CD-Review: Lantlos – Agape

lantlos_agape

[Black Metal / Post Rock] – Prophecy (2011)
Deutschland
Am Abgrund des Seins!

Nichts Geringeres als die „Metaphysik der Liebe“ (so der Titel frei übersetzt) ist das Thema von Lantlos´ drittem full-lenght-Album. Und wie das Thema schon vermuten lässt, darf der geneigte Hörer die Trivialität seines Daseins für runde 35 Minuten hintan stellen und sich höheren, vergeistigten Dingen zuwenden.

Dem Black-Metaller zu doomig, dem Doom-Metaller zu jazzig und einem Jazzer zu metallen … so schließt sich der Kreis um eine kleine, aber feine Gemeinde der schrägen, melancholischen Töne, die so gar nichts lebensbejahendes an sich haben: Nein, den Massengeschmack will das Dreigestirn aus Nordrhein-Westphalen bzw. Frankreich wahrlich nicht bedienen. Treu dem bislang musikalisch beschrittenen Wegen bieten Lantlos mit fünf Liedwerken zwischen infernalischem Kreischgesang und schwarzem Jazz viel Raum zum Nachdenken und in-sich-gehen. Ein genre-übergreifendes intellektuelles Werk für die dunklen und stillen Tage und Momente des Lebens, ohne die dieses Album wohl unzugänglich bleibt. „Agape“ zu verstehen heißt gewissermaßen das Licht ausknipsen, alles Bunte um sich herum verschwinden zu lassen und der Düsternis zu huldigen. Wo pure Melancholie (wie etwa bei Bohren & the club of gore) noch Raum für längst vergangene Momente des Glücks lässt, regiert bei Lantlos nur noch die schiere Verzweiflung. Lantlos´ „Agape“ als schwere Kost zu bezeichnen wäre eine maßlose Untertreibung.

Technisch untadelig durchschreiten die Post-Black-Metaller einen abwechslungsreichen bisweilen experimentellen Klangteppich, der jenseits der schrägen Klänge viele ruhige, getragene und verträumte Passagen bietet. Doch die wohligen Momente bleiben die Ausnahme und werden jäh zerrissen von Neiges (Alcest) Wehklagen, die den Hörer bis ins Mark treffen. Kein „Wohlfühl-Werk“ jedenfalls, aber ein Album, das so subjektiv ist, wie nur möglich, womit sie sich wirklich jeder (Be-) Wertung entzieht. Die einen (und meisten) werden „Agape“ nicht verstehen, nicht leben können, die anderen werden „Agape“ vermutlich vergöttern. Welchem „Lager“ man selbst zugehört, sollte jeder selbst herausfinden. Der unten angeführte link gibt zumindest jedem die Chance das herauszufinden, bevor man unter mehreren Varianten im Shop von Prophecy auswählen und zuschlagen kann.

Hörbeispiele zu Lantlos finden Sie unter folgendem Link: http://www.youtube.com/playlist?list=PL891ABA48D9FDAC4E
geschrieben am 15.1.2012 von karsten@folkmetal.at

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Bewertung: Punkte (Innovation): 12 von 15
Punkte (Gesamt): von 15
Informationen: Lantlos
Prophecy

Eine Antwort zu “CD-Review: Lantlos – Agape

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