CD-Review: Galar – Til Alle Heimsens Endar

Galar_Til Alle Heimsens Endar

[Viking Metal] – Dark Essence Records (2010)
Norwegen
With a little help from Bergen…!

Vier lange Jahre sind seit dem Debut „Skogskvad“ vergangen. Das Quartett Galar reduzierte sich in der Zwischenzeit zu einem Duett und so ist es kaum verwunderlich, dass die Herren Kristiansen und Lauritzen jede Menge Gastmusiker für den Zweitling um sich scharrten. Bei diesen handelt es sich nebst dem fast schon obligaten Drummer ausschliesslich um klassische Instrumentalisten, namentlich sind Violine, Viola, Cello sowie Kontrabass vertreten.

Der Einsatz dieses im Bereich des Viking/Pagan Metals doch eher untypischen Instrumentariums führt unter anderem dazu, dass sich Galar von der derzeitigen Masse an Veröffentlichungen in diesen Genres deutlich abheben.

Das ‚Forspill‘ eröffnet den Reigen denn auch im Stile eines Kammerorchesters mit leichtem Hang zum Filmsoundtrack, ehe die nahtlos einsetzenden Drums und Gitarren den zweiten Track ‚Ván‘ einleiten. Hier präsentieren sich Galar, wie man sie vom Debut her kennt (und liebt): Kristiansen keift, Lauritzen übernimmt den Klargesang (und der Herr besitzt eine geniale Stimme!), dazu der stets melodische Sound im dezenten Black Metal Gewand. Mal wird eine akustische Passage eingeworfen, dann wiederum gibt’s eine Prise Black’n’Roll. So kommt es, dass die fast sieben Minuten Dauer wie im Flug vergehen.

Gesungen wird ausschliesslich norwegisch, lyrisch handelt es sich bei „Til Alle Heimsens Endar“ (Bis zum Ende aller Welten) um ein Konzeptalbum über die fünf mythologischen Könige des norwegischen Zweiges der Ynglinger. Interessanterweise zeichnet sich als Verfasser der Lyrics nicht etwa einer der oben erwähnten Herren, sondern Jorge „Blutaar“ Scholz, Sänger der deutschen Black Metal Kapelle Drautran, verantwortlich.

‚Paa frossen Mark‘ groovt zu Beginn, wird im Mittelteil durch Piano- und Streichereinsatz veredelt und treibt zum Schluss schwarzmetallisch voran.

Genau hier setzt ‚Grámr‘ ein, wird jedoch von einer Leadgitarren-Melodie getragen. Eine herrliche Akustikpassage unterbricht das Donnerwetter für einige Augenblicke – hier kommt auch weiblicher Gesang (im Duett mit Lauritzen) zum Einsatz – ehe wieder losgeprügelt wird. Eine gekonnte Cello-Passage leitet den Schlussteil ein und man fragt sich: Sind das wirklich neun Minuten gewesen?

Das Piano leitet ‚Det graa riket‘ ein, als Multitalent Lauritzen mal eben rasch die Oboe (!) auspackt und so diesem Instrumental-Interlude einen aussergewöhlichen Touch verleiht.

Ganz anders ‚Ingen siger vart vunnin‘, wo sich Galar wiederum in schwärzeren Gefilden tummeln. Aber auch hier muss nicht auf einen Zwischenpart (diesmal durchs Piano) verzichtet werden.

Schliesslich folgt der Titeltrack ‚Til alle heimsens endar‘. Black Metal mit mehreren klassischen Einschiebungen (einschliesslich neuerlichem Oboeneinsatz) bis hin zum Schluss, als zum Finale ins akustische ‚Etterspill‘ übergeleitet wird.

Galar servieren uns keine leichte Kost. Es braucht mehrere Hördurchläufe, um sich mit der Genialität dieses Werks vertraut zu machen. Definitiv kein Album zum nebenbei Konsumieren. Im Vergleich zum starken Debut, konnte gar noch eine Steigerung erreicht werden. Kritikpunkt meinerseits: Bass und Bass-Drum dürften noch etwas prominenter im Vordergrund erklingen. Ansonsten ist „Til Alle Heimsens Endar“ ein Album, das zusammengefasst als abwechslungsreich, innovativ und auf einem hohen Niveau unterhaltsam bezeichnet werden kann. Anekdote zum Schluss: Im Booklet zur CD steht vermerkt, dass die Gemeinde Bergen die Aufnahmen finanziell unterstützte. Schön, dass in der heutigen Zeit Qualität doch noch etwas zählt…

Hörbeispiele zu Galar finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/galarmetal

geschrieben am 7.6.2010 von wallace@folkmetal.at

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Bewertung: Punkte (Innovation): 13 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Galar
Dark Essence Records

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