CD-Review: Agalloch – Marrow of the spirit

agalloch_marrow of the spirit

[Dark Metal] – Profound Lore Records (2010)
USA
Gegen den Strom!

Es ist nicht einfach sich in einem Land eine eigene Meinung zu bilden, wo „Yes we can“ – Sager als Rezept gegen eine krankende Gesellschaft verschrieben werden und sich Bürger zwischen Big Mäc und Diätmoral entscheiden müssen. Oder sich auch eine innovative Band gegen eine populäre Welle an Metalcore – und Alternative Projekten behaupten muss. Um so bewundernswerter ist es, dass es in Portland (Oregon) eine Combo gibt, die all den kommerziellen Verführungen widerstehen kann und sogar auf lukrative Plattenverträge verzichtet, um ja ihr Ding durchzuziehen. Kaum zu glauben, aber wahr und übrigens die Rede ist von Agalloch.

Atmospheric Folk Dark Metal wäre wohl ein typisches amerikanisches Markensiegel für die Jungs aus Oregon, was zwar in etwa die Richtung weist, jedoch Agalloch damit in eine Schublade zu stecken, wäre genauso falsch oder richtig, wie wenn wir den Papst zu Weihnachten überzeugen könnten, um Wotans Feuer zu tanzen. Eben schlicht unmöglich. „Marrow of the Spirit“ ist sozusagen das erste Lebenszeichen, nach einem akustischen Break Namens „The White“ und mit Titel Nummer Eins, glaubt der Hörer spontan an eine Fortsetzung dieser akustischen Welle. Es handelt sich dabei um ein melancholisches Violinensolo mit dem Namen ‚They Escaped the Weight of Darkness‘. Doch nach den natürlichen Klängen folgt ein aus schon vergangenen Tagen verloren geglaubtes schwarzmetallisches Klanggewitter: ‚Into the Painted Grey‘ führt Agalloch auf den metallischen Zug zurück, wenn auch mit epischer Eleganz.

Auf „Marrow of the Spirit“ wird nie ohne Rücksicht auf Verluste drauf los geknüppelt. Kaum wird der Beat in die Höhe geschraubt, gibt es ein Break, um im fast selben Atemzug wieder ein Gitarrengewitter loszulassen, das scheinbar nie endend in kreativen Nirvana aufgeht. Eben „Agalloch“. Man spürt die Sehnsucht nach Vollkommenheit in Wort und Text. „John Haughm“ setzt dem ganzen eine stimmliche Dramatik auf, die perfekt ins Gesamtkonzept passt. Das ganze passiert natürlich wie gewohnt in Überlänge. Anders kann man aber diese Kreation nicht verpacken. Bestes Beispiel: ‚The Watcher’s Monolith‘, ein Zwölfminuten-Song, der sich kontinuierlich in das Gehör der Fanbase bohrt. Mein persönlicher Favorit.

Ob in Wort oder Text, Themen wie Natur, Depression oder Tod stellen das Gerüst einer emotionalen Reise dar. Texte sind nicht notwendig nachzulesen, einfach zuhören und du spürst die Thematik. ‚Black Lake Nidstang‘ ist mit über siebzehn Minuten der längste und gleichzeitig düsterste Track auf „Marrow of the Spirit“. ‚Ghosts of the Midwinter Fires‘ bringt eine fast schon europäische Note – nicht nur textlich – rein. Nun gut, Portland liegt im Norden der USA und ist klimatisch mit Skandinavien zu vergleichen. Ja, Agalloch klingen auch europäisch und das ist gut so. Sehr gut sogar. Schließlich beendet ‚To drown‘ das Klanggewitter, mystisch und mit viel Nature.

Agalloch ist schwer zu definieren, doch Maniacs, die Bands wie Opeth oder Solstafir zu ihrem Favoritenkreis zählen, werden mit den US Amerikanern sicher ihre Freude haben. Obwohl hier nur eine Ähnlichkeit gegeben ist, was die Extravakanz betrifft. Ansonsten kann man Agalloch mit keinem anderen Projekt 1:1 vergleichen. „Marrow of the Spirit“ ist ein Werk für intellektuelle Zeigeister, die aber trotz allem nicht auf eine gewisse schwarzmetallische Härte verzichten möchten.

Hörbeispiele zu Agalloch finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/agalloch
geschrieben am 26.12.2010 von erich@folkmetal.at

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Bewertung: Punkte (Innovation): 13 von 15
Punkte (Gesamt): 14 von 15
Informationen: Agalloch
Profound Lore Records

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