CD-Review: Gernotshagen – Weltenbrand

gernotshagen_weltenbrand

[Pagan Metal] – Trollzorn (2011)
Deutschland
Ein Sturm zieht übers Land!

Wie beschreibt man einen Traum? Einen Traum den man hört, fühlt, lebt?! Wie verwandelt man Faszination in blanke Buchstaben? Kann man pure Emotion überhaupt beschreiben? Kann man „Weltenbrand“ beschreiben? Um zu begreifen muss man Hören! Einfach nur Hören. Und dabei abschalten. Lassen wir die Welt links liegen. Schließen wir die Augen … kommen wir zur Ruhe:

Ein schwüler Sommerabend, drückend, betäubend. Schwer liegt ein Gewitter in der Luft, raubt der Kreatur den Atem und die Sinne. Regen setzt ein, leise prasselt er nieder auf das dichte satte Grün der Blätter, schwillt an, wird lauter. Filigran erhebt sich eine Gitarrenmelodie, eine Flöte kommt hinzu, zart und sanft. Fröhlich spielen sie die Melodie des Lebens, der Freude und der Lust. Doch aus der Magie des Augenblicks dringt die Stimme Askans an des Hörers Ohr, erst flüsternd und wispernd, doch bald energisch, keifend, bösartig … „Schließt die Augen und vertraut nur mir!“

Ehe man sich versieht, findet man sich wieder in Gernotshagens neuestem Epos „Weltenbrand“. Nein, keine bloße neue CD, kein bloßes neues Album, nichts Gewöhnliches, nichts Alltägliches … hier wird ein Stück Geschichte deutschen Pagan Metals geschrieben. Ein Standartwerk! Ein Meilenstein! Ein Film läuft vor den Augen des Hörers ab, ein audiophiler Augenschmauß, Faszination pur. Mit „Weltenbrand“ erscheint das dritte Werk der Thüringer Pagan-Metal-Kapelle … endlich! Ganze vier Jahre seit „Märe aus wäldernen Hallen“ musste das enthusiastische Volk auf das neueste Werk aus Trusetal warten, gar respektable neun (!) Jahre seit dem Debut „Wintermythen“. Im Grunde eine Ewigkeit in welcher manch´ andere Streiter ein halbes Duzend neuer Scheiben auf den Markt werfen.

Aber wenn der abgeschmackte Satz „das Warten hat sich gelohnt“ irgendwo passen soll, so hier. Zwar beschreiten auch die Thüringer kein musikalisches Neuland. Vielmehr werden die alten Gedanken und Strukturen aufgegriffen und fortgesetzt, aber im Gegensatz zu manch´ anderer Formation werden diese auch weiterentwickelt. Melodiestark, gitarrenverliebt und stimmgewaltig waren die Herren aus Thüringens Wäldern schon immer. Doch „Weltenbrand“ intensiviert all das noch. Dramatik aller Orten, Dynamik wohin das Ohr auch schweift, Leidenschaft in jeder Note. Hinzukommt ein deutlich satterer und prägnanterer Sound als bis dato, ein Sound bei dem insbesondere die enorm starke, aggressive Gitarrenarbeit weit besser zur Geltung kommt, die neben dem Gesang die Philosophie dieser Formation ausmacht.

Von schwarzmetallischen Tönen ist im Grunde nichts (mehr) vorhanden, insoweit sollte man sich von den Anpreisungen im World wide web nicht täuschen lassen. Vielmehr findet sich (in der Gitarrenarbeit) fast purer, reiner, klassischer Heavy Metal wieder. Aber dies mit Bravour! Riffs schneiden, jaulen, sägen durch des Werkes Melodien ohne Ende. Und welcher Hörer kein Instrument zur Hand hat, spielt unweigerlich die imaginäre E-Gitarre bis zur Erschöpfung.

Die Kurve hin zum paganen, vollzieht indes insbesondere der stets fulminante Gesang. Abwechslungsreich wie immer, vom Klargesang über feines Growlen bis hin zum extatischen Kreischen … hier ist alles geboten und zwar mit Qualität. Eine Bandbreite die manch´ anderer Sängerknabe gerne hätte! Wenn man eine Schwäche suchen will und finden kann, dann vielleicht an dem etwas einfallslosen Schlagwerk, das zumeist den Eindruck erweckt, aus dem Computer zu stammen und der, im Vergleich zu früheren Werken, sehr unauffälligen Bassgitarre. Aber von „Schwachstellen“ sprechen wir hier nicht wirklich, allein der kleine Schritt zum Überirdischen wird nicht vollzogen, das ist schon alles … und der Donner kommt hernieder und verursacht wohlige Schauer!

Ansonsten reiht sich auf runden sechzig Minuten Hymne an Hymne. Sphärisch. Fantastisch. Grandios. Melodien zum Träumen. Gitarrenriffs zum Niederknien. Refrains zum Mitschmettern. Pagan Metal wie er sein muss. Pagan Metal in Reinkultur! Pagan Metal par excellence! Eine Hymne besonders hervorzuheben, ist nicht möglich. Jeder Song geht bis ans Maximum. Eine Schwachstelle ist nicht auszumachen. ‚Schwert zu Schild zu Axt, ‚Schlachtenbruder‘ … diese Scheibe hat absolutes Suchtpotential!

Sicherlich wird man tiefgründigeres finden, bedeutungsschwereres, absonderlicheres, exotischeres und experimentelleres. Aber von trivialen, kitschigen Tönen sind wir gleichwohl weit, weit entfernt. Anspruch ist stets vorhanden. Und wo früher Potenzial vorhanden war, ist heute Potenzial zu finden.

Die Genialität von „Weltenbrand“ zu beschreiben ist nicht möglich. Eine Scheibe die man hören, durchleben, durchleiden muss. Und wer „Weltenbrand“ gehört hat, weiß, was derzeit und künftig in den Hallen Walhallas gesungen wird!
Gernotshagen 2011 … Sucht pur!

Hörbeispiele zu Gernotshagen finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/gernotshagen
geschrieben am 11.4.2011 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 15 von 15
Informationen: Gernotshagen
Trollzorn

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Eine Antwort zu “CD-Review: Gernotshagen – Weltenbrand

  1. Pingback: Ragnarök Festival 2016 – Gernotshagen | Folkmetal.at

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