CD-Review: Yggdrasil – Kvällningsvindar Över Nordrönt Land

Yggdrasil-Kvällningsvindar Över Nordrönt Land cover

[Folk Metal] – GM Music (2007/2011)
Schweden
Back to the roots!

Jubiläen sind immer ein guter Anlass zurückzublicken und die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen. Und so lassen es sich die Jungs um Bandgründer Magnus Wohlfart und Gustaf Hagel nicht nehmen, zum 10 jährigen Bestehen ihrer Band Yggdrasil die beiden ersten Werke „Kvällningsvindar Över Nordrönt Land“ aus dem Jahr 2007 und „Vedergällning“ aus 2009 – wohl gemerkt remastered und jeweils versehen mit einem Bonustrack – ihren Fans nochmals zugänglich zu machen.

Ursprünglich aus dem Jahr 2005 stammend, hatte es noch zwei weitere Jahre bedurft, ehe mit dem Label Det Germanske Folket eine (Erst-) Veröffentlichung gelang. Eine Veröffentlichung wohlgemerkt, die in der Szene nicht nur wahrgenommen wurde, sondern auch Gehör fand. Ein Gehör, welches Yggdrasil 2009 gar ins Billing des Ragnaroek Festivals brachte (übrigens neben einer anderen Kapelle namens „Irrbloss“ – soweit zu den aktuellen Bezügen).

Der Erfolg von Yggdrasil und „Kvällningsvindar Över Nordrönt Land“ mag an seiner Epik einerseits, seiner Melodiestärke und seinem Abwechslungsreichtum andererseits liegen. Eine Epik, die sich schon an der jeweiligen Spiellänge der einzelnen Songs ablesen lässt (auch wenn Moonsorrow-Maße nicht erreicht werden). „Epik“ aber auch in Form von Songwriting, nämlich in der Form, dass man sich Zeit lässt den Song, den Gedankengang, die Dramatik der einzelnen Songs allmählich zu entwickeln. Yggdrasil sind – bei aller Eingängigkeit des Liedgutes – kein Hau-Ruck-Metal. Ein bisschen Geduld und Zeit sind allemal gefragt, um die (vorhandenen) Tiefen ausloten zu können.

Hinzukommt die doch beachtliche Vielschichtigkeit. Einerseits in der Melodieführung, andererseits in der Wahl der Instrumente. Klar, ein besonderes, hervorstechendes und fast unverwechselbares Merkmal von Yggdrasil ist die enorme Gitarrenlastigkeit: Die Scheibe lebt von der Gitarre, akustisch, wie elektrisch (nur nicht in punkto Bassgitarre – leider)! Diese ist – neben einem hörbaren Anteil an Fiedel, Maultrommeln oder Keyboards – das bestimmende Moment. Feines Riffling steht auf dem Programm, ebenso wie diverse gelungene Soli. Stilprägend sind auch die immer wiederkehrenden Akustikgitarren. Ein Klangwerk jedenfalls mit Charakter.

Ein Charakter, der andererseits von einem sehr abwechslungsreichen Gesang geprägt wird: Männer- und Frauenstimmen, von Klargesang, leisem Wispern, über sehr viele chorale Passagen bis hin zu bisweilen fast schwarzmetallisch klingendem Krächzen und Growlen. Und auch dem Schlagwerk mag man Qualität nicht absprechen, ist es doch zu stilleren, gedämpfteren und einfühlenderen Klängen in der Lage, was in diesem Genre selten genug ist.

Die Melodien sind durchweg eher erhaben, getragen und majestätisch, zugleich aber unkompliziert und eingängig, zuweilen aber vielleicht zu einfach gestrickt, zu wenig raffiniert, zu wenig geheimnisvoll. Bisweilen auch schlägt ein etwas ruppiger, unausgegorener Rhythmus durch. An dem positiven Gesamteindruck kann all die Kritik kaum kratzen.

Die Produktion (in der re-masterten Version) ist ordentlich, ohne brillant zu sein. Die Instrumente jedenfalls kommen allesamt gut zur Geltung, ebenso wie die Stimmen. Vielleicht könnte der Gitarrensound noch etwas fetter, etwas druckvoller sein (bei einem solchen Gitarrenalbum), auch sollte das Schlagwerk bisweilen mehr knallen (um andernorts so sanft zu bleiben, wie geschildert). Die klangliche Dichte ließe sich sicher auch besser umsetzen. Aber insgesamt betrachtet geht der Sound in Ordnung, der Hörgenuss ist zumindest nicht beeinträchtigt.

Abgerundet wird dieses Re-Release mit einem ausführlicheren Booklet, das neben den schwedischen (Original-) Texten auch englische Übersetzungen beinhaltet und dem Hörer (der der skandinavischen Sprache nicht mächtig ist) nun die Gelegenheit gibt, noch tiefer in die mystische Welt von Yggdrasil einzutauchen.

Rundum liegt mit der deutlich verbesserten Neuauflage nun ein Blick in die Geschichte einer sehr interessanten Folkmetal Formation vor, die nicht nur Erstkäufer ansprechend dürfte, sondern auch diejenigen, welche die Erstauflage bereits in Händen halten. Einer Formation wohlgemerkt, die jeder Fan dieses Genres kennen muss! Das aktuelle Album „Irrbloss“ ist dann die konsequente Fortentwicklung all der Qualitäten, die auf diesem Debutalbum bereits zu hören sind.

Hörbeispiele zu Yggdrasil finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/yggdrasilofficial
geschrieben am 28.4.2011 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Yggdrasil
GM Music

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