CD-Review: Draugr – De ferro italico

draugr_de ferro italico

[Folk Black Metal] – Eigenproduktion (2011)
Italien
De furor italicus!

Die Grenzen der nordeuropäischen Mystik verschieben sich bisweilen deutlich nach Süden, im Falle von Draugr gar in die italienischen Abruzzen. Wobei es sich trefflich streiten lässt, ob der Namen dieser Formation nun J.R.R. Tolkiens Kunstsprache „Sindarin“ entsprungen ist („Draug“ im Sinne von Wolf und Wappentier der Abruzzen) oder dem Draugr entspricht, dem Untoten der germanischen Mytologie. Folgt man der offiziellen Erklärung der Formation, sind sich die Herren wohl selbst nicht ganz im Klaren und im Zweifel ist es eben eine Mischung aus beidem. Jedenfalls bringen die Italiener bereits ihr zweites full-length-Album auf den Markt. Ein Album, dass alle Freunde des Pagan Metal genauer in Augenschein nehmen sollten.

Zunächst sticht die ausgesprochen gelungene Verpackung des Silberlings ins Auge. Ein in sich stimmiges und optisch absolut werthaltiges Äußeres macht Spaß das Teil in die Hand zu nehmen und durchzublättern. Ein wirkliches Argument jedenfalls für den Kauf des Silberlings anstatt (etwaiger, derzeitig noch nicht vorhandener, aber vielleicht noch kommender) seelenloser Downloads. Optisch ein Sammlerstück!

Musikalisch lässt sich festhalten (und zugleich kritisieren), dass nichts neu erfunden wird. Alles ist irgendwo schon einmal dagewesen. Und man könnte nun anfangen die einzelnen Songs zu zerpflücken und allerlei Ähnlichkeiten zu anderen Formationen zu mutmaßen, zu unterstellen oder gar vorzuwerfen. Ein bisschen Humpa hier („Suovetaurilia“ etwa) ein wenig Finntroll-Keyboard dort oder eine Prise Equilibrium-Songwriting (z.B. „Ballata da autunno“) gewürzt mit Alestorm-Anleien. Zwanghaft derlei Parallelen zu anderen Vertretern des Genres zu suchen ist jedoch müßig. Erfunden haben Draugr den Pagan Metal sicherlich nicht. Aber sie geben ihn wirklich gelungen wieder. Und seien wir ehrlich: Woher sollen auch ständig neue innovative Ideen kommen? Selbst die Vorreiter der Szene begnügen sich regelmäßig damit, alte Ideen schlicht aufzuwärmen.

Als „Black Folk Metal“ bezeichnet man sich selbst. All zu viel „Black“ darf man gleichwohl nicht vermuten, mit zu viel Spaß ist man hier am Werk und der passt irgendwie nicht wirklich zu den schwarzen Seelen. Einiges an „Folk“-Einflüssen findet sich jedoch und vor allem viele stampfende, fetzige Rhythmen mit einer kräftigen Portion an Melodie. Jede Menge an Keyboard-Tönen und gelegentliche Natur- und Akustik-Klänge sind anzutreffen. E-Gitarren treten eher in den Hintergrund und (m)ein (geliebter) E-Bass ist wohl ein Bier an der Bar kippen. Manches klingt mittelalterlichen Melodien nachempfunden und der durchweg keifende Gesang ist wirklich gelungen und macht einfach Stimmung. Kraftvoll, dynamisch und ausgesprochen dicht, mancherorts fast dramatisch und orchestral lässt sich der Stil beschreiben – jedenfalls sehr abwechslungsreich im Hinblick auf Instrumentalisierung, Rhythmik und Geschwindigkeit. Ein sehr vielschichtiges Klangspektakel also, bisweilen mit Soundtrack-Qualitäten, ohne aber ins Kitschige abzudriften.

Die Produktion ist o.k., die einzelnen Instrumente ließen sich aber oftmals sauberer herausarbeiten. Resultat ist leider ein mancherorts indifferenter, breiiger Sound. Aber bitte nicht vergessen: Wir haben hier eine Eigenproduktion. Die weitestgehend italienischen und lateinischen Texte wirken stimmig-melodiös, kraftvoll und lebhaft und in jedem Falle interessanter als ein englisches Einheits-Einerlei. Und was das Verständnis angeht, so tut man sich auch nicht schwerer, als mit den diversen finnischen, isländischen, färingischen, ungarischen, lettischen … Dichtungen und wer es ganz genau wissen will, findet auf der Homepage von Draugr sogar die englische Übersetzung.

Mit dem Titel-Track „De ferro italico“ und dem Reißer „Ver sacrum“ finden sich absolute Bringer auf der Scheibe, die jeden (melodiösen Pagan-) Metaller das Tanzbein schwingen lassen, während die Methörner überschäumen. Ein Album das unterm Strich keine neuen Maßstäbe setzt, aber absolut gelungen und ausgesprochen kurzweilig ist. Empfehlung gewünscht? Kaufen!

Hörbeispiele zu Skalmöld finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/furorepagano
geschrieben am 1.9.2011 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 8 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Draugr
Eigenproduktion

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