CD-Review: Schandmaul – Traumtänzer

schandmaul_traumtaenzer

[Medieval] – Fame Recordings (2011)
Deutschland
Es darf wieder geträumt werden!

Kaum zu glauben, fast drei Jahre sind seit der Veröffentlichung der „Anderswelt“ vergangen. Dazwischen liegt eine ausgiebige Jubiläums-Tournee, der eine wohlverdiente schöpferische Pause folgte. Nicht ganz. Wurde in dieser Zeit doch neuer Stoff für ein neues Album kreiert.

Es stellt sich die berechtigte Frage, was die Hörerschaft von einem neuen Schandmaul Album überhaupt erwarten darf? Haben es die sechs Musiker immerhin in zwölf Jahren zu sehr viel Ruhm und Ehre gebracht und das mit einem unverwechselbaren Stil. Sie werden nicht umsonst als die Geschichtenerzähler der Folk Rock Szene bezeichnet. Eine hohe Erwartungshaltung ist vor jeder Schandmaul Veröffentlichung programmiert. Ein Prädikat, welches sich die Süddeutschen hart erarbeitet haben. Doch habe ich die ein oder andere negative Kritik im Vorfeld vernommen, wie „Traumtänzer“ sei nichts neues, nicht schlecht aber ohne Höhepunkte oder gar ideenlos und die Texte nicht vollständig.

Da stoßt es mir unweigerlich auf und ich frage mich, was sich diese Leute erwarten? Alternativen bitte? Vielleicht ein paar Death Metal Parts, Thomas Lindner steigt auf Black Metal Gekrächze um und verfeinert die Texte mit nekrophilen Passagen? Wir bewerten talentierte Nachwuchbands meist über den Durchschnitt, wenn sie das notwendige Engagement an den Tag bringen. Man muss aber auch routinierte Musiker, die sich auf sehr hohen Niveau bewegen, honorieren. Niveau, welches nur schwer zu überbieten ist. Doch am besten geben Schandmaul selbst die Antwort. „Was ist anders als früher? – Egentlich nix – es ist 100 Prozent Schandmaul“ Nachzulesen im Innenlay der Extended Version von „Traumtänzer“.

Natürlich ist ein Übergang von der „Anderswelt“ zum „Traumtänzer“ nicht zu leugnen und mag sein, dass ein Höhepunkt wie ‚Walpurgis Nacht‘ fehlt, doch benötigt es, sowie bei allen anderen Schandmaul-Silberlingen, mehrerer Durchläufe und ich bin überzeugt, jeder findet sein persönliches Highlight aus der vielzahl eingängiger Songs. Die gibt es zur Genüge. 14 sind es an der Zahl und jeder hat seine eigene Geschichte. Sei es das schwungvolle, fröhliche und folkige ‚Traumtänzer‘ – optimal als Opener gewählt oder das darauf folgende ruhige und träumerische ‚Der Alchemist‘. Und…es werden Geschichten erzählt. Seeromantik aus dem Jahre 1360 ‚Auf hoher See‘ oder Zauberformeln auf ‚Hexeneinmaleins‘ zum Besten gegeben. Auf ‚Bis zum Morgengrauen‘ kommen sogar ein paar Latino Klänge zu Ohr.

Alles in allem ist der Folkanteil noch stärker als auf den Silberlingen zuvor. Schandmaul muss ich an dieser Stelle nicht erklären, aber irgendwo habe ich einmal im Bezug auf ihre Musik die Bezeichnung „Power Folk Rock“ vernommen. Ohne hier eine Schublade aufzumachen, ist es eine passende Formulierung Schandmaul in kurzen Worten zu beschreiben. Auf „Traumtänzer“ wird dies auf sehr unterhaltsame, folkige und kurzweilige Form dagebracht. ‚Geas Traum‘ ist der Song zum Buch von Fantasy Autor Wolfgang Hohlbein „Infinity-Der Turm“ und zugleich ein Favorit auf dem neuen Rundling. In bester Gesellschaft mit ‚Der Alchemist‘, ‚Auf hoher See‘, ‚Hexeneinmaleins‘, dem härteren ‚Schwur‘ sowie dem dramatischen ‚Pakt‘.

Fazit: Es darf in Zeiten wie diesen auch wieder geträumt werden. Schandmaul bleibt Schandmaul und das ist gut so. Fans werden es zu schätzen wissen und werden „Traumtänzer“ genauso lieb gewinnen, wie das ältere Material. Zum Abschluß ein obligatorisches Lob an die Violinenarbeit von Anna, die Flöten und Dudelsackklänge von Birgit und natürlich auch ein dickes Lob an die Herren der Schöpfung für Musik auf hohem Niveau.

Nicht nur der Plattenindustrie zu liebe sei die Extended Version von „Traumtänzer“ zu empfehlen. Um nur ein paar Euronen mehr erhält man diese Ausgabe mit einer schönen Verpackung in Buchform und einer 115 Min. DVD genannt „Schandfilm“. Dieses Werk darf natürlich in keiner Schandmaul-Sammlung fehlen.

Hörbeispiele zu Schandmaul finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/schandmaulmusic
geschrieben am 4.2.2011 von erich@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 12 von 15
Punkte (Gesamt): 14 von 15
Informationen: Schandmaul
Fame Recordings

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