CD-Review: Lifelover – Sjukdom

lifelover_jukdom

[Depressive/Black/Experimental Metal] – Prophecy (2010)
Schweden
Weltenschmerz!

‚Svart Galla‘: Dicht, düster, atmosphärisch … depressiv beginnen die Fünf Bandmitglieder mit den extravaganten Namen „()“, „B“, „LR“
und „1853“ ihre aktuelle Scheibe „Sjukdom“ (zu deutsch „Krankheit“). Und die Verzweiflung die man den ersten Takten entnehmen kann, setzt sich fort, will und wird bis zum letzten Ton kein Ende nehmen. „Sjukdom“ ist wahrlich keine Scheibe für lebensbejahende Zeitgenossen … zumindest aber sollte man sich von dem „fröhlichen“ und positiven Bandnamen nicht blenden lassen, mit Lifelover sind absolute „Schweremüter“ am Werk.

Rund eine Stunde widmen sich die Herren aus Schweden allem, nur nicht leichten oder unkomplizierten Klängen. Abseits des Mainstreams wandelt man auf vielen Pfaden ohne sich näher festlegen zu wollen. Vieles klingt „black“, manches gar nach „death“ wieder anderes hat einen experimentellen (zuweilen animalischen) oder neoklassischen Touch (wie er auch bei Dementia ad vitam zu finden ist). Elemente des Metalcore lassen sich ausmachen, auch solche des Alternative-Metals. Selten eine Scheibe, die so zwischen den einzelnen Stilen und „Randbereichen musikalischen Daseins“ pendelt. Langweilig, eintönig, fade wird dieses vierte Full-lenght-Album der Schweden zumindest nie.

In höhere Geschwindigkeiten verirren sich die Schweden nur selten, meistens bewegt man sich im mittleren oder unteren Tempobereich. Dabei geben sich Lifelover sehr melodieverliebt, zum Teil regelrecht verspielt … natürlich ohne ihren düsteren, melancholischen Unterton zu verlieren, der Wahnsinn ist allgegenwärtig. „Bittersüߓ umschreibt das Label Prophecy Production den Stil … besser könnte man es nicht formulieren.
Treffliche Beispiele für den Sound der Schweden sind ‚Led by misfortune‘, ‚Doften av Tomhet‘ oder ‚Homicidal Tendencies‘. Exemplarisch für die weite Bandbreite des Liedguts stehen auch ‚Totus Anctus‘ (von gemächlich bis schnell, von melodisch bis knallhart, von verspielt bis roh und ungekünstelt) oder ‚Nedvaknande‘ das noch am ehesten einer breiteren Masse zugänglich sein dürfte.

Unerwartet professionell (für eine doch eher unbekanntere Formation) produziert und abgemischt ist „Sjukdom“ und zwar von vorne bis hinten. Hier sitzt jedes jeder Punkt und jedes Komma. Nichts ist dem Zufall überlassen. Manch „schmückender Klang“ ergänzt die Songs (etwa bei ‚Bitterljuv Kakofoni‘ oder ‚Utrag‘), was dem Werk gar einen gewissen „Intellekt“ verleiht. Man merkt einfach, dass hier wirklicher Geist in das Album eingeflossen ist und echte Könner an den Instrumenten oder im Bezug auf Songwriting am Werk sind. Insbesondere auch die lead vocals vermögen zu gefallen, unterstreichen sie doch die Atmosphäre außergewöhnlich gut.

Dies alles verleiht dem Werk ein unheimliches Maß an Souveränität, ohne die – gerade bei dieser Art von Musik – schnell die Schwelle zur „experimentellen Garagenmusik“ unterschritten wird. Lifelovers „Sjukdom“ verlangt allerdings jede Menge Bereitschaft sich auch „anderen“ Tönen, Rhythmen und Stimmungslagen zu öffnen. Damit mag der Kreis der Angesprochenen sehr exklusiv sein, aber mit dieser Exklusivität steigt der Anspruch einer Scheibe! Und ihr Anspruch ist gerade die Stärke dieses Werks. Dieses Album hat schlichtweg Niveau.

Hörbeispiele zu Lifelover finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/lifeloverband
geschrieben am 22.1.2011 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 12 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Lifelover
Prophecy

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