Konzertbericht: Paganfest 2012 mit Eluveitie, Korpiklaani, Primordial, u.v.m.

Paganfest 2012 – Eluveitie, Korpiklaani, Primordial, Equilibrium, Negura Bunget, Heidevolk, Solstafir, Cruadalach
Ort: Wien – Arena
Datum: 23. März 2012

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Die Meute am Paganfest in Wien

Es war mal wieder Pagan Zeit. Zum zweiten mal in Folge war die Arena Austragungsort für das traditionelle Spektakel. „Sold out“ hieß es. Ab 15 Uhr ging nichts mehr. Alle Tickets gingen über den Ladentisch. Lautete der Zusatz doch „EXTENDED SHOW“. Weder der unheidnische Beginn (Freitag, 15 Uhr), noch der Wiener Berufsverkehr konnten das verhindern. Überraschender Weise war die Halle schon bei Cruadalach ziemlich gut gefüllt. Leider konnten das die meisten Presseleute nicht mitverfolgen, da diese vor den Toren der Arena aus unerklärlichen Gründen angehalten waren zu warten. Hier hat die Logistik der Arena versagt, was zur Folge hatte, dass es weder einen Report, noch ein Fotomaterial über den Auftritt von Cruadalach gibt. Schade, sollte der doch laut der Befragten Zeitzeugen sehr gut gewesen sein. Somit haben die Tschechen die Nominierung für den Support in Wien voll auf gerechtfertigt.

Also starten wir mit Solstafir.

Das neue Album „Svartir Sandar“ ist großartig und läuft bei mir momentan auf – und abwärts. Trotzdem hatte ich meine Bedenken, ob das Live umzusetzen ist, vor allem aber, ob das junge Publikum diesen Genre – Ausreißer akzeptieren würde. Meine Bedenken erwiesen sich bereits nach den ersten Klängen als haltlos. Kaum jemand der Anwesenden verließ die Halle und wollte diese gelungene Abwechslung im Line up verpassen.

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Solstafir

Solstafir erzeugten genau jene exzentrische Spannung, wie auf ihren Tonträgern. Jeder im Raum spürte das Knistern. Ok, ein Moshpit oder Nackenbrechen wars nicht. Das war sowieso nicht zu erwarten. Dafür zollte das Publikum den Isländern eine für Metal Konzerte ungewöhnliche Geduld im positiven Sinne. So manch einer schloss die Augen und ging andächtig mit den Klängen der Nordländer mit. Belohnt wurde der aufmerksame Hörer mit progressiven Rock Elementen vom Feinsten. Diese zur Gänze vom neuen Album. Der langsamste aller Songs – zugleich aktuelle Single – ‚Fjara‘ – ‚On Stage‘ wie auf Platte einfach genial. Für mich persönlich war es einer der ganz großen Höhepunkte, aber auch für viele, die bisher Solstafir noch nicht so gut kannten.

Es sollte nicht der letzte Höhepunkt an diesem Abend sein. Heidevolk waren als nächste an der Reihe. Somit konnte der Übergang nicht kontrastreicher sein. Stehen die sympathischen Holländer doch für den typischen Folk Metal, mit heroischen Texten, sowie hymnischen Gesang. Dazu kommt eine Seltenheit, die den Unterschied zu vielen Bands in diesem Genre ausmacht. Heidevolk präsentieren sich Zweistimmig (nur männlicher Gesang). Die Bühnenpräsenz ist dadurch noch eindrucksvoller.

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Heidevolk

Die Gelderländer brachten sowohl Klassiker (Wodan heerst, Saksenland oder Walhalla wacht), als auch Material vom neuen Studioalbum „Batavi“ zum Besten. Ein kurzweiliger und sehr unterhaltsamer Auftritt.

Es wurde wieder andächtiger, mystischer und schwärzer. Waren doch dafür keine geringeren, wie die Mannen um die eine Dame am Keyboard, nämlich Negura Bunget verantwortlich. Welcher Insider kennt sie nicht, die abstrakten Künstler aus den weiten Tiefen Transylvaniens, die aus jeden Baumstamm ein Instrument kreieren.

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Negura Bunget

Die Mischung aus tiefgründigen Black Metal, atmosphärischen Keys und archaischen Folk Instrumenten, wie diversen (Maul) Trommeln sucht seinesgleichen. Die Marke Negura Bunget ist einzigartig, genau wie die von Solstafir.

In Sachen Bekanntheitsgrad stehen Equilibium (an diesem Abend nicht die einzigen Hitparadenstürmer) um nichts nach. Die einzige deutsche Combo an diesem Abend war natürlich beim jüngeren Publikum voll angesagt. Die Stimmung war am kochen. Es wurde gemosht, gedived und ein Genick nach dem anderen schien zu brechen.

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Equilibrium

Sänger Robse ist eine imposante Erscheinung und steht sowohl gesanglich, als auch Punkto Bühnenpresenz seinem Vorgänger Helge Stang (jetzt Arafel) um nichts nach. Die älteren Songs wurden genauso stark dargebracht, wie die vom aktuellen Album „Rekreatur“ Stücke wie Wurzelbert, Blut im Auge (Sagas) oder Met (Turis Fratyr) wurden von der tobenden Menge mitgegröllt. Wenn auch die Meinungen über den kommerziellen Erfog von Equilibrium geteilt sind, in der Wiener Arena waren sie die absoluten Stimmungsmacher.

Diese Stimmungsmacher sind Primordial bei weiten nicht. Die düsteren und schleppenden Klänge werden das nie zulassen. Die Iren um ihren Meister Alen machen auf ihre Art und Weise Stimmung. Sie bringen dafür die großen Hallen mit ihrem doomlastigen Pagan Rhythmen zum beben.

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Primordial

Niveauvolle Texte laden zum Nachdenken ein und schon alleine wegen der Mimik und Gestik von Sir Alen muss man ein Primordial Konzert zumindest einmal in seinen Leben besuchen. Die düstere Fraktion hatte mit Alen & Co ihr Vergnügen. Fast eine Stunde zelebrierten die Iren ihren archaischen Metal. Klassiker wie ‚The Coffin Ships‘, ‚Empire Falls und ‚As Rom burns‘ durften klarerweise nicht fehlen.

Wem Primordial zu schwerfällig sind, speedige Humppa Klänge kombiniert mit ‚Vodka‘ ‚Tequila‘ und ‚Beer‘ eher ansprechen, der wartete natürlich sehnsüchtig auf die Finnen von Korpiklaani. Es war Zeit für finnische Folklore und Hirschgeweih. Anspruch – nein, Innovation – nein, mal was Neues – nein. Zumindest nicht in Kombination mit Korpiklaani. Aber wer brauchts? Und überhaupt wer will die aus dem Folk stammenden Nordländer anders sehen? Wohl niemand.

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Korpiklaani

Also war für eine Stunde mit den Herren aus Suomi Party angesagt. Oben bereits angeführte Songs sorgten für gute Laune und wieder hat Wien einen Korpiklaani Auftritt gesehen. Doch etwas Neues gibt es sogar zu berichten. Das Streichzeug wird seit kurzen von Tuomas Rounakari bedient. Der hat seine Aufgabe bravourös gemeistert, als wäre er schon immer dabei gewesen. Korpiklaani – demnächst wieder beim Heidenfest zu bewundern.

Und wie so oft, braucht auch dieses Fest einen Headliner. Obwohl dies an diesem langen Abend jeder hätte sein können, was als Kompliment an den Veranstalter zu verstehen ist, drängten sich die Eidgenossen von Eluveitie auf. Somit haben wir das Geheimnis (oder auch nicht), wer den der zweite Hitparadenstürmer an diesem Tage sei, gelüftet. Souverän, routiniert. Man merkt aus den ehemaligen unbekannten und hungrigen Künstlern ist eine perfekt eingespielte Institution geworden. Auch wenn ich mich wehmütig an Zeiten wie „Spirit“ und „Slania erinnere, so muss man den Damen und Herrn von Eluveitie Respekt zollen, was sie in der relativ kurzen Zeit auf die Beine gestellt haben. Es ist nicht selbstverständlich mit dieser Art von Musik weit in kommerzielle Welten vorzudringen. Und so lange ist „Spirit“ gar noch nicht her.

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Eluveitie

Genau diese Story präsentierten die Schweizer an diesen Abend auf den Brettern der Arena. Quer durch alle Veröffentlichungen von „Spirit“ bis „Helvetios“. Um nur einige Brüller aufzuzählen: ‚Your Gaulish War‘, ‚Slanias Song‘, ‚Inis Mona‘, Thousandfold oder ‚Primordial breath‘ Super Stimmung und das nach 9 (!) Stunden. Kompliment an die Fans, die bis zum Schluss eine sensationell Atmosphäre aufrecht erhalten haben.

Ebenso ein Kompliment an den Veranstalter „Rock the Nation“, der ein sensationelles Line up auf die Beine gestellt hat und was noch wichtiger ist: die Umsetzung hat gepasst. Die Bands waren in Höchstform, die Fans haben es dreifach zurückgegeben. Eines ist klar. Es war das bisher beste Pagan Fest und der Meinung bin nicht nur ich. Eine Herausforderung für den Veranstalter, das nächstes Jahr zu toppen. Ob das noch geht? Ja und bitte wieder mit einer Extended Show in Wien.

Fotogalerie vom Paganfest 2012 in Wien

Erich – 28. März 2012

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6 Antworten zu “Konzertbericht: Paganfest 2012 mit Eluveitie, Korpiklaani, Primordial, u.v.m.

  1. Hi,

    danke für den Tipp. Hab den Bericht über die 17-70 Sigma und das Paganfest gelesen. Kompliment, beides sehr gut geschrieben. Werde das 17-70 überdenken, da ich für größere Hallen (z.B. Ragnarök) sowieso das 55-200 AF VR Nikon für außerhalb des Grabens habe. Innen ist das 18-55 Nikon nicht wesentlich schlechter.

    Greets

    Erich

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  2. Hey Erich,
    die Fotos vom PAGANFEST hab ich mitm AF-S 50mm f/1.4 gemacht. Das 17-70 hab ich hauptsächlich beim KEIN BOCK AUF NAZIS eingesetzt, weil kein Photopit da war ^^

    Im Review dazu steht eh wie mans am besten einsetzt und was sonst noch zu beachten ist. Kurz gesagt: wennst unbedingt 17-70 brauchst, f/4 ok ist (Kamera bei ~ISO3200 & aufwärts brauchbar), dann nimms 17-70. Wegen der variablen Blende würd‘ ich immer auf f/4 abblenden sonst haut’s dir im manuellen Modus die Belichtung beim Zoomen komplett durcheinander.

    Ansonsten: 17-50 wenn Lichtstärke & 17mm wichtiger sind als das lange Ende. Oder: 24-70 wenn das kurze Ende egal ist und Lichtstärke trotzdem hoch sein sollte 😉

    Hoffe das hilft Dir 🙂

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  3. Hey Erich, Markus hier (der glatzerte Fotograf, der von Anfang bis Ende dabei war 😉 ). Bin jetzt endlich mal über Deinen Bericht gestolpert und muss scho sagen: Super gmacht 😉 Ja, das mit Cruadalach war schon ziemlich schade aber dafür war der Rest umso besser. Zumindest bei mir dröhnt seitm Fest Sólstafir 24/7 durch’s Haus 😀

    Schöne Grüße, vielleicht sieht man sich ja wieder mal im Pit!

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    • Hi Markus,

      thx, für die Blumen. Cruadalach – ja, schade, aber schon wieder vergessen. Solstafir war der Hit. Geniale Band, egal welchen Stil man bevorzugt. Netter Foto Blog von dir, mit sehr guten Bildern. Hast du alle mit dem Sigma 17-10 gemacht? Dürfte optimal für die kleinen Hallen sein. Bin sehr am Überlegen das Ding fü meine D60 zu nehmen; schon aufgrund der Lichtstärke.
      Als dann bis zum nächsten mal
      Greets
      Erich

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