CD-Review: The Stone – Golet

the stone_golet

[Black Metal] – Folter Records (2011)
Serbien
Paint it black!

Black Metal aus Serbien, das klingt für die meisten wohl ziemlich exotisch. Schlägt man jedoch in den Annalen und Statistiken der Encyclopaedia Metallum nach, finden sich für diesen Balkanstaat doch sage und schreibe 71 (!!!) Black Metal Bands … kaum zu glauben.

Mit die älteste hierunter sind denn auch die Belgrader The Stone (vormals Stone to Flesh), die seit 1995 immerhin schon ihren fünften Longplayer unters Volk bringen. Erschienen die ersten Werke noch unter (für den Rezensenten) unleserlichen kyrillischen Namen und in ebensolcher Schreibweise, näherte man sich mit dem letzten Album „Umro“ zumindest in Sachen Buchstaben den lukrativeren Märkten, während die Texte noch durchgängig serbisch verfasst waren.

Beim aktuellen Album „Golet“ hingegen wird bereits in verstärktem Maße auf das massentaugliche Englisch zurückgegriffen. Folgt man dieser Logik, dann wird das nächste Album der Belgrader vermutlich nur noch in Englisch erscheinen. Ein Schelm, wer hierbei an besseren Zugang zu den finanzstärkeren, westeuropäischen Märkten denkt.

In musikalischer Hinsicht ist selbiges nicht zu befürchten. The Stone stehen (im Gegensatz etwa zu den erst unlängst rezensierten Kratein) für traditionellen Black Metal ohne Ambitionen in Sachen Moderne. Schlecht muss das nicht sein. Im Gegenteil, Traditionalisten werden mit Wohlwollen vernehmen, dass auf modernen Klimbims gänzlich verzichtet wird. Stattdessen werden dem Hörer ultimative Gitarrensounds um die Ohren geblasen, ein Album absolut für jeden Gitarrenfetischisten!

Das Ganze wird dabei durch ein effektvoll eingesetztes, gefühlvolles und intelligentes Schlagwerk strukturiert. Zuletzt garniert des Leadsänger Nefas Stimme das Werk mit Krächzen und Keifen voller Emotion und Leidenschaft. Vocals, die sich qualitativ durchweg hören lassen, die allerdings auf die Gesamtlänge ein wenig eintönig daherkommen.

Ohne Melodie ist dieses old schooled Werk wahrlich nicht. Sicherlich wirkt hier nichts gekünstelt oder verzärtelt. The Stone bleiben von Anfang bis Ende kompromiss- und schnörkellos. Die vorhandenen Melodielinien verziehen sich in die zweite Reihe und wollen im Grunde erst (im Laufe der Zeit) entdeckt werden. Und wenn der (Folk-) Metaller genauer hinhört, könnte man mancherorts gar Ähnlichkeiten zu Finntrolls „Niflevind“-Album heraushören (zB bei ‚All graves gaping wide‘)… freilich dem schwärzesten Album der Finnen.

Aber keine Sorge, in schwarz-getünchten Humpa-Rhythmen ergeht man sich auf „Golet“ nicht, dafür bleibt man bei sämtlichen acht einzelnen Songs zu roh und ungeschliffen.

Unterm Strich bleibt ein feines Album einer traditionellen, qualitativ respektablen Black Metal Kapelle, die (in hiesigen Gefilden) durchaus mehr Beachtung verdient hätte. Einziger Kritikpunkt neben dem ein wenig anstrengenden, gleichförmigen Gesang, ist die zu große Gleichförmigkeit der Scheibe. Ein Umstand, der aber auch dem Genre, insbesondere dem sehr traditionellen Stil geschuldet ist und den Fan nicht stören sollte.

Für jeden Schwarz Metaller ein echter Bringer, der zu Kaufen lohnt … für genrefremde Hörer wohl zu deftig.

Wer sich übrigens live einen Eindruck von den serbischen Horden verschaffen will, hat im deutschsprachigen Raum zum Beispiel am 19. Mai 2012 die Gelegenheit auf dem Night of Grimness Festival in Ulm.

Hörbeispiele zu Kratein finden Sie unter folgendem Link: http://www.youtube.com/watch?v=9SFLr9ck5yk
geschrieben am 13.3.2012 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 5 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: The Stone
Folter Records

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