CD-Review: Skalmöld – Baldur

skalmoeld_baldur

[Viking Metal] – Napalm Records (2011)
Island
Rückkehr der Skalden!

Aus Europas hohem Norden, aus dem eisigen Island kommen sechs Recken heran gesegelt, und präsentieren mit „Baldur“ ein Debut, das aufhorchen lässt! Gleichwohl die Formation erst 2009 gegründet wurde und außer (einem nicht erhältlichen) Demo mit zwei Songs noch nichts hat von sich hören lassen, erwartet uns eine Scheibe, die im Genre des Viking Metal Maßstäbe setzt.

„Baldur“ ist ein Konzeptalbum, das die dramatische Geschichte eines Wikingers erzählt, der sich seinem tragischen, blutigen Schicksal stellt, um letztlich in Walhall einzuziehen. Formal eingebunden in die strikten Regeln der traditionellen isländischen Dichtung tauchen wir ein in die Welt der nordischen Sagas. Eine Welt, die durch die isländischen Texte (die der Sprache der Wikinger von allen skandinavischen Sprachen am nächsten kommt) besonders authentisch wiedergespiegelt wird und die sich vielleicht nur dann so trefflich bebildern lässt, wenn man, wie bei den Herren aus Reykjavík, echtes Wikingerblut in den Adern fließen hat.

Der Opener ‚Heima‘, ein vielschichtiger Chor von fast 3 Minuten aus Männer- und Kinderstimmen, geleitet uns zunächst stimmungsvoll in die alten Tage zurück und bildet den Auftakt von zahlreichen skandinavisch-choralen Passagen, die uns in den kommenden sechzig Minuten immer wieder begleiten werden. Kraftvoll stampfen die Isländer meist im mid-Tempo-Bereich durch die Saga, wobei sich viele akustische Passagen finden, teils von großem Feingefühl und Melancholie getragen. Angesichts der Instrumentalisierung ist die klangliche Dimension vorgezeichnet: Gitarren-Sound satt. Mit drei Gitarren im Set braucht man sich nicht zu wundern, dass Bass und Keyboard in die zweite, bisweilen dritte Reihe zurücktreten. Angesichts der anspruchsvollen Gitarrenarbeit, die sich vielfach Elementen des klassischen Heavy Metal bedient und einige nett anzuhörende Solis aufbietet, fehlt gleichwohl nichts. Stimmlich weist Frontgröhler Björgvin Sigurdsson, der an Amon Amarths Johan Hegg erinnert, durchaus Qualitäten auf. Qualitäten die aber oft ungenutzt bleiben, da er etwas eindimensional bleibt. Doch die abwechslungsreichen Chöre gleichen dieses Manko gut aus. Gesangliche Langweile oder Eintönigkeit kommt jedenfalls nicht auf, ganz im Gegenteil. Das Schlagzeug schließlich übernimmt die rhythmische Begleitung, kann jedoch keine eigenen Akzente setzen.

Düster, dunkel, dramatisch sind Skálmöld und manche Parallelen lassen sich (gerade im Bezug auf Gesang und Gitarren) zu Amon Amarth ziehen. Doch im Vergleich zu den Schweden wirken Skálmöld orchestraler, bombastischer und aufgrund der folkigen und choralen Momente erheblich flexibler und melodiöser. Und insbesondere der ausdrucksstarke, bildgewaltige Stil der Isländer lässt förmlich Assoziationen zur Oper zu, einer metallenen Oper wohlgemerkt!

Als Fazit sei gesagt: Skálmöld schaffen es mit „Baldur“ aus dem Stand weg, sich im Viking Metal an die Spitze zu katapultieren. Eine brutal gute Scheibe und ein heißer Anwärter für den Newcomer 2011! Live zu bewundern dieses Jahr übrigens auf der Heidenfesttour!

Hörbeispiele zu Skalmöld finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/skalmold
geschrieben am 31.7.2011 von karsten@folkmetal.at

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Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 14 von 15
Informationen: Skalmöld
Napalm Records

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