CD-Review: Murw – Kanker

murw_kanker

[Progressive Black Metal] – Heidens Hart Records (2011)
Niederlande
Depressive Doom aus dem Underground!

Jede Band hat seine eigene Geschichte. Im Falle der Niederländer Murw ist diese jedoch etwas anders als gewohnt. Die Bandgründung geht bereits auf das Jahr 1997 zurück. So könnten wir vermuten, dass hier die x-te Veröffentlichung vorgestellt wird? Nein, wir reden vom ersten Full Lenght Album, welches Murw auf den Markt bringen. Bisher hat man es zwar auf fünf Demos und eine Splitt-CD mit der Combo Antiyou gebracht, aber ein echter Silberling blieb der Hörerschaft bisher verwehrt.

Murw sind mir seit dem Vorjahr keine Unbekannten mehr. Das Underground Label Heidens Hart Records schickte mir das letzte und mir bisher einzige bekannte Demo „In de Mond van Het Onbekende Wacht Een Oceaan“ 2010 zu. Aufgrund äußert schlechter Tonqualität ließ ich eine Rezension aus. Zwar konnte man sehr wohl ein gewisses Potenzial erkennen, doch was nützt die schönste Aussichtswarte, wenn der Blick durch eine dicke Nebeldecke verschleiert ist. Bereits auf dem Demo konnte der Hörer interessante progressive Elemente vernehmen, allerdings hinterließ der Sound und das monotone Black Metal Gekrächze keinen guten Eindruck bei mir.

Um so überraschter bin ich vom ersten offiziellen Album, für das sich die Combo anscheinend bestens vorbereitet hat. So entstanden die Aufnahmen in meiner Heimat Österreich und die Finalarbeiten in Slowenien. Die Reise in südlichere Gefilde hat sich für die Niederländer voll ausgezahlt. Nicht nur, dass ein Stilwandel vollzogen wurde, so ist der Sound 2011 wirklich einwandfrei, kräftig, fett und voluminös. Im Gegensatz zum letzten Demo, wo er ganz einfach blechern und unscheinbar war. In Zeiten wie diesen kann sich selbst der Underground keinen schlechten Klang mehr leisten. Zu verwöhnt ist heut zu Tage selbst der Metalhead.

Aber nun zum Stil. Murw präsentieren sich in nur vier Songs und 37 Minuten Spieldauer äußerst kreativ. Der Gesang, den sich F. Kerkhoff und R. Duijndam teilen, ist im Gegensatz zum Demo äußerst variabel, wobei man sich meist auf Death Growls geeinigt hat, was wesentlich besser ins Gesamtkonzept passt. Selten aber doch werden die Vocals mit Clean Gesang ergänzt. Verschiedene Elemente des Metals bezeichnen den Charakter von Murw. Von Melodic Death, über Black, Depressive, bis hin zum progressiven Doom Metal und sogar Psychedelic – Metal und Rock der Siebziger (nur ansatzweise). Sprich, alles andere als eine leichte Kost. Trotz allem gut durchdacht. Und obwohl alles sehr doomlastig ist, wird der Hörerschaft nie langweilig. Gekonnt werden variable Parts im Downtempo geboten, für Dramatik ist jederzeit gesorgt.

Düsterheiten a la long. Die Texte passen sich an die doomigen Derbheiten besten an. Murw 2011 ist nichts für fröhliche Zeitgenossen. Ich würde es so formulieren: „Wenn du eine suizidgefährdete Schwiegermutter hast und du willst ihr den Rest geben, dann spiele ihr ganz einfach „Kanker“ vor.

Die Neue der Holländer ist äußerst hart, schleppend, düster und für viele sicher schwer zu verdauen. Weiters wird der Liebhaber von Folk – und Pagan Metal vergeblich nach Klängen für seine Seele suchen. Trotz allem eine Weiterempfehlung meinerseits, da „Kanker“ für jeden Extreme Metaller, egal in welche Richtung, zumindest eine Hörprobe wert ist.

Hörbeispiele zu Murw finden Sie unter folgendem Link: http://www.heidenshart.nl.nu/
geschrieben am 14.11.2011 von erich@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 9 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Murw
Heidens Hart Records

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