CD-Review: Lost Shade – Rückkehr nach Asgard

lost shade-rueckkehr nach asgard

[Viking Metal] – CCP Records (2010)
Deutschland
Was lange währt…!

Im Grunde könnten die Herren vom Bodensee schon lange zu den etablierten Vertretern dieses Genres gehören, wären sie nur früher aus den Startlöchern gekommen. Rund 11 Jahre seit Gründung hat man gebraucht, um das erste Album zu präsentieren. Lediglich ein Demo („Wotanic Battle“) wurde bisher veröffentlicht und das liegt nun auch rund sechs Jahre zurück.

Dafür bringen die Mannen aus dem deutsch-schweizerischen Grenzbereich mit der Rückkehr ins Heim der Asen aber auch ein wirklich ausgereiftes Debutalbum auf den Markt. Sauber und differenziert produzierte 60 Minuten erzählen Geschichten aus der germanischen Mythologie, die allerdings nur, aber mit voller Wucht den Schlachten, Kriegern und Göttern huldigen.

Unterlegt und gelungen ergänzt werden die Texte mit einem wirklich fettem, kernigem Sound, der wiederum seine Wurzeln in einem hervorragenden und außergewöhnlich guten Songwriting hat. Man merkt dem Werk einfach an, dass es über längere Zeit gereift ist und nicht vorschnell in Silber gepresst wurde. Und hiervon könnte sich manche, gestandene Pagan-Metal-Kapelle eine ordentliche Scheibe abschneiden! Hut ab!

Abwechslungsreich und kraftvoll werden 11 Liedwerke präsentiert, mit vielen gelungen Riffs und Tempowechseln. Manche eingängige Melodie lässt sich finden. Kurze Akustik-Intermezzi tauchen hier ebenso auf, wie Chorgesang oder Keyboard-Klänge. Sie machen Stimmung, gestalten das Album, wecken Interesse. Sicherlich ist hier nicht alles neu erfunden. Aber das muss auch nicht sein, solange es sich um Bewährtes handelt.

Manchmal wird es freilich übertrieben, was dann dazu führt, dass der ein oder andere Song etwas „verkitscht“ wirkt (etwa bei dem ansonsten sehr gelungenen ‚Anbruch einer neuen Zeit‘ oder ‚Nordkrieger‘). Und auch die Saufhymne ‚Die Höhle‘ wird nicht überall auf Gegenliebe stoßen. Aber Spaß an und hoher Wiedererkennungswert der Musik müssen nicht unbedingt verkehrt sein, man muss ja nicht alles so verkrampft sehen. Und für fetzige Live-Auftritte ist jedenfalls ausreichend Potential vorhanden.

Der krächzend, wütende Gesang harmoniert durchweg gut mit Inhalt und Melodieführung, dürfte aber gerne etwas mehr Abwechslung erfahren. Es strengt doch über die gesamte Länge der Scheibe etwas an, hier zu zuhören. Eine gute Mischung bietet da der Titelsong ‚Rückkehr nach Asgard‘, der aber auch ein wenig an XIV. Dark Centuries erinnert.

Neben dem Titelsong sind insbesondere ‚Seit Jahren prophezeit‘ und ‚Der Sonne entgegen‘ als Anspieltipps empfohlen. Sie zeigen die Spiel- und Kompositionsstärke von Lost Shade auf ganzer Breite.

Abgeschlossen wird das Album von einer metallenen Cover-Version von Slades ‚Run Runaway‘. Wie das – im Grunde ganz nette – Remake seinen Weg auf „Rückkehr nach Asgard“ gefunden hat, erschließt sich nicht wirklich. Dort steht es dann auch etwas fremd neben dem restlichen Liedwerk. Was als Abschlussgag im Rahmen einer Live-Party sicher gefallen würde, ist auf dem ansonsten doch sehr gelungenen Albumdebut eher überflüssig.

Trotzdem verbleibt unterm Strich ein starker Erstling, der auf manches noch hoffen lässt.

Hörbeispiele zu Lost Shade finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/lostshade
geschrieben am 1.11.2010 von karsten@folkmetal.at

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Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Lost Shade
CCP Records

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