Interview: Nastrandir

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Bei Nastrandir handelt es sich um eine aufstrebende Viking Metal Band aus Deutschland, die mit Ende Juli 2009 ihr neues Werk „Prayer to earth“ über den Twilight Vertrieb veröffentlichen wird. Die CD haben wir bereits unter die Lupe genommen. Um so mehr freut es uns, dass wir auch noch vor dem offiziellen Release Schlagzeuger „Ragnar“ für ein Interview gewinnen konnten. „Ragnar“ ist zugleich für die Lyrics verantwortlich. Wir unterhielten uns über Modeerscheinungen, Lebensphilosophie und klarerweise das Album „Prayer to earth“

Folkmetal.at: Hallo Ragnar! Mit „Prayer to Earth“ steht euer zweites Album kurz vor dem Release. Wie hoch sind eure Erwartungen und inwiefern unterscheidet sich das neue Werk aus deiner Sicht vom Vorgänger „Zwischen Horizonten“?

Ragnar: Hallo Erich! Wir haben einiges an Herzblut in dieses Album investiert. In dem Rundling steckt verdammt viel Kraft, Zeit, Schweiß, Blut und vor allem einiges an sehr persönlichen Gefühlen. Insofern wünschen wir uns natürlich, dass das von den Leuten erkannt wird.
„Prayer to Earth“ unterscheidet sich in so mancher Hinsicht von seinem Vorgänger. Wir sind eigentlich, zumindest aus meiner Sicht, in jedem Belang gewachsen und gereift. Sei es auf musikalischer Linie, oder auch lyrisch. Der Stil ist breiter gefächert und geht mehr in die Tiefe. Atmosphärischer könnte man sagen.

Folkmetal.at: Wie liefen die Studioarbeiten? Habt ihr euch selbst einen gewissen Druck auferlegt?

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Ragnar: Klar legt man sich selbst einen gewissen Druck auf. Du musst wissen, dass wir nicht viel von den heute üblichen Plastik-Trigger-Sound Produktionen halten. Daher ist alles, was auf dem Album zu hören ist ECHT. Wir versuchen das Getrickse so minimal wie möglich zu halten. Das bedeutet natürlich einiges mehr an Schweiß und Blasen an den Fingern. Glücklicherweise haben wir mit den Jungs vom Rosenquarz Tonstudio perfekte Partner für diese Aufgabe gefunden. Wir sprechen die selbe Sprache und haben sehr ähnliche Visionen. Kurz: Der Studioaufenthalt war mal wieder eine fette Zeit!

Folkmetal.at: „Nastrandir“ stellt mit sieben Mann ein starkes Line up. Sicher eine Herausforderung. Läuft da auch immer alles stimmig?

Ragnar: Da hast Du nicht Unrecht. Vielleicht mag das ein Grund dafür sein, dass wir mittlerweile nur noch sechs Mann umfassen. Gorm hat uns verlassen und konzentriert sich auf seine Doom Band. Ansonsten sieht es aber so aus, dass das Songwriting im Prinzip von drei Leuten erledigt und der Rest dann nach und nach dazugebaut wird. Wir sind gewissermaßen eine Oligarchie, was das angeht. Haha…

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Folkmetal.at: Auf der lt. Edition (Anm. 1.000 Stück) befindet sich das geniale Bathory Cover ‘Gods of thunder of wind and of rain’. Welche Bands haben euch noch inspiriert?

Ragnar: Das ist echt sehr schwer zu beantworten. Jeder von uns hört so viel Musik und bezieht seine Einflüsse aus anderen Bands und Genres. Ich würde mal, ohne mich zu sehr darauf festnageln lassen zu wollen, Primordial, Enslaved und Immortal nennen. Aber das wird dem Ganzen eigentlich nicht gerecht.

Folkmetal.at: Ihr selbst bezeichnet eure Musik als atmosphärischen & spirituellen Viking Metal. Seit geraumer Zeit boomt genau dieses Genre. Es gibt sogar schon Pagan und Viking Bands, die die Hitparade gestürmt haben. Wie stehst du dazu und wie siehst du die weitere Entwicklung?

Ragnar: Eigentlich habe ich eher das Gefühl, dass die trinklustige, feiernde Humppa-„Viking“-Metal-Ecke boomt. Da haben wir auch „Prayer to Earth“ nicht mehr viel mit zu tun. Ansonsten sehe ich das Ganze eigentlich lediglich amüsiert. Ich finde es immer wieder toll zu beobachten, wie eine Szene, die sich selbst als Gegenbewegung zum Mainstream definiert, ohne einen Augenblick nachzudenken auf die gleichen Casting-Produkte in ihren eigenen Reihen reinfällt. Eine Menge Leute haben verstanden, dass es mit Met-Hörnern und Langschiffen Geld zu machen gibt und man kann es ihnen kaum verdenken, dass sie von dem Wissen Gebrauch machen. Für meine eigene Musik möchte ich emotional jedoch etwas mehr Tiefgang kreieren. Wir feiern und Saufen am Wochenende schon genug. Das muss nicht auch noch bis in alle Ewigkeit auf Tonträger gebannt werden…

Folkmetal.at: Bereits der Bandname zeigt die Richtung. Es geht um nordische Mythologie. Befasst ihr euch auch Abseits des Tonstudios mit
der Kultur der Nordländer und was fasziniert dich an dieser vergangenen Kultur?

Ragnar: Ich befasse mich auch abseits des Tonstudios mit nordischer Kultur. Keine Frage. Auch die anderen Jungs teilen mein Interesse.
Im Sommer steht für drei von uns wieder eine ausgiebige Norwegen-Reise auf dem Programm. Der Punkt ist, gerade in Bezug auf „Prayer to Earth“, dass wir nicht mehr unbedingt von einer „vergangenen Kultur“ erzählen. Nordische Mythologie kann auch im Hier und Jetzt Bedeutung für Dich haben. Man kann die alten Geister immer noch spüren, wenn man seine Sinne schärft. Vieles in unserer heutigen Kultur baut auf alten Sitten auf, auch wenn wir uns das im Alltag nicht bewusst machen. Ich denke, wenn wir aus der Vergangenheit lernen, können wir um einiges beruhigter in die Zukunft schreiten.

Folkmetal.at: Schlagwörter wie Pagan, archaisch und naturverbunden sind derzeit sehr in. Was bedeutet das für dich und versucht du solche
Dinge auch im Alltag so weit wie möglich umzusetzen?

Ragnar: Ehrlich gesagt achte ich tatsächlich darauf, möglichst naturverbunden zu leben. Ob das jetzt besonders pagan, archaisch oder true ist, ist mir recht egal. Es geht mir um die Achtung vor Tieren und Pflanzen, die schon genügend egoistisches Verhalten von der „Krone der Schöpfung“ aushalten dürfen. Es würde mich freuen, wenn der eine oder andere „von Wotan geweihte“ Myspace-Teenie einen Augenblick darüber nachdenken würde, was es heißt eine NATURreligion zu praktizieren. Aber im Endeffekt bin ich Musiker und kein Weltverbesserer. Wenn sich die Menschheit nun einmal mehrheitlich entscheidet kollektiven Selbstmord zu begehen, werde ich sie kaum davon abhalten können.

Folkmetal.at: Leider wird die Szene nicht selten mit politischen Hintergrund in Verbindung gebracht. In Österreich wurde das erste Pagan
Festival fast abgesagt, weil von einigen Besserwissern Anschuldigungen kamen, dass dort Bands mit rechtsextremen Hintergrund auftreten würden. Zum Glück konnte das Gegenteil bewiesen werden und das Festival fand doch statt. Kaum sind Thorhammer, Wikingerverehrung und Runen im Spiel
wird oft ein extremer Hintergrund vermutet. Habt ihr auch schon negative Erfahrungen damit gemacht und wenn ja, wie seid ihr damit umgegangen?

Ragnar: Wir haben vor einem Jahr als Support für das Paganfest mit Moonsorrow und Ensiferum in Berlin gespielt und da gab es ganz ähnliche haltlose Anschuldigungen. Was soll ich groß dazu sagen? Die ganze Diskussion geht mir nur noch auf die Nerven. Wie ich schon gerade sagte: Ich bin kein Weltverbesserer, kein Politiker. Ich habe NICHTS mit Politik zu tun. Die Antifa kann mir gestohlen bleiben, die Nazi-Bauern sollen bitte mal ein paar Geschichtsbücher aufschlagen. Dummheit wohin das Auge sieht. Trotzdem wird man als Viking Metal-Musiker in jedem Interview zu dem Thema befragt. Man sollte meinen, dass mittlerweile jeder zu dem Thema eine eigene Meinung gebildet hätte. Wenn Ihr uns politisieren wollt, dann versucht Euer Interpretationsglück in den Lyrics. Ich wünsche viel Spaß, dürfte nicht ganz einfach werden…haha…

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Folkmetal.at: Zurück zum neuen Album. Gibt es schon einen persönlichen Favoriten auf dem neuen Tonträger?

Ragnar: Die Songs sind mittlerweile ja doch schon relativ alt. Die Aufnahmen fanden im Dezember vergangenen Jahres statt. Meine Favoriten wechseln eigentlich ständig. Ich würde sagen irgendwas zwischen Frei, When I’ll die und Fäuste aus Stein… Wobei ich den Titeltrack auch sehr gerne mag. Aber das dürfte ja wohl kaum jemanden verwundern, dass man Songs, an denen man lange gearbeitet hat, auf irgendeine Weise alle gerne hört.

Folkmetal.at: Auf „Prayer to earth“ gibt es einige Doom & Dark Passagen. Das verleiht „Nastrandir“ einen gewissen innovativen Touch.
Bathory war ja bekannt für seine stetigen Stilwechsel. Ebenso Bands wie Enslaved und Opeth. Könnt ihr euch in Zukunft solche Wandlungen vorstellen?

Ragnar: Ja, ich denke, das gehört von nun an fest zu Nastrandir. Wir haben als Künstler kein Interesse daran, uns in Genre-Schranken verweisen zu lassen. Wenn ein Doom Part aus uns heraus bricht, weil er die Stimmung die wir erreichen möchten perfekt wiedergibt, dann ziehen wir das durch. Auch wenn wir mit einem Humppa Part an der Stelle wahrscheinlich die Verkaufszahlen etwas aufbessern könnten.

Folkmetal.at: Welche Musik läuft bei dir Zuhause oder im Auto, wenn es nicht gerade die eigene ist?

Ragnar: Also meine eigene Musik höre ich eigentlich nur direkt nach der Fertigstellung. Im Autoradio kreist gerade die Frostnacht von Helrunar.
Ansonsten wird alles querbeet gehört, ganz egal welches Genre, solange mir die Musik ehrlich und emotional erscheint.

Folkmetal.at: Wo und wann sind eure nächsten Live Gigs?

Ragnar: Am 5. September spielen wir auf dem Rock for Roots zusammen mit Skyforger und Wardruna. Das Benefiz-Festival in Nauen (nähe Berlin) findet zugunsten eines archäologischen Projekts statt. Ansonsten ist noch einiges geplant, aber leider noch nicht in trockenen Tüchern. Ein Blick auf unsere Internet-Präsenz kann da helfen. Vormerken könnte man sich noch das ROCKTOWER FESTIVAL in Lübeck. Da werden wir an der Seite von Entombed, Endstille und Equilibrium auftreten. Wir freuen uns drauf!

Folkmetal.at: Wann darf man euch in Österreich willkommen heißen?

Ragnar: Lieber heute als morgen! Allerdings hängt das ja leider nicht nur von uns ab. Aber wenn ein Angebot aus Österreich kommt, machen wir uns auf den Weg, keine Frage!

Folkmetal.at: Eure/Deine Ziel für die nächste Zeit?

Ragnar: Viele Gigs spielen und den Sommer genießen.

Folkmetal.at: Wir danken für das Interview.

Ragnar: Wir haben zu danken! Wir hoffen Euch auf den Konzerten zu treffen!

Das Interview führte Erich von Folkmetal.at im Juli 2009

Weitere Informationen über Nastrandir:

Myspace Seite von: Nastrandir

Aktuelle CD Rezension: Prayer to earth

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