Moonsorrow – Varjoina kuljemme kuolleiden maassa

moonsorrow__varjoina kuljemme kuolleiden maassa

[Pagan Black Metal] – Drakkar Records (2011)
Finnland
Die Schatten vergangener Tage!

Pagan Metal verbindet der Fan dieses Genres gemeinhin mit Geschichten und Sagen aus der Alten Zeit – Schwerterrasseln hier, metschäumende Hörner dort. Dass es auch einmal anders geht, dass das Heidentum auch eine (wenn gleich düstere) Zukunft haben kann, zeigen uns die mittlerweile legendären Finnen mit ihrem neuesten Werk.

„Varjoina kuljemme kuolleiden maassa“ heißt das aktuelle, rund sechzig minütige Epos. Auf Deutsch ließe sich der langatmige Titel wohl übersetzen mit „Schatten, die im Land der Toten wandern“. Und entsprechend knüpft man inhaltlich an das Vorgängeralbum „V: Hävitetty“ („Zerstörung“) aus dem Jahre 2007 an, dessen Thema der Apokalypse aufgegriffen und nun fortgesetzt wird, ergänzt sogar mit einem Intermezzo mit dem Namen „Hävitetty“. In vier Liedwerken wird in sozusagen gewohntem Stil und (halbwegs) ausführlich das traurige Ende der Menschheit besungen, unterbrochen und übergeleitet durch drei kurze Zwischenpassagen, allerdings ohne eigenes musikalisches Gewicht.

Die Verzweiflung, der Schmerz, der Wahnsinn durchdringt dieses Album von der ersten bis zur letzten Minute. Authentisch und nachvollziehbar darf der Hörer hier mitleiden und sich angesichts der aktuellen weltpolitischen Ereignisse inmitten dieses Wahnsinns wähnen. „Varjoina kuljemme kuolleiden maassa“ ist das mit Abstand dunkelste, düsterste und schwärzeste Album von Moonsorrow. Einfach schwere Kost. Die folkloristischen Elemente, die choralen Passagen, die oftmals kennzeichnend für die Finnen waren und die eine Portion Heiterkeit und Leichtigkeit mit sich brachten, werden weitestgehend an den Rand gedrängt. In Ansätzen noch vorhanden, bilden sie wenigstens das typische, aber im Grunde versteckte Gerüst des aktuellen Werkes und garantieren zumindest ein wenig Widererkennungswert. Doch im Vergleich zu frühen und früheren Werken sind diese Markenzeichen nur noch marginal vorhanden.

Komplex sind die Liedwerke noch immer und förmlich detailverliebt. Kaum möglich, die neue Scheibe auf das erste Hören in vollem Umfang wahrzunehmen und zu verstehen. Aber im Vergleich zu alten Scheiben, insbesondere „V: Hävitetty“ oder der EP „Tulimyrsky“ aus 2008 bleibt das aktuelle Werk doch einiges schuldig. Enorm gitarrenlastig und extrem melodieverliebt bleiben Moonsorrow auch diesmal (streckenweise klingen gar klassische Heavy-Metal-Riffs durch – etwa in ‚Kuolleiden maa‘). Aber der Zauber vergangener Tage fehlt, wird förmlich verschluckt und verdrängt von der Düsternis und Schwere des Inhalts. Und damit bleibt leider auch die Raffinesse alter Zeiten auf der Strecke. Moonsorrow sind ein gutes Stück konventioneller geworden. Nein, Massengeschmack steht nicht zu befürchten, aber der bandeigene Sound droht verloren zu gehen.

„Ausführlich“ sind Moonsorrow immer noch und doch fehlt ihnen auf der aktuellen CD das für diese Band typische Epische … im Vergleich zu den alten Scheiben. Was verbleibt ist eine bodenständige, kaum zu beanstandende Veröffentlichung. Eine Scheibe allerdings ohne Höhen und Tiefen. Nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Gesundes Mittelmaß eben. Böswillig könnte man sagen: Durchschnitt. Und wenn man die alten Meisterwerke zugrunde legt, wenn man das Potential dieser Formation betrachtet: fast enttäuschend. Zu wenig an Innovation, zu wenig die alten Stärken aufgreifend und fortentwickelnd, es plätschert eher etwas dahin. Es fehlt der „Pling“ vergangener Tage.

Die perfekte Produktion und das untadelige Artwork (mitsamt englischen Übersetzungen) vermögen alldem nichts Positives hinzuzufügen … sind sie doch selbstverständlich für eine Band dieses Kalibers.

Fazit: Ein durchaus akzeptables Album, quasi als nordische Variante der irischen Primordial, welches leider die qualitativen Möglichkeiten der Finnen auch nicht annähernd erreicht bzw. ausschöpft. Für Moonsorrow-Fans obligatorisch. Für Neueinsteiger in Sachen Moonsorrow aber nicht zu empfehlen … da gibt es besseres, typischeres.

Hörbeispiele zu Moonsorrow finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/moonsorrowofficial
geschrieben am 25.03.2011 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 7 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Moonsorrow
Drakkar Records

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