Interview: Abinchova

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Am 1. September veröffentlichten die Schweizer „Abinchova“ ihren ersten Tonträger: „Hörensagen“. Die Band aus Luzern wurde 2005 gegründet, hat aber erst seit ca. zwei Jahren die musikalische Form angenommen, die nun auf der Demo-EP „Hörensagen“ präsentiert wird. Wir unterhielten uns mit“Arnaud“, zugleich zuständig für „Wein & Gesang“, nicht nur über eidgenössische Klischees, sondern auch über den Inhalt der neuen Demo-EP.

Folkmetal.at: Hallo Arnaud, bitte stellt euch kurz den LeserInnen von Folkmetal.at vor!

Arnaud: Hallo zusammen, wir sind Abinchova, eine sieben-köpfige Melodic Death-Metal Band aus der Stadt Luzern, Schweiz.

Folkmetal.at: Endlich ist es soweit: mit „Hörensagen“ steht euer erster Silberling kurz vor dem Release. Es gibt kaum eine Band, die diesen Moment nicht zu den prägenden in ihrer Geschichte zählt. Wie waren die Vorbereitungen und wie viel Herzblut habt ihr da wirklich rein gesteckt?

Arnaud: Die EP oder Demo, wie auch immer man sie nennen will, war schon sehr lange in Planung. Wir hatten schon begonnen, gewisse Songteile bei uns im Proberaum aufzunehmen und zusammenzustellen. Leider war der ganze Prozess für alle aus zeitlichen, wie auch aus qualitativen Gründen, nicht gerade zufriedenstellend. Nach einem sehr erfolgreichen Konzert im Frühjahr 2009 hat uns aber der Ehrgeiz wieder gepackt. Innerhalb von zwei Tagen haben wir dann die EP in einem Keller von einem guten Freund aufgenommen. Obwohl wir zu dieser Zeit schon mehr als zehn fertige Songs hatten, hat sich die Songauswahl kaum von der ursprünglich geplanten EP/Demo unterschieden. Die Aufnahmen fanden an einem Wochenende im April 09 statt und waren für alle sehr hektisch. Da es das erste Mal war, dass wir etwas „professionell“ aufnahmen, brauchten wir für alles mehr Zeit als geplant. Das resultierte in Mitternachtsaufnahmen und vielen leere Kaffeetassen. Im Nachhinein betrachtet gibt es sehr viel, das wir gerne an den Aufnahmen ändern möchten, unter anderem auch das Mixing und Mastering der gesamten EP. Wir probieren aber, dass ganze für die nächste CD besser zu machen. Aus Fehlern lernt man bekanntlich ja.

Folkmetal.at: Wir sind bereits in den Genuss gekommen, den Erstling unter die Lupe zu nehmen. Wie waren die ersten Rezensionen auf die Demo-EP?

Arnaud: Bis jetzt sind ein paar wenige Rezessionen bei uns eingetroffen. Neben Folkmetal.at haben auch Metal.de, Stormbringer.at und Schwarze-News.de ihren Senf zu unserem ersten Tonträger abgegeben. Die Grundstimmung der Reviews ist durchaus positiv, was uns natürlich motiviert, weiterhin Zeit in unsere Musik zu investieren. Man hat von vielen Seiten gehört, dass man gerne mehr Songmaterial hören möchte, bevor ein definitives Fazit abgegeben werden kann. Wir werden versuchen, dieser Forderung so gut wie möglich nachzukommen.
Im Moment ist es aber wohl das Beste, wenn man sich unsere Songs selbst zu Gemüte führt und sich eine eigene Meinung dazu bildet.

Folkmetal.at: Jetzt können wir es ja verraten: auf Myspace gibt es die Songs zum reinhören. Bevor das jetzt ganz viele tun werden, könnt ihr uns etwas über den Inhalt von „Hörensagen“ preisgeben?

Arnaud: „Hörensagen“ ist eine kurze Demo-EP mit nur drei richtigen Songs. Wir haben probiert, trotz der limitierten Songanzahl, dem Hörer einen guten Überblick über unser musikalisches Spektrum zu geben. Ich würde behaupten, dass es uns zu einem gewissen Teil gelungen ist. Trotzdem freuen wir uns schon auf die nächsten Aufnahmen, wo wir auch ein paar neue Facetten der Band zeigen möchten. Textlich gestaltet sich unsere erste Demo/EP ein bisschen untypisch. Die meisten unseren Songs handeln von innerschweizerischen Sagen. Obwohl wir uns textlich überhaupt nicht limitieren wollen, hat sich das ganze Konzept so eingespielt. Auf der EP ist aber nur ein Song zu finden, der sich diesem Thema widmet: „Die Züsler“. Züsler sind brennende Gestalten, welche bei Nacht an verlassenen Orten herumirren. Angeblich repräsentieren sie die Seelen von Menschen, welche auf ungerechte Art und Weise gestorben sind. Die beiden anderen Songs handeln von Erlebnissen, die ich während LARP-Spielen hatte (Für interessierte LeserInnen: Schaut den nach Begriff „LARP“ auf Wikipedia nach). „Doppelmond“ orientiert sich textlich an eine LARP-Spielreihe mit dem gleichen Name, welche ich unter anderem mitbegründet und organisiert habe. Die Story dreht sich um einen Mann, der sich von einer Hexe verführen lässt und nunmehr ein Dasein als Steinfigur fristet. Buchbegeisterte werden evtl. Zusammenhänge zu Hans Bemmanns „Stein und Flöte“ erkennen. „Heimatlos“ handelt von einer Söldnertruppe, welche sich „Die Heimatlosen“ nennt. Mit ihnen habe ich mich schon durch ein paar LARP-Abenteuer gekämpft. Deshalb lag es mir nahe, noch ein toller Text zu diesen tapferen Männer und Mädels zu schreiben. Es gibt also nicht nur Dinge aus alten Tagen zu berichten, sondern auch neue Erlebnisse werden verarbeitet. Auch wenn sie ein bisschen skurril wirken.

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Folkmetal.at: Abinchova befasst sich mit Mythen und Legenden. Die Schweiz gehört so wie Österreich zu den Kernländern der keltischen Kultur. Wie intensiv befasst ihr euch mit dieser Zeit und dem daraus entstandenen kulturellen Erbe?

Arnaud: Wie vorher schon erwähnt, interessiere ich mich persönlich für alte Sagen und Geschichten aus der Innerschweiz. Diese ziehen natürlich Einflüsse aus verschiedenen Kulturen. Es gibt z.B. eine Geschichte von einem Erdmännchen, welches jeden Abend ein Kalb wieder neu Auferstehen lässt, solange man das Knochenmark nicht aussaugt. Diese Geschichte ist auch in der nordischen Mythologie zu finden, wo Thor seine zwei Ziegenböcke schlachten lässt. Diese sollten natürlich auch wieder auferstehen, solange man das Knochenmark nicht aussaugt. Es sind also durchaus Parallelen enthalten. Es wäre aber übertrieben zu sagen, dass wir uns als Band extrem für ein bestimmtes kulturelles Erbe interessieren würden, sei es nun keltisch, nordisch oder was auch immer. Ich selbst bin hoffnungslos dem „romantischen“ Mittelalter verfallen. Ritter, Kämpfe, Schätze, Abenteuer – Das sind Begriffe, die mich inspirieren. Ich mag gute Geschichten und für mich beinhalten alte Volkssagen, aber auch die Urversionen der Grimmschen Märchen, einfach die Art von Botschaften bzw. Handlungsstränge, die ich gerne Erzählen möchte. Ob dabei auch mal ein Element von den sogenannten „heidnischen“ Kulturen in ein Song Einzug findet, ist, wie das obige Beispiel aufzeigt, nicht ausgeschlossen. Aber wir fixieren uns nicht darauf.

Folkmetal.at: Ihr kommt aus einem kleinen Land und habt da wohl ein ähnliches Problem, wie z.B. österreichische Bands. Man muss noch mehr geben, um international anerkannt zu werden. Wie weit habt ihr damit schon Erfahrung gemacht?

Arnaud: Obwohl es die Band schon seit 2005 gibt, besteht Abinchova in dieser Form erst seit einem Jahr. Wir sind also noch eine relativ junge Band und haben erst in diesem Jahr wirklich begonnen, Konzerte zu spielen. Auch unsere erste Demo-EP ist erst kürzlich erschienen und wir hoffen zuerst mal darauf, in der Schweizer Szene fuss zu fassen. Es gibt noch viele Leute, die uns noch nicht gehört und gesehen haben. Wir versuchen das durch aktive Konzertsuche, wie auch durch das Organisieren von eigenen Konzerten, zu ändern. Dazu kommt natürlich das übliche Vorgehen: Promo-CDs verschicken, Internet als Werbeplattform nutzen, etc. Wir sind gespannt, was die Zukunft für uns bereithält!

Folkmetal.at: Eluveitie ist zurzeit das schweizerische Aushängeschild der Metalszene. Könnt ihr uns noch weitere Bands neben „Abinchova“ nennen, die wir uns notieren sollen?

Arnaud: Ich habe im Moment grossen Gefallen an der Folk-Metal Band Andhrimnir http://www.myspace.com/andhrimnirband Leider sind noch keine guten Aufnahmen der Band vorhanden, doch ich habe gehört, dass sie demnächst planen, ein Studio zu verwüsten. Live ist ihre Mischung aus verschiedenen Folkmelodien und Metal sehr unterhaltsam. Und „growlende“ Frauen sind ja immer noch eine klare Minderheit in der Metalszene.

Folkmetal.at: Ihr steht ja alle in einem Beruf oder steckt im Studium. Ist das überhaupt auf Dauer alles unter einen Hut zu bringen?
Arnaud: Man könnte meinen, dass es nicht möglich ist, aber zum Glück funktioniert im Moment alles bestens. Klar gibt es immer wieder terminliche Komplikationen und wir haben natürlich auch immer das Problem, Termine zu finden, die allen Bandmitglieder passen, aber solange alle mit vollem Enthusiasmus dabei sind, funktioniert es ganz gut.

Folkmetal.at: Euer musikalischer Stil ist breit gefächert. Abinchova, das sind sieben Musiker, die wohl unterschiedliche Vorstellungen und Charaktere besitzen. Habt ihr euch erst finden müssen oder war die Richtung von Anfang an klar?

Arnaud: Also die Band hat sich, bevor ich 2008 dazu gestossen bin, definitiv finden müssen. Das hat sich auch in einem grossen Musikerwechsel gezeigt. Danach hat sich die Musik aber relativ gut eingespielt. Ich glaube nicht, dass wir im Moment sagen können, dass wir in eine fixe musikalische Richtung eingeschlagen haben, denn dafür haben wir noch zu viele verschiedene Songideen und Einflüsse. Das Schwere ist halt immer, einen guten Schnitt zwischen den verschiedenen Ansprüchen der Bandmitglieder zu finden. Das macht unsere Band auch ein bisschen „langsam“. Doch wir werden immer besser, glaube ich jedenfalls.

Folkmetal.at: Ist ein Plattenlabel schon in Sicht?

Arnaud: Nein, aber wir kommen im Moment ja ganz gut ohne aus. Wir sind aber offen für Anfragen.

Folkmetal.at: Abinchova ist eine junge Band, die am Beginn ihrer Karriere steht. Ohne Visionen gibt es in eurer Branche wohl kein Weiterkommen. Wo siehst du Abinchova in 2-3 Jahren?

Arnaud: Ich hoffe, dass wir es geschafft haben, eine weitere EP und evtl. sogar ein Album zu veröffentlichen. Aber das Hauptziel wäre schon, viele weitere Konzerte in der Schweiz zu spielen und hoffentlich auch ein paar Festival- und Clubbühnen ausserhalb der Schweiz unsicher zu machen.

Folkmetal.at: Meine Vision ist es, euch bis dahin spätestens in Österreich Live zu sehen. Es würde uns auf jeden Fall sehr freuen.

Arnaud: Auf jeden Fall! Das wäre dann sogar mein erster Aufenthalt in Österreich.

Folkmetal.at: Wir danken für das Gespräch und schicken metallische Grüsse in die Schweiz.

Arnaud: Wir danken auch! Ich werde jetzt aber keinen Gruss zurückjodeln.

Das Interview führte Erich von Folkmetal.at im September 2009

Weitere Informationen über Abinchova:

Offizielle Seite von: Abinchova

My Space Seite von: Abinchova

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