CD-Review: Garden of Grief – Denied Sanctuary X

garden of grief - denied sanctuaryX

[Dark Ambient/ Depressive/ Black Metal] – Eigenproduktion (2011)
Österreich
Gärten der Verzweiflung!

Boronian Sturmfels ist ein Name, den man sich merken sollte, wenn man Black Metal liebt, zugleich aber auch dem Ambient etwas abgewinnen kann. „Garden of Grief“ heißt sein Ein-Mann-Projekt aus Oberösterreich, das man etwas despektierlich auch als „Nebenprojekt“ bezeichnen könnte, als Sammelsurium für all´ die Ideen und Gedanken, die sich mit dem weiteren Aktivitäten von Boronian bei „Winterblast“ offensichtlich nicht vereinbaren lassen.

Immerhin das vierte (Full-length) Album ist auf diese Weise entstanden, und folgt man diversen Interviews, ist noch jede Menge Material für weitere Veröffentlichungen vorhanden.

„Denied Sanctuary X“ heißt also das aktuelle Werk. Ein Werk, das mit rund 60 Minuten Spieldauer zunächst nicht hervorsticht, bei näherer Betrachtung dann aber doch teils epische Ausmaße annimmt. Mit über 20 Minuten Spieldauer bei ‚The Horizon of my Dreams‘ fühlt sich vielleicht der ein oder andere Pagan-Metaller an Moonsorrow erinnert. Und auch ‚Volunteer …. For Euthanasia‘ ist mit 13 Minuten durchaus ausführlich geraten, ebenso wie das acht minütige ‚The Nebulous Entity of Love‘.

Stilistisch bewegen wir uns aber natürlich in völlig anderen metallenen Ecken. „Garden of Grief“ ist (im Vergleich zu den Finnen) schlichtweg eine Schwarzmetall-Kapelle und im Grunde eine weitgehend klassische Vertreterin dieses Genres … wenn gleich mit Anleihen aus dem Dark Ambient- bzw. Depressive-Black-Metal.

Natürlich wird man die differenzierte, teils gar sehr melodische Gitarrenarbeit sehen. Und man kommt nicht umhin festzustellen, dass ein Bass jedenfalls existent ist (wenn gleich für den Geschmack des Rezensenten noch zu sehr im Hintergrund). Aber die Produktionslinie, die Klangfarbe und insbesondere der fulminante Kreisch-/Krächz-Gesang geben dem Werk so viel Black-Metal mit, dass andere Spielarten zurücktreten.

Gerade auch der Dark Ambient-Teil tritt, auf die gesamte Länge der Scheibe betrachtet, eher ins zweite Glied und konkurriert eher mit einer depressiv-schwarzen Grundstimmung. Der Opener ‚Sanctuary Denied Forever‘ und ‚Reaching for the Stars‘ spielen zwar sicher in einer Ambient-Liga… der erste Song mit Piano-Klängen, der zweite mit Synthesizer. Beide Werke aber stehen separat zu dem restlichen Liedwerken und wollen sich in das Gesamtgefüge nicht so wirklich integrieren oder mit diesem gar mischen. Zudem ist gerade der Opener etwas langatmig geraten und lässt – zumindest auf die Gesamtlänge von über fünf Minuten betrachtet – die Raffinesse vermissen.

Abgesehen davon finden sich im Mittelteil von ‚The Horizon of my Dreams‘ oder am Ende von ‚The final Ascension‘ dann doch Ambient Passagen, die sich ausgesprochen harmonisch integrieren und den Ambient-Fan versöhnen. Zu einem klassischen Vertreter des Ambient oder Dark Ambient Black Metals wird man das aktuelle Album gleich wohl nicht zählen. Hierfür fehlt es eben zu sehr an einer „Symbiose“ beider Stile.

Von Nachteil muss das grundsätzlich nicht sein, denn zumindest ein feines Stück Black Metal liegt vor uns, ein wirklich feines!
Beeindruckend umgesetzt ist der „Geist der Verzweiflung“ den das Werk umweht und durchdringt. Dieser düsteren, stimmungsgeladenen Atmosphäre kann man und will man sich nicht entziehen. Diese schwermütige Stimmung zieht den Hörer in seinen Bann und trägt ihn an mehr oder weniger ferne, und vielleicht nicht immer so wünschenswerte Orte. Vielerlei Gedankenspiele sind die Folge. Ein Album jedenfalls, das zu Nachdenken animiert. Ein düsteres, nachdenkliches, ernstes Werk.

Handwerklich lässt sich kaum etwas daran aussetzen. Allenfalls dem Schlagwerk, das weitestgehend im Mid-Tempobereich agiert, fehlt über stellenweise eine individuelle Note. Hier ließe sich bestimmt nachbessern.

Hervorzuheben aber ist die Gitarrenarbeit, die vielleicht weniger filigran, aber dafür umso energiegeladener eingebracht wird. Gitarren die leben, die Stimmungen transportieren, die man mitspielen möchte. Und überallem thront ein irre ausdrucksstarker Gesang! Eine Stimme, die ganz große Klasse beweist, die dieser Scheibe letztlich eine Seele einhaucht und sie somit vom oft vorhandenen Einerlei abhebt.

So verbleibt unterm Strich ein guter Eindruck, eine Scheibe, die sicher in manchen Punkten verbesserungswürdig ist, die aber auch viele viele Stärken aufweist.

Hörbeispiele zu Garden of Grief finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/thevoiceofsuicide
geschrieben am 1.3.2011 von karsten@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 8 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Garden of Grief
Eigenproduktion

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