CD-Review: Heimdalls Wacht – Nichtorte

heimdalls wacht_nichtorte

[Pagan Black Metal] – Heathen Hart (2010/11))
Deutschland
„… denn die einen stehen im Dunkeln und die andern stehen im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht …“ (Bertolt Brecht)!

Es ist doch ziemlich ruhig geworden um die Wächter der Götter, Heimdalls Wacht. Und das mag durchaus an der (selbstgewählten) Isolation, zumindest im World Wide Web liegen. Heimdalls Wacht … im Internet (zumindest „offiziell“) nicht zu finden. Unter dieser Prämisse gewinnt der Titel des Albums „Nichtorte“ gewissermaßen eine eigenständige Bedeutung.

Dank dieser Strategie und einiger klärender Worte der Band ist der Umgang mit dieser Formation jedenfalls gelassener geworden. Einer Gruppe, die sich vor einiger Zeit noch mit NSBM-Vorwürfen auseinander setzen musste. Vorwürfe im Übrigen, die man rein textlich betrachtet, nicht nachvollziehen kann. Der Niedergang des alten Labels Det Germanske Folket und der Wechsel zu den Niederländern von Heiden Hart brachte jedenfalls eine Neuauflage des im Grunde 2010 erschienen (aktuellen) Albums „Nichtorte“ mit sich. Ein Glücksfall, denn es wäre wahrlich schade gewesen, wenn dieses Album im Dunkel der Zeiten verschwunden wäre. Diese Scheibe ist hörenswert!

Dass Heimdalls Wacht keine Vertreter eines feucht-fröhlichen Humpa-Pagan-Metals sind, dürfte allseits bekannt sein, denn ein Debutalbum ist „Nichtorte“ schließlich auch nicht. Ähnlichkeiten zu Minas Morgul oder Bergthron drängen sich spontan auf, wobei erstere vielleicht etwas „monotoner“ und letztere nicht episch genug sind (vergleiche etwa das geniale ‚Der Zug der Wolkenfrauen‘ der Westfalen). Aber die Richtung eines ernst gemeinten, heidnischen Metals mit starker Tendenz zu schwarzen Gefilden ist wohl allen gemein. So sollte Heimdalls Wacht vor allem für derlei Fans interessant sein.

Entsprechend keifend kommt der Gesang daher, bisweilen unterbrochen oder (auf zweiter Tonspur) begleitet von klareren Tönen, dem Black Metal entsprechend oftmals nur schwer verständlich. Manchmal (klanglich) etwas „stumpf“ produziert, meistens aber vernünftig anzuhören, beginnt der Gesang nicht ab dem dritten Song zu langweilen, sondern fesselt bis zum Schluss … und mit der Stimme einer alten Schamanin in ‚Waldeinsamkeit‘ findet sich jedenfalls eine, bislang noch auf keiner anderen Scheibe gehörte, skurrile Passage, die sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber eben auch sehr individuell und die – auf sympathische Art – jeglichem kommerziellen Geist widerspricht. Wobei: Unmelodisch ist „Nichtorte“ keineswegs. Durchaus eingängige Melodien lassen sich finden, Melodien, die sich im Kopf festsetzen … getragen, düster und oftmals von Verzweiflung getrieben.

Abwechslung wird groß geschrieben und ebenso eine „Komposition“, die ihren Namen auch verdient. Eingebunden in ein durchgängiges Konzept, welches sich über das gesamte Album hindurch zieht, geht es mal schneller, mal etwas gemächlicher zur Sache. Maultrommeln sind zu hören, Vogelzwitschern und Hundegebell tauchen auf, eine Akustik-Gitarre spielt bedächtig ihre Weise (‚Das Treffen der Bertrolle‘ … ich liebe es!). Aber auch ein E-Bass wummert mancherorts wunderbar oder Double-Bass-Gewitter die über den Hörer hinweg ziehen … ohne dabei die feinfühligen Momente des wahrlich gelungenen Schlagwerks zu übertönen.

„Nichtorte“ verbindet jede Menge Power mit sehr viel Gespür für feinere Klänge. Nichts ist trivial, vieles individuell und manches gar originell. Live sollte das Liedwerk nicht weniger schlecht rüberkommen, als manch´ kommerzielles Geballer, aber eben mit Geist und Anspruch und nicht mit schäumenden Met-Hörnern. Letzteres muss nicht schlecht sein und hat seine Daseinsberechtigung, die ernsteren Klänge aus Westfalen aber nicht minder. Einzelne Songs über Gebühr herauszustellen würde dem Gesamtkonzept des Albums widersprechen, das eben nicht zusammenhangslos Lied an Lied reiht. Entsprechend wollen wir dies unterlassen. Das Album ist insgesamt hörenswert und als solches Ganzes muss und soll es auch gesehen werden.

Mit derlei Werken hätte Heimdalls Wacht wahrlich mehr Aufmerksamkeit verdient! Schade nur, dass man über die Band und ihre Musik kaum etwas erfahren kann. Schade dass sich die Band offensichtlich der Hörerschaft entziehen will. Etwas mehr Mut, etwas mehr Leidensfähigkeit (was etwa unqualifizierte Kommentare angeht) und deutlich mehr Offenheit würden sich bestimmt auch manche Fans wünschen. Und letztlich ist es etwas paradox, dass Musiker, die ihre Leidenschaft auf Silberlinge brennen und zum Verkauf anbieten, abgeschirmt vom Licht der Welt in einer düsteren Ecke darben. Schade um diese Formation mit Anspruch und Qualität. Qualität, die sich jedenfalls auf „Nichtorte“ zweifellos finden lässt und einen Kauf wahrlich empfehlen.

Hörbeispiele zu Heimdalls Wacht finden Sie unter folgendem Link: http://www.youtube.com/watch?v=3_z0LeOfJuY
geschrieben am 3.5.2011 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 9 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Heimdalls Wacht(derzeit nicht aktiv)
Heathen Hart

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