CD-Review: Pest – Tenebris Obortis

pest_tenebris obortis

[Black Metal] – Ketzer Records (2010)
Deutschland
„Träume in Schwarz“!

Zeit für einen kurzen Besuch in der Nachbarschaft sollte man immer haben. Und so besuchen wir diesmal unsere Freunde aus der Sparte Black Metal, die sich (als Genre) ja durchaus gerne unter den Metal-Paganisten blicken lassen und dort sehr eindrucksvoll ihre Spuren hinterlassen.
Mit Pest haben wir jedoch absolute Puristen zu Gast, die von ihrem alten Pfad nicht abweichen. „Alter Pfad“ ist eigentlich ein gutes Stichwort. Seit schlappen 13 Jahren ist die Truppe beisammen und legt nun – nach immerhin fünf Jahren Pause – ihr viertes Album vor. Der große Durchbruch ist den Mannen bislang noch nicht gelungen, noch immer stehen sie in der Finsternis, der sie letztlich auch mit ihrem neuesten Werk „Tenebris Obortis“ huldigen.

Zu Unrecht muss man sagen, denn die Messlatte wird sehr hoch gelegt. So hoch, dass sie die meisten anderen Bands dieses Genres wohl reißen würden. In typischer Black Metal Manier wird vergleichsweise wenig Wert auf einen perfekten Sound bei der Produktion gelegt. Insbesondere der Gesang tritt deutlich in den Hintergrund und die einzelnen Komponenten – Gesang, Schlagwerk, Gitarren – verschwimmen zu einem großen Ganzen, bilden eine Einheit und führen zu der Trance, der man mit dem zweiten Song der Scheibe huldigt.

Diese Grenzüberschreitungen des Bewusstseins wird man nicht finden, wenn man „Tenebris Obortis“ nur nebenbei hört, ihm nicht die nötige Beachtung entgegenbringt. Pest fordern einhundertprozentige Aufmerksamkeit, fordern völlige Konzentration und Hingabe. Wer sie zu geben bereit ist, der wird jedoch belohnt werden. Er wird in eine andere Welt eintauchen, wird den Wald betreten dürfen, von dem schlussendlich ‚Entering forest‘ erzählt.

Bis dahin reißt den Hörer der fette Gitarrensound mit, getrieben von einem präzisen, ultimativ schnellem Schlagwerk, unterlegt und umrahmt von druckvollem Kreischgesang. Astreiner Black Metal, der aber nicht melodiefeindlich ist oder Rhythmuswechsel ausgrenzt. Astreiner Black Metal, der in voller Fahrt die Bremse reinhauen kann, um sie anschließend unerbittlich wieder auf zu nehmen, erbarmungsloser als zuvor, siehe etwa ‚Weltgericht‘ oder die Trilogie ‚Schnee und Eis’/’Bounded’/’Riding the storms‘. Astreiner, straighter Black Metal, der am Ende in der Lage ist, über den Tellerrand zu blicken und mit Akustikparts Töne zulässt, die im Grunde genrefremd sind.

Interessant wäre vor allem, wie sich Pest „live“ beweisen, ob sie insbesondere ein solches Album vor Publikum rüberbringen können. Für mich klingt „Tenebris Obortis“ fast mehr nach einem reinen Studio-Werk, aber ich lasse mich auch gerne überraschen. Was dem gestandenen Folk-/Pagan-Metaller fehlt ist vielleicht ein schöner, fetter, deutlicher Bass, ein dominanteres Schlagzeug, das Zusammenspiel mit „exotischen“ Instrumentarium und erst recht jegliche Form von „Kitsch“ oder Bombast … aber das wäre natürlich, wie wenn man bei „fish und chips“ das Fehlen von Rinderfilet bemängeln würde … wir angeln hier einfach nicht in heimischen Gewässern.

Zusammenfassend ist zu “Tenebris Obortis” kurz und bündig zu sagen: Pest meistern nicht nur ihre Instrumente in Perfektion, beweisen sich nicht nur in Sachen Komposition und Songwriting, sondern verstehen sich auch darauf den Hörer zu fesseln und in andere, realitätsferne Welten zu entführen. Wer anfangs noch tapfer stehend dem Treiben folgte, findet sich am Ende auf den Knie wieder: „Tenebris Obortis“ – ganz großes Kino!

Hörbeispiele zu Pest finden Sie unter folgendem Link: http://www.ketzer-records.de/pest/music.html

geschrieben am 27.6.2010 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 8 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Pest
Ketzer Records

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