Interview: Irminsul

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Da gibt es eine junge Band im hohen Norden Europas, die nicht nur sehr talentiert ist, sondern bereits ein grandioses Album 2009 veröffentlicht hat. Doch statt Promotion – Partys, Live Auftritten in ganz Europa und Jubelberichten in den Fanzines, kam der Fall ins Bodenlose. Probleme und bald darauf das endgültige Aus mit dem Plattenlabel stoppten abrupt den Erfolgslauf. Ohne Plattenfirma, ohne Management und nicht mal mehr mit einer Kopie der eigenen CD in Händen, schien das Projekt am Ende zu sein. Doch nicht im Falle von “Irminsul“. Nach kurzer Zeit der Orientierungslosigkeit, krempeln die vier Schweden wieder die Ärmel auf und sind mehr denn je voller Tatendrang. Arbeiten an neuen Songmaterial und auf der Suche nach einem neuen Label sind nicht die einzigen Vorhaben, wie uns die Skandinavier verraten haben. Was sie aus dem Schlamassel gelernt haben, wie die Band dadurch gereift ist und noch viel mehr erfährt ihr an dieser Stelle.

Folkmetal.at: Hallo, bitte stellt euch kurz den deutschsprachigen Maniacs vor!

Irminsul: Gerne, wir kommen aus Göteborg (Schweden). Uns gibt es seit ziemlich genau vier Jahren. Eine Zeit lang waren wir ohne Gitarrist, ehe Julle Laurenzi zur Band stieß. Ab da an nahm alles seinen rapiden Lauf. Dieses Jahr brachte es uns sogar nach Italien. Dort spielten wir einen Gig in Mailand. Wie ihr wahrscheinlich schon wisst, veröffentlichten wir ebenso in diesem Jahr unser erstes Album “Irminsul“. Und wir arbeiten bereits am nächsten.

Folkmetal.at: Insider und Kritiker sprachen in besten Tönen über euer Debutalbum. Aber bald nach dem Release kam der Bruch mit eurem Label. Könnt ihr uns mehr über diese unverhoffte Situation berichten?

Irminsul: Wir sind, was die Vorgangsweise uns gegenüber betrifft, von DGF (Det Germanske Folket) wirklich sehr enttäuscht. Allerdings möchten wir keine weiteren Details bekanntgeben, nur dass sich DGF in unserem Fall nicht professionell verhalten hat.

Folkmetal.at: Auf eurer Homepage konnte ich aber mit Freude vernehmen, dass es nach dieser harten Zeit nun endlich ein Licht am Ende des Tunnels gibt. Bedeutet das, ihr habt die Rechte für euer Debutalbum bekommen und ihr könnt dieses selbst wieder veröffentlichen?

Irminsul: Unser Ex-Label hat nicht die Rechte auf die einzelnen Songs, jedoch auf die Vermarktung des Studioalbums. Wir investieren unsere Zeit zwar hauptsächlich in neues Songmaterial …. aber wie es bereits auf unserer Homepage zu lesen ist, kann es durchaus sein, dass unsere Lieder ab Dezember über Online – Retailer zum Download freigegeben werden. Zum Beispiel über i-Tunes und Amazon. Wenn irgendwie möglich, möchten wir dies auch über unsere Homepage tun.

Folkmetal.at: Wie weit seid ihr mit dem neuen Songmaterial?

Irminsul: Wir haben einmal genug Material für eine neues Album. Was noch fehlt ist ein Konzept. Dann können wir sofort mit den Aufnahmen beginnen.

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Folkmetal.at: Sprich wann können wir mit dem neuen Werk rechnen. Eventuell schon 2010? Und bereits mit neuem Label?

Irminsul: Das ist eine gute Frage. Wir sind gerade auf der Suche nach einem neuen Label, welches dann auch unser nächste Album publizieren soll. Sollte das nicht gelingen, werden wir eventuell sogar ein eigenes Label gründen und damit unser neues Werk publizieren. Aber da ist noch nichts fix. Dadurch ist ein Releasetermin für den Irminsul – Nachfolger zur Zeit nicht abschätzbar.

Folkmetal.at: Der Name „Irminsul“ kommt aus der altsächsischen Mythologie und ist ein streng heiliges Symbol, meist als Säule oder heiliger Baum bekannt. Was war für euch ausschlaggebend, diesen Namen zu wählen?

Irminsul: Die einhellige Meinung war, dass der Name optimal zu uns passt. Ebenso zur Musik, die wir machen. Jedes einzelne Mitglied steht voll hinter der Bandphilosophie. Ein fester Bestandteil davon ist das Interesse an der Mythologie. So war diese Eingebung die mit Abstand Beste für uns. Der Name steht genau für das, wo wir uns zugehörig fühlen. Sowohl von der Einstellung, als auch der Musik her.

Folkmetal.at: Die meisten Hörer und Hörerinnen im deutschsprachigen Raum sind des Schwedisch nicht mächtig. Da sämtliche Texte in eurer Heimatsprache verfasst sind, könnt ihr uns bitte einen näheren Einblick in die Lyrics gewähren?

Irminsul: Inhaltlich beschäftigen wir uns mit unterschiedlichen Themen. ‘Svikaren’ zum Beispiel handelt über Glaubensgrundsätze. Speziell was andere mit dir machen, wenn du nicht ihrem Glauben folgst. Der Song führt uns in eine Zeit zurück, wo die Religion strikt den rechten Weg vorgegeben hat. In ‘Häxhammaren’ geht es um Hexenverfolgung und den Terror, welchen diese Menschen ertragen mussten. ‘Vigridslätt’ behandelt die nordische Mythologie, die nordischen Götter, ihre Eigenschaften und Gedankenwelt. Somit gibt es zwar kein einheitliches Konzept, alle Themen führen uns aber in längst vergangene Zeiten zurück und setzen sich entweder mit Mythologie, Religion oder Glaubensfragen in verschiedensten Situationen und mit unterschiedlichsten Menschen auseinander. Vielleicht interpretiert der ein oder andere, dass wir antichristliche oder gar faschistische Elemente in unsere Texte einfließen lassen. Es gibt andere Bands die das tun, aber wir versichern in unseren Textpassagen finden sich keinerlei solche Einflüsse.

Folkmetal.at: Ich lasse einige Schlagwörter im Raum stehen: Folk, Pagan, Viking, Metal. Kann man euch diese charakteristisch zuordnen oder ist es zu einfach, Irminsul in ein fixes Konzept zu schnüren?

Irminsul: Hm…nicht einfach zu beantworten! Ich denke all diese Genres treffen zu, bzw. von allen ein wenig zusammen. Um ehrlich zu sein, weis ich jetzt keine bessere Antwort, he,he…Menschen sind sehr erfinderisch und stecken dich gleich in irgendein Genre…aber ja, wir passen da schon rein und ich gebe noch ein wenig „Epic“ dazu.

Folkmetal.at: Weil wir schon über Philosophie gesprochen haben. Gibt es eine strikte Philosophie in der Band?

Irminsul: Ja und wir versuchen diese so gut wie möglich einzuhalten. Natürlich gibt es ab und zu unterschiedliche Meinungen, aber wir ziehen so weit wie möglich an einem Strang. Das ist im Prinzip nicht schwer, den unsere Hauptphilosophie ist „Der Spass an der Musik“. Ich denke, dass sollte der wesentlichste Grund für jede Band sein. Die speziellen Momente passieren während eines Konzertes, wenn du positives Feedback vom Publikum erhältst. Dieser Austausch zwischen Musiker und Publikum gibt uns enorm viel.

Folkmetal.at: Auf der Irminsul CD konnten wir einer himmlischen Stimme lauschen – in Namen “Linda Fagerberg”. War sie nur für die eine Session geplant oder wird es auch in Zukunft mit Linda wieder Frauengesang zu hören geben?

Irminsul: Wenn es angebracht ist, machen wir in unseren Songs Platz für Frauengesang. Wir sind der Meinung, das gehört zu unseren musikalischen Stil. Es ist sogar sehr wichtig für uns, weil es sowohl die Metal, – als auch die epischen Elemente hervorhebt. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass Linda wieder auf dem nächsten Album zu hören sein wird.

Folkmetal.at: Hurdy Gurdy (Bauernlaier auf Deutsch)?

Irminsul: Warum nicht, ein nettes Instrument 🙂 ! Wir waren eigentlich auf der Suche nach einem Violinisten, doch alle die in Frage kamen, waren befremdet in einer Metal Band zu spielen. Bei unserer weiteren Suche stießen wir auf Göran (”Vevgöran”). Beide Seiten waren an einer Zusammenarbeit interessiert. Für uns ist die ”Hurdy Gurdy” (”Vevlira“ auf Schwedisch) ein phantastisches Folk Instrument. Göran spielte sich in die alten Songs mit seiner Vevlira anstatt der Violine ein. Für die neuen Lieder hat er nun die totale Freiheit bei der Kreation seiner eigenen musikalischen Linie und Melodie.

Folkmetal.at: Zurück zu den weniger schönen Momenten eurer Bandeschichte. Was habt ihr rückwirkend daraus gelernt und seid ihr dadurch nicht auch gereift?

Irminsul: Oh ja, durch all die Dinge die um uns herum passiert sind, wurde die Band sehr erwachsen. Eines haben wir aufjedenfall aus dem ganzen gelernt: „Mit Sicherheit werden wir beim nächsten Plattenvertrag alle Kriterien genauerst überprüfen. Und was die Aufnahme Sessions betrifft, werden wir in Zukunft mehr in die Qualität von Instrumenten und Technologie investieren.

Folkmetal.at: Die Situation in Skandinavien, speziell in derFolk/Pagan/Viking Metal Szene ist einzigartig. Da blickt der Rest von Europa oft neidisch Richtung Norden. Was denkt ihr, ist der Schlüssel für den Erfolg in der skandinavischen Metal Szene.

Irminsul: Schwer zu sagen! Die Musik ist unser ständiger Begleiter und der Folk/Viking/Pagan Metal ist hier bereits seit vielen Jahren ein fixer Bestandteil. Fast schon so, wie die Folklore selbst. Aber es ist sicher nicht notwendig mit Neid auf uns zu schauen. In ganz Europa findet man jede Menge tolle Bands.

Folkmetal.at: Aber die Konkurrenz bei soviel talentierten Bands in Schweden ist wohl sehr hart?

Irminsul: Oh ja, da gibt es eine Menge Bands, die den selben Weg gehen, was es für den einzelnen sicher nicht leichter macht. Aber hier gilt, so wo überall, wer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist, bekommt seine Chance und hat die Möglichkeit und das Glück einen professionellen Weg einzuschlagen. Der Rest muss weiter hart an sich arbeiten und sich weiter den Arsch für ein kleines Honorar aufreisen.

Folkmetal.at: Ist eure Heimatstadt Göteborg weiterhin eine Death Metal Domäne?

Irminsul: Es gibt in dieser Stadt weiterhin jede Menge Death Metal Bands. Meiner Meinung nach sind hier aber alle Metal Genres stark vertreten. So jetzt hast du uns die Möglichkeit gegeben etwas wichtiges loszuwerden. Wir sind nämlich Patrioten..he,he! „Die Metal Szene in Göteborg ist phantastisch! Jede Menge großartige Bands stammen von hier!“

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Folkmetal.at: Sind in nächster Zeit Live Auftritte in und außerhalb von Schweden geplant?

Irminsul: Momentan nicht. Wir halten aber Ausschau und sind für jeden Vorschlag offen. Das ist ein weiteres aktuelles Thema. Wir sind zur Zeit auf der Suche nach einem Tour Management. Die Probleme mit DGF haben einige Firmen zurückgeschreckt, andere wiederum sind nur auf der Suche nach Bands, die rein englische Texte verfassen. So stellt sich die Suche schwieriger als erwartet heraus. Die Möglichkeit, egal ob in – oder außerhalb von Schweden Live zu spielen, ist genau das, was unser größtes Anliegen ist. Wie schon im Gespräch vorher erwähnt, sind die schönsten Momente für eine Band, Live zu spielen.

Folkmetal.at: Zum Abschluss bitte noch um eine letzte Message an die LeserInnen von Folkmetal.at!

Irminsul: Hails Volk of Folkmetal.at, wir hoffen euch gefällt das Debütalbum („Na und wie!“ – Anm. der Redaktion). Wir hoffen stark, euch irgendwann in Österreich zu treffen – aufjedenfall – wir alle sehen uns bei der Schlacht um Ragnarök.

Folkmetal.at: Danke fürs Gespräch, sowie die offenen Worte. Wir hoffen euch sehr bald in Österreich zu sehen.

Irminsul: Danke für das Interview. Es war sehr nett mit dir zu plaudern und wie gesagt bis bald (wäre cool) in Österreich.
Hails and Cheers!

Das Interview führte Erich von Folkmetal.at im November 2009

Weitere Informationen über Irminsul:

Offizielle Seite von: Irminsul

My Space Seite von: Irminsul

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