CD-Review: Fatzwerk – Mit Sack & Pack

fatzwerk_mit sack und pack

[Medieval] – Eigenproduktion(2011)
Deutschland
Neu und doch zurück zu den Wurzeln!

Vor kurzen bin ich im Sonic Seducer auf einen Bericht über die Mittelalterszene gestoßen, wo bekannte Größen, u.a. Ernst Horn, Michael Popp oder Oliver Pade, die momentane Situation in der Medieval Szene beurteilen. Viel weitergeholfen hat mir der Bericht nicht. Wie so oft war wieder mal Kritik an der Verkommerzialisierung der Szene zu hören. Es war die Rede von authentischer Mittelaltermusik, wie sie in den Achtziger revolutionär aufgezogen wurde. Nur was ist authentisch? Bekanntlich haben auch die sogenannten authentischen Bands kaum etwas gemein mit dem was im Mittelalter an Musik praktiziert wurde. Wir können nur ansatzweise die Musik von damals rekonstruieren. Was heute möglich ist, ist eine Vorstellung in Bild und Ton, wie es einmal gewesen sein könnte. Daher sind solche Diskussionen entbehrlich. Wenn eine Mittelalterband somit zu E-Bass und E-Gitarre greift, ist sie deswegen noch lange nicht ohne Authentizität.

Das der gemeine Hörer dann mal den Überblick verliert ist logisch. Doch sollte das Gefühl und vor allem der Spass an der Musik nicht verloren gehen. Um so mehr freut es mich heute eine Band vorzustellen, die mit ihrem zweiten Werk vielleicht sogar beide Seiten befriedigen kann. Es finden sich auf „Mit Sack & Pack“ traditionelle Stücke, die mit der Note „Fatzwerk“ ein zum Teil neues Gewand bekommen, wie auch Eigenkompositionen. E-Bass – und E-Gitarre wird die Hörerschaft auf dem neuen Album vergebens suchen, aber sicher nicht vermissen. Wo einige Bands in teils fadiöse und monotone Mittelalterklänge verfallen, sorgen Fatzwerk für gelungene Abwechslung, in dem sie Folk Songs auf dem Rundling präsentieren. Hervorheben möchte ich den Irish Song ‚Follow me up to carlow’…upps, ‚Follow me up to davert‘ heisst es ja auf „Mit Sack & Pack“, den ich schon in vielen Variationen gehört haben. Mein Favorit, bisher von den Young Dubliners, hat somit einen ernsten Konkurrenten bekommen.

So zeigen sich die fünf Bayern gleich von Beginn an äußerst kreativ. ‚Fetzndeife‘ und ‚Der Kasache‘ sind Eigenproduktionen, ebenso ‚Fatzereyyy (auch auf dem neuen Zillo – Medieval Sampler vertreten) und ‚Baamhackltanz‘. Gesang gesellt sich selten dazu. Ausnahme: das traditionelle ‚Eiris Sazun‘. Gen Ende gibt es noch das das folkige ‚Tourdion‘ Ein ruhiger Ausklang nach einer bewegenden Darbietung.

Diese Mischung aus Mittelalter und Folk gefällt mir. Fatzwerk zeigen, dass man durchaus mit akustischen Instrumenten, wie Sackpfeife, Schalmei, Flöte, Gongs, Bouzouki, u.v.m. rocken kann, ohne zusätzlich in die Steckdose greifen zu müssen. Schade, dass ich es verabsäumt habe, die Band vor kurzem in Wien „Live“ mitzuerleben. Da fehlen natürlich noch die Mittel, die Werbetrommeln ordentlich zu rühren. Wir sind davon überzeugt, das mit „Sack & Pack“ der Bekanntheitsgrad steigen wird. Fatzwerk gibt es ja erst seit 2006 und zwei Alben. Übrigens auch das erste Werk („Spielmannskunst“) sollte sich Mann/Frau zulegen. Für Freunde gepflegter Mittelaltermusik, sowie Liebhaber folkloristischer Klänge absolut empfehlenswert.

Hörbeispiele zu Fatzwerk finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/fatzwerk
geschrieben am 23.9.2011 von erich@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 9 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Fatzwerk
Eigenproduktion

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