Interview: Waldgeflüster

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Kurz vor dem Julfest sind wir mit Jan von „Waldgeflüster“ zusammengetroffen. Nicht ohne Grund. Die Gelegenheit wurde für ein ausführliches Interview genutzt. „Face to Face“ bei einem gemütlichen Bierchen konnten wir uns nicht nur über Thor und die Welt unterhalten, sondern auch über die aktuelle CD „Herbstklagen“, sowie weitere Zukunftsprojekte aus dem Hause Waldgeflüster und Scarcross, dem zweiten musikalischen Standbein von Jan.

Folkmetal.at: Stellst du dich bitte kurz den Lesern von Folkmetal.at vor.

Jan: Grüß euch, ich bin der Jan von Waldgeflüster!

Folkmetal.at: Na dann gleich mal zu deiner CD „Herbstklagen“, die Anfang des Jahres raus gekommen ist und gute Resonanzen erhalten hat. Wie viel Herzblut hast du in das Ganze reingesteckt?

Jan: Sehr viel….sehr,sehr viel. Ich habe bereits im Herbst 2006 damit begonnen für das Album zu schreiben. Die Stücke waren eigentlich schon im Sommer 2007 fertig, nur hat es eine Ewigkeiten gedauert, bis ich das Ganze aufnehmen konnte. Dann kam noch die Labelsuche dazu. Es hat sich insgesamt über zwei Jahre hingezogen. Es war Arbeit und nochmals Arbeit…..Arbeit und Herzblut. Wenn kein Herzblut drinnen gewesen wäre, hätte ich damals schon längst aufgegeben.

Folkmetal.at: Diese Zeit hat sich anscheinend gelohnt, weil die Produktion sehr sauber geworden ist?

Jan: Ja, finde ich auch. Es gibt immer wieder Stellen, wo ich mir im Nachhinein denke: „ Aha, das hättest du besser machen können.“ Eben Details, weil ich einfach damals noch nicht genügend Erfahrung hatte beim Aufnehmen, um es besser zu machen. Aber im großen und ganzen bin ich mit dem Ergebnis zufrieden Vor allem mit dem Wissen, was ich damals hatte. Der Mischer der das Album gemixt hat, hat meiner Meinung nach einen super Job gemacht. Daher bin ich speziell mit dem Sound sehr zufrieden.

Folkmetal.at: Zu deinem erstes Project Scarcross? Eine CD steht in den Startlöchern. Wie schaut der Stand der Dinge aus?

Jan: Die CD ist gemischt und gemastert. Im Augenblick sind wir in Verhandlung mit Labels. Ich denke in den nächsten ein bis zwei Wochen werden wir es zum Abschluss bringen und das Album hoffentlich im Frühjahr 2010 veröffentlichen können. Der Name der neuen CD lautet: „Freidenker“.

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Folkmetal.at: Ein Grund für das Projekt Waldgeflüster war mitunter, dass bei Scarcross zu wenig Black Metal involviert war. Korrekt?

Jan: Ja, schon! Es ist eine andere Form von Black Metal. Bei einer Band muss man immer zusammen kommen und Kompromisse schaffen. Scarcross ist aus Musikern entstanden, die aus sehr unterschiedlichen Richtungen gekommen sind. Daraus haben wir etwas schönes entwickelt. Irgendwann hat es mir aber nicht gereicht. Ich wollte fokosierter meine Ideen umsetzten. Das konnte ich bei Scarcross nicht. Nicht weil die Leute nicht gut genug gewesen wären, sondern weil es einfach nicht deren Musikrichtung war. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich auch nebenbei was versuche. Waldgeflüster war ja nicht als großartige Band geplant. Anfangs habe ich eigentlich nur einen Song aufgenommen, und dann lief es einfach gut.

Folkmetal.at: In deinem Fall möchte ich unbedingt auf die CD Herbstklagen intensiver eingehen, speziell jedoch auf die Lyrics. Ich findes diese ähnlich wie z.B. bei Dornenreich sehr schön durchdacht, ebenso als Aufforderung zur Interpretation an den Hörer. Kannst du uns dazu näheres erläutern?

Jan: Hm….., was willst du jetzt genau wissen?

Folkmetal.at: Also mich persönlich sprechen die Texte sehr an und ich finde sie, abseits von klischeehaften Lyrics, zum Nachdenken sehr anregend. Deine Songs sind ja in Klage I – IV aufgegliedert. Ist da vielleicht auch versteckt ein Seitenhieb im Bezug auf unsere heutige Gesellschaft versteckt?

Jan: Grundsätzlich sind keine großartigen Konzepte oder Aufforderungen zur Interpretation in den Texten. Ich schreibe einfach nur das, was mir in dem Moment auf der Seele liegt. Da ist kein Plan dahinter. Es sind Niederschriften, mit denen ich meine Gefühle, die ich in dem Moment habe, versuche zu verarbeiten und mir klar darüber zu werden, als Mensch zu wachsen. Dadurch entstehen diese Texte. Wenn mich etwas beschäftigt, schreibe ich darüber. Es ist auch nicht so philosophisch zu sehen. Es sind sehr viele persönliche und emotionale Aussagen dabei.

Folkmetal.at: Trotzdem lasse ich nicht locker. Inhaltlich befasst sich „Herbstklagen“ mit der Natur, der Vergangenheit und das du darüber viel nachdenkst. Ich interpretiere da sehr wohl Kritik an der heutigen Zeit. Oder liege ich da wirklich ganz falsch?

Jan: Ja, natürlich gibt es Kritik an der heutigen Zeit. Die Naturbilder sind im großen und ganzen der Rahmen in dem Waldgeflüster spielt. Es sind Bilder um Emotionen zu verdeutlichen. Gesellschaftskritik ist vielleicht übertrieben. Aber in die Richtung geht ‘Wolfsgeheul’. Das Stück handelt davon, dass ich den Eindruck habe, dass wir heute in der Natur nicht mehr inne halten und Ruhe finden können, weil alles so hektisch geworden ist. Die Verleugnung der Mystik und der Ruhe, die in der Natur liegt, das kritisiere ich in meinen Texten.

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Folkmetal.at: Wo suchst die Kraft & Ruhe für deine Lyrics. In der Natur oder in den eigenen vier Wänden?

Jan: Wenn du darauf anspielst, ob ich raus gehe zum Schreiben: „Nein, das tue ich nicht“. Das sind Bilder, die in meinem Kopf entstehen und verarbeitet werden. Ich versuche bei anderen Gelegenheiten raus zu gehen, um diese Eindrücke für mich zu sammeln. Draußen habe ich Ruhe und schreiben kann ich bei guter Musik oder wenn ich ganz alleine in meinem Zimmer bin. Ich schaffe es leider nicht so oft in die Natur zu gehen, wie es manche meinen möchten und wie ich es gerne hätte. Es ist nicht so, dass ich jedes Wochenende draußen bin.

Folkmetal.at: Waldgeflüster ist also kein militantes Pagan Projekt?

Jan: Nein, das definitiv nicht. Das wurde mir auch irgendwann einmal unterstellt, da habe ich schon das selbe geantwortet.

Folkmetal.at: Die Veröffentlichung der LP Version von Herbstklagen war dir sehr wichtig. Du gehörst zu den nicht wenigen Künstlern, die die Liebe zum alten Format wieder gefunden haben. Gerade in Zeiten, wo bereits die CD vorm Aussterben bedroht ist.

Jan: Die LP ist leider noch nicht raus gekommen. Es ist doch mehr Aufwand, als Label und ich gedacht haben. Ich hoffe das es Anfang nächsten Jahres geschieht. Genaueres kann ich dazu noch nicht sagen. Daher muss ich euch auf Abwarten vertrösten. Mir war von Anfang an wichtig, bevor die CD erschienen ist, dass eine LP Version irgendwann kommt. Das liegt daran, dass ich eine Platte sehr schön finde. Viele Leute lassen sich aus audiophilen Gründen darauf ein, da es besser klingen soll. Das finde ich persönlich gar nicht mal so. Für mich ist es nur ein schönes Medium, dass einen gewissen Charme versprüht. Man kann eine LP nicht mit einer Mp3 vergleichen. Wobei auch eine CD, wenn sie gut gemacht ist, eine wunderschöne Sache ist. Viele Bands geben sich heute viel zu wenig Mühe. Vorallem im Black Metal & Underground Bereich. Das ist manchmal so dahingeklatsch, was ich schade finde, da auch eine schön gemachte CD einen Wert hat. Wenn man das zu Hause stehen hat, dann ist das schon was besonderes.

Folkmetal.at: Einflüsse und Vorbilder für Waldgeflüster?

Jan: Einflüsse gibt es hunderte. Alles was ich höre, was ich aufnehme wird kanalisiert und spiegelt sich irgendwann in Waldgeflüster selbst wieder. Direkte Vorbilder habe ich nicht. Es gibt ein paar Musiker die ich einfach als großartig empfinde. Z.B. Mikael Akerfeldt von Opeth. Er ist als Musiker gesehen ein Wahnsinn. Wie er spielt, wie er singt und welche Ideen er umsetzt. Ihn würde ich aber nicht als Vorbild bezeichnen, weil wir doch verschiedene Menschen sind.

Folkmetal.at: Weil du speziell Opeth genannt hast, die ihren Stil sehr gerne ändern. Können wir in Zukunft auch progressive Elemente bei Waldgeflüster erwarten?

Jan: Nein, definitiv nicht. Die progressiven Ideen werde ich immer versuchen bei Scarcross anzusiedeln, weil die Musik von Anfang an darauf ausgelegt war, die Musik progressiver und neuer zu machen. Waldgeflüster steht für emotionale Musik, die aus mir selbst raus kommt. Es kann gut sein das irgendwann mal progressive Elemente vorkommen werden. Aber dann entspringt es dem Moment, weil das Lied es gerade braucht. Aber gezielt danach suchen werde ich nicht.

Folkmetal.at: Kurze Erklärung zu „Wie macht man Wacken“ – Wie macht man Metal“ – für die die es noch nicht kennen! Ihr habt ja mit diesem Video – Dreh’s einen nicht zu verachtenden Bekanntheitsgrad in Metalkreisen erreicht. Wisst ihr, wie viel Aufrufe es bereits auf eurer Seite, bzw. Youtoube gegeben hat?

Jan: Zu viele. Ich weis es nicht genau. Es geht schon gut in den Hundertausender – Bereich oder mehr.

Folkmetal.at: Also eine kommerzielle Sache!

Jan: Kann man im Endeffekt sagen. Wir haben das aber nie so geplant. Es war an zwei Nachmittagen. Wir waren gerade mal 17 oder 18 und haben einfach nur Blödsinn gemacht. Im Endeffekt hatte es nichts mit unserer Musik zu tun. Wir waren 4 oder 5 Jugendliche, die einfach Dummheiten im Kopf hatten. Ich kann es ehrlich nicht verstehen, dass es so einen Anklang bei den Leuten fand. Es wurden uns aber auch Vorwürfe gemacht, dass wir unsere Musik nicht ernst nehmen und Kasperlköpfe wären. Aber was soll’ s. Wir haben nur Spaß gehabt und eigentlich finde ich die Videos heute noch zum Lachen. Nicht mehr oder weniger. Im Nachhinein hätte ich die zwei Videos aber nicht so gemacht.

Folkmetal.at: Du stehst der Pagan Metal Szene eher kritisch gegenüber. Wie stehst du zu Begriffen wie pagan, archaisch oder heidnisch. Siehst du da eine Verkommerzialisierung? Ist das deiner Meinung nach der falsche Weg oder hat es auch seine Vorteile, dass Leute auf einmal über etwas Bescheid wissen, was sie vor 2 oder 3 Jahren nicht gekannt haben. Die Community sozusagen größer wird?

Jan: Du sprichst genau das an, was mein Problem ist mit der sogenannten Pagan Metal Szene. Die Odin schreienden und Methorn schwingen Leute haben meiner Meinung nach keine Ahnung was sie da reden. Sie gehen einfach nur nach Trends, weil es cool und angesagt ist. In diese Ecke will ich keinesfalls geschoben werden. Waldgeflüster hat pagane Elemente. Diese sind mir auch wichtig, aber Waldgeflüster ist mehr eine emotionale Sache. Ich glaube nicht, dass wir, wenn wir gestorben sind, in Asgard wieder auferstehen werden. Da kann ich genauso an den christlichen Gott oder Jachwe glauben. Das macht keinen Unterschied. Im Heidentum geht es um mehr. Um Spiritualität, sowie Respekt und Achtung vor der Natur und nicht um Odin und Methorn schwingen. Götter im Heidentum sind Symbole für gewisse Wesensausdrücke und Elemente in der Natur. Dort oben oder wo auch immer gibt es keinen Thor, der den Hammer schwingt.

Folkmetal.at: Bevorstehende Live Gigs?

Jan: Der nächste Live Gig ist am 16. Jänner 2010 auf dem Bavarian Battle in Rosenheim. Im Augenblick leider nicht mehr.

Folkmetal.at: Wie würdest du jemanden, der Waldgeflüster noch nie gehört hat, die Musik in kurzen Worten beschreiben?

Jan: Emotionaler Black Metal mit vielen akustischen Elementen.

Folkmetal.at: Die nächste Waldgeflüster CD – 2010?

Jan: Weis ich noch nicht. Ich arbeite zur Zeit sogar an zwei Cd’s. Zum einen am kommenden Waldgeflüster Album und zum anderen an einer Konzept EP mit meinem Bruder, die über unsere Trekking Reise, die wir im August gemacht haben, handeln wird. Ich hoffe, dass eines der beiden Werke 2010 das Licht der Welt erblicken wird. Es hängt natürlich auch von anderen Umständen ab. Vor allem muss aber die Zeit für eine Veröffentlichung reif sein. Wir machen uns da keinen Druck. Und dafür bin ich meinem Plattenlabel sehr dankbar. Wenn ich was habe, dann melde ich mich beim Label und wir schauen gemeinsam, wie wir das hinkriegen. Musik sollte nie unter Druck entstehen. Diese Verträge, wo Bands jedes Jahr ein Album herausbringen müssen, das ist keine Musik mehr, sondern nur mehr Technik.

Folkmetal.at: Die aktuelle Live Besetzung?

Jan: Wir sind im Augenblick zu fünft, weil wir endlich einen Bassisten gefunden haben.

Folkmetal.at: Zum Abschluss noch irgendwas, was du loswerden möchtest. Es kann auch Promotion sein.

Jan: Wenn es Promotion sein kann, der Hinweis auf das neue Scarcross Album „Freidenker“. Jeder sollte mal ein Ohr riskieren. Es ist schwierige Musik. Es kommen Elemente aus verschiedenen Ecken, wie z.B. Black oder Death vor. Ebenso progressive und akustische Einflüsse. Sogar eine, wenn man es so bezeichnen kann, Rock – Ballade wird oben sein. Es wird nicht jeden gefallen und es wird mehrere Durchläufe brauchen bis die Hörerschaft das erschließt was wir damit meinen. Aber vielleicht kann das Werk den ein oder anderen Hörer gewinnen. Ansonsten hört euch das nächste Zeug von Waldgeflüster an, wenn es veröffentlicht wird und gebt uns Live Gigs wenn ihr welche habt.

Folkmetal.at dankt Jan von Waldgeflüster für’s Interview!

Das Interview führte Erich von Folkmetal.at im Dezember 2009

Weitere Informationen über Waldgeflüster:

Offizielle Seite von: Waldgeflüster

My Space Seite von: Waldgeflüster

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