und an lässt die stark gitarrenlastige Musik sogar ein Keyboard zu Wort kommen, dessen Melodie jedoch vielschichtiger und subtiler sein dürfte.

Insgesamt betrachtet, fehlt es noch an Präzession. Die Klangqualität dürfte auch für ein Demo besser sein (wie etwa zu hören bei dem zweiten kostenlosen Werk von Fjoelnir auf metaldemos: „Live aus dem Kunstkeller“). Das Songwriting könnte stellenweise gefälliger sein. Beim Auftakt ‚Kampf der Ahnen‘ z.B. sägen die Rhythmusgitarren so fett aus dem Stand weg … doch im nächsten Moment scheppern einem ein paar schrille Töne um die Ohren, dass man es förmlich mit der Angst zu tun bekommt. Rhythmuswechsel würden das Ganze mancherorts auflockern. Also durchaus Einiges, was verbesserungswürdig wäre, aber es ist sicher kein Silberling, bei dem man Freyrs Sohn und Namensvetter der Formation spontan ins Metfass folgen möchte. Ganz im Gegenteil! Es ist ein Demo, das Spaß macht und Potenzial aufzeigt.

Ob es Fjoelnir noch in zwei, fünf oder zehn Jahren gibt, wir wissen es nicht. Zu wünschen wäre es uns allen. Und wenn wir dann beim Wacken-Festival ehrfürchtig zum Headliner Fjoelnir auf der Bühne aufblicken, werden wir einen kleinen Schatz besitzen: das Debut!

Also nicht zögern und herunterladen!

Hörbeispiele zu Fjoelnir finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/fjoelnirmetal oder http://www.metaldemos.com/demos/metaldemo36
geschrieben am 12.7.2011 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 5 von 15
Punkte (Gesamt): 10 von 15
Informationen: Fjoelnir
Eigenproduktion

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