CD-Review: Nightforest – Winternight

nightforest_winternight2011

[Dark Ambient Black Metal] – Der neue Weg (2011)
Österreich
Tu felix Austria!

Nach einer Split-CD mit „Garden of Grief“ legen die drei Herren aus der reizvollen Steiermark mit „Winternight“ ihr erstes Full-length-Album auf. Ein ausführliches Album mit zwölf Liedwerken und rund 45 Minuten Spielzeit. Genug Gelegenheit also nach der kurzen Split-CD die düsteren Gedanken aus Austrias Herz besser kennenzulernen.

Nightforest sind klassische Vertreter eines Dark Ambient Black Metal, einer Mischung aus stillen Klängen versetzt mit vielen Naturtönen, vermischt mit AkustikParts (Gitarre und Piano), die sich immer wieder steigern zu deftigen Black-Metal-Attacken, auch wenn letztere fast eine Spur zu kreativ ausfallen für die sonst üblichen (monotonen) Werke dieses Genres.

Neben einer ganzen Reihe von Instrumentals beschäftigt man sich textlich (entsprechend der Melodieführung) mit der Natur und den alten Zeiten, insbesondere mit Noreia, der mystischen Siedlung aus vergangenen Tagen, von der bereits die alten Römer berichteten. Aber dieses Album ist vor allem melodiestark, so sehr, dass die Texte etwas in den Hintergrund treten.

Ausgesprochen stimmungsvoll beginnt die Scheibe mit ‚Waldmusik‘, was man andernorts „Intro“ nennen würde. Mit über sieben Minuten Länge aber fällt es dann doch aus diesem Rahmen heraus. Gleichwohl schleppt sich dieses Instrumental spätestens nach dem ersten Drittel etwas dahin, da sich die grundsätzlich interessante Klangwelt allmählich totläuft und nichts mehr Neues bietet. Weniger (Länge) wäre hier sicher mehr gewesen. Ein Manko, das uns auch in späteren Instrumentals (‚Hall of Ancestors‘, ‚Cryptic Everglade‘) wieder begegnen wird, wenn gleich weniger auffällig. Schade eigentlich, da gerade in den Instrumentals eine absolute Stärke dieses Albums liegt. Instrumentals die – jedes für sich genommen – durchaus Abwechslung bieten, die sich gar bis hin zu fast schon „spanischen Gitarrenklängen“ (‚Cryptic Everglade‘) steigern können.

Andererseits lebt die Scheibe von massiven Black-Metal Feuerwerken, wie sie kaum besser zu machen sind und wie sie jeder Schwarzmetaller lieben wird, so er ein wenig flexibler ist und nicht nur die Monotonie sucht.
Brutal, schnell, düster … auch das kann Nightforest sein. Ob ‚Moonlight‘, ‚Your Hell‘, ‚Winternight‘ oder ‚Inner Pain‘ deftiger Sound ist über weite Strecken geboten und holt den Metaller aus den schwermütigen Traumwelten zurück, zurück auf den harten Boden des Metalls.

Besonders hervorzuheben ist hierbei ‚Noreias Call‘, ein Stück gelebten Schwarzmetalls, mit Herz und Seele dargeboten, schnell und reißend, zwischen wildem Kreisch- und fast Klargesang, unerbittlich aber doch mit Melodie, geilem Riffling, brachialem Gitarrensound und unerbittlichem Schlagwerk … ein Liedwerk zum Niederknien, ein Song der allein den Kauf der Scheibe rechtfertigt, ein Stück Blackmetal, das ich einmal „live“ hören muss. Tiefste Verneigung!

Gerade das Spannungsfeld zwischen den instrumentalen Teilen des Albums und den heftigen Schwarz-Metal-Gewittern macht den Reiz dieses Albums aus. Produktionstechnisch sauber und ausgereift liegt hier ein Debut-Album vor uns, das aller Ehren wert ist und auf einen (baldigen) würdigen Nachfolger hoffen lässt. Hier könnte ein echter Hammer auf uns zukommen!

Eine ausgesprochen empfehlenswerte Ergänzung für jeden Black-Metal-Fan und ein wirkliches Must-Have für die Dark-Ambient-Fraktion.

Hörbeispiele zu Nightforest finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/nightforest666
geschrieben am 13.2.2011 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Nightforest
Der neue Weg

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