Konzertbericht: Ragnarök Festival 2012 – Teil II von Karsten

Ragnarök Festival 2012 – Ein Bericht aus der Sicht von Karsten
Moonsorrow, Einherjer, Varg, Agalloch, Skyclad, King of Asgard, Wolfchant u. v. m.
Ort: Lichtenfels (D)
Datum: 13. – 14.04.2012

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Dark Fortress

Ragnarök … ein Festival, das längst Kultstatus in der Szene erlangt hat. Die Mutter aller Pagan-Metal-Festivals sozusagen, hatte zum neunten Mal zur Endschlacht eingeladen. Und nicht wenige stürzten sich auf altbewährtem Terrain ins Kampfgetümmel. Wobei man doch feststellten musste, dass gerade der Freitag in punkto Besucherzahlen erst allmählich Fahrt aufnahm. Letztlich fanden sich aber dann doch jede Menge Wikinger, Heiden, Metaller, Paradiesvögel und andere schräge Vögel im Pagan-Metal-Mekka ein, um den Recken auf den beiden Bühnen einen würdigen Rahmen zu bieten.

Umrankt war die Veranstaltung erneut mit einem großzügigem Merchandising-Bereich und einer Handvoll bewährter Verpflegungsstände, die in fester wie flüssiger Form Qualität zum überschaubaren Preis boten. Gerade diese „weichen Standortfaktoren“ übrigens sind für die Qualität eines mehrtägigen Festivals nicht zu unterschätzen. Und hierfür konnte erneut wieder volle Punktzahl gegeben werden! Zu den Essentials zählt natürlich auch die Organisation. Und auch in diesem Punkt war (wieder einmal) nichts, aber auch gar nichts zu mäkeln! Die Warteschlangen hielten sich überall in Grenzen und somit auch die Wartezeiten. Und das Programm auf den beiden Bühnen war sozusagen von Anfang bis Ende „just in time“. Sogar bei den Autogrammstunden konnte man zu den vorangekündigten Zeiten (zumindest ungefähr) die angekündigten Bands antreffen, die dann allesamt bereitwillig Autogramme gaben oder (auf Wunsch) für Bilder posierten.

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Mael Mordha

Einziger Wermutstropfen waren – folgt man vor allem den zahlreichen Beschwerden der Besucher – die Security. Auch wenn wir vom folkmetal.at-Team selbst keine Schwierigkeiten hatten, war doch auch für uns feststellbar, dass die Sicherheitsleute mitunter Informationsdefizite aufwiesen und zumindest „Freundlichkeit“ nicht kannten. Was man nachträglich im Internet über diverse Auswüchse lesen konnte, erschreckte aber doch. Von Seiten des Veranstalters, diese Überzeugung konnte man gewinnen, wurden und werden die Beschwerden allerdings sehr ernst genommen. Und so wird es mit diesem Sicherheitsdienst zumindest im nächsten Jahr keine Probleme mehr geben.
Um bei den (wenigen) Problemen zu bleiben, wird man um den mäßigen Sound am ersten Tag (bis WALDGEFLÜSTER) nicht herum kommen. Auffällig war, dass die Tontechnik einerseits mit stark verzerrten Gitarren, andererseits mit dem Gesang nicht wirklich klar kam. Erst ab MISTUR stellte sich eine Besserung ein und so wirklich erst mit RABENSCHREY konnte man von einem guten Klang sprechen … wozu die Lichtenfelser Stadthalle grundsätzlich in der Lage ist (siehe etwa Christmas Metal Festival).

Auf der Strecke blieben bedingt durch den anfangs problematischen Sound leider Formationen wie VOLUSSPAA, (denen sicherlich auch die Live-Erfahrungen/-Qualitäten fehlen … als ein-Mann-Projekt) mit ihrer eher auf Melodielinien ausgelegten Kompositionen. Aber auch IMPERIOUS und VELNIAS waren nicht zuletzt wegen des Sounds unauffällig und wenig spektakulär. KING OF ASGARD und (die meinerseits heiß ersehnten) HEOL TELWEN vermochten allenfalls eine solide Show abzuliefern, weniger aber zu begeistern. Und auch die allmählich anwachsende Metal-Meute kam nur langsam in Fahrt. Setlist VOLUSSPAA: Hvorfor – Av sin klokskap – Ferden gar videre – Mother north – En Hymne til vare udodelige forfedre
Setlist HEOL TELWEN: An deiz ruz – Dahud korrigan – New4 – Kan ar kern – Genidezh news – Enez glaz.

Erstmals wirklich gute und ausgelassene Stimmung konnten RABENSCHREY entfachen. Im Vergleich zu den anderen Bands eher exotisch bei diesem line up, vermochten es doch gerade die Jungs um Leadsänger Donar das Publikum mitzureißen. Und dies lag nicht zuletzt an dem publikumsorientierten, professionellen Auftritt: Witzig, souverän, energiegeladen! Das Publikum ließ sich jedenfalls anstecken und geriet erstmalig so richtig in Bewegung. Setlist RABENSCHREY: Kraftvoll – Dreckstück – Königreich des Schmerzes – Heiden tanzen – Der Kreis – Brennen – Bilder auf die Haut – Templerschaf – Hey wir sind Heiden – Ich will.

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Moonsorrow

Spätestens ab jetzt machte die Veranstaltung so richtig Spaß. Nach dem gelungenen Auftritt von Rabenschrey folgten – völlig gegensätzlich im Musikstil, aber wahrlich nicht schlechter – AGALLOCH. Und die US-Amerikaner waren– nach einhelliger Meinung – die Abräumer des Festivals schlechthin. Wirklich guter Sound und eine in sich stimmige, im Grunde perfekte Performance legten die Buben mit John Haughm an der Spitze auf die Bühne. An dem doomigen Sound störte sich keiner, die Reihen waren und blieben dicht geschlossen. Insbesondere die (wenigen) vokalen Parts kamen gut rüber. Agalloch auf dem Ragnarök 2012: Tiefste Verneigung! Im Grunde konnte man nicht genug bekommen und man hätte noch ewig zuhören können. Doch leider war nach rund einer Stunde Schluss. Setlist AGALLOCH: Limbs -Ghosts of the Midwinter Fires – Falling Snow – Into the Painted Grey – Our Fortress is Burning… II – In the Shadow of Our Pale Companion – Kneel to the Cross.

Der Übergang zum nächsten act VARG hätte nicht grober sein können. Als Ersatz für die kurzfristig ausgefallenen BORKNAGAR waren die Coburger ins Programm aufgenommen worden. Kein Ersatz zwar für die Fans von BORKNAGAR, aber doch sehr zur Freude manch anderer. Und so teilten die Coburger das Publikum in zwei Hälften: die Hasser und die Verehrer. Es kommt selten vor, dass im Metal eine Band so stark polarisiert. Schmährufe allerorten, die sogar von Seiten der Band (leider völlig unsouverän) kommentiert wurden. Andererseits aber auch viele Sympathiebekundungen und „verbale Gegenattacken“. Es war also einiges geboten. Und auch ansonsten kann man qualitativ am Auftritt nichts aussetzen. Sound gut, Show solide, wenn auch etwas derb und weniger feingeistig., aber kraftvoll und mit Stimmung. Setlist VARG: Wir sind die Wölfe – Schwertzeit – Nagelfar – Schildfront – Blutaar – Wolfszeit -Viel Feind viel Ehr – Wolfskult – Rotkäppchen – Skal.

Mit den bisweilen skurrilen Klängen von A FOREST OF STARS ging der erste Festivaltag schließlich zu Ende. Und nicht nur bei der Auswahl der Band, sondern auch bei der Platzierung innerhalb des Programms bewies der Veranstalter ein glückliches Händchen. Vor nicht kleinem Publikum wurde der Freitag stimmungsvoll abgeschlossen. Das Publikum blieb bis zum Ende und war zu Recht begeistert.

Nach einer vergleichsweise kurzen Nacht folgte des Spektakels zweiter Teil. Die Soundtechniker hingegen schienen ausgeschlafen zu haben, so dass der Samstag gleich zu Beginn mit passablen Tönen versorgt war. Und der akzeptable bis durchaus gute Sound blieb gar bis zum Schluss. Mit THURS, SYCRONOMICA und IMPIETY wurde die Beschallungsanlage allmählich auf Betriebstemperatur gebracht, ohne dass für den Verfasser hierbei jedoch große Glanzpunkte gesetzt wurden. Mancher sah dies offensichtlich anders, denn von Beginn an kreuzten reichlich Zuhörer vor den Bühnen auf.

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Velnias

Erstes Highlight für meine Wenigkeit waren dann aber XIV DARK CENTURIES. Und die Thüringer waren bestens aufgelegt. Vor zahlreichen Metalheads rockten die Jungs so richtig ab, was nicht zuletzt auch an der Songauswahl lag. Schön und eben nicht selbstverständlich war, dass die einzelnen Liedwerke differenziert und mit gutem Klang präsentiert werden konnten. Von einem Soundbrei war man weit weit entfernt, entsprechend war der mit viel Engagement dargebotene Auftritt einfach kurzweilig. Auch die nächste Formation WOLFCHANT konnten einen guten und kraftvollen Auftritt hinlegen, bevor es mit DARK FORTRESS wieder ein Stück abwärts ging. FEJD schließlich wurden ausgesprochen umjubelt, was letztlich darin gipfelte, dass die Fan-Schar den gestrengen Herrn über die Zeiten zumindest eine Zugabe abtrotzen konnte. Die Berg- und Talfahrt nahm eine Fortsetzung mit MAEL MORDHA, die zwar optisch ein rechter Leckerbissen waren, doch die Qualitäten ihrer CDs nicht wirklich wiedergeben konnten: Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht überragend. Mit den alten Haudegen SKYCLAD, den Urgesteinen der Szene und Streitern aus den ersten Tagen erklommen wir den nächsten Höhepunkt Ein starker Auftritt der sympathischen Truppe, die sich auch bei der Autogrammstunde reichlich Zeit nahmen … bestens gelaunt wohlgemerkt. Mit ABSU erlebten wir eine kleine Überraschung in punkto Bühnenpräsenz, während EINHERJER reichlich enttäuschten, konnten sie doch (wie mancher act vorher schon) ebenfalls nicht ihre Qualitäten vom Silberling auf die Bühnenbretter übertragen. Setlist XIV DARK CENTURIES: Westwärts – Zeit der Rache – Schlachtgesang – Runibergun – Skithingi – Surtur erwacht – Falsche Propheten – Auf zur Schlacht – Bragarful, Setlist DARK FORTRESS: Harvest -Silver Gate – Catawomb – Phoenix – Ylem – Baphomet, Setlist MAEL MORDHA: Cluain Tarbh – Serpent & the black lake – Doom of the races of eire – Pauper of souls – Vinterblot – Realms of insanity – Gaelic twilight, Setlist EINHERJER: Intro – Aftensolen – Berserkergang – Varden Brenne – Wyrd oft he dead – Norron – Dragons – Crimson rain – Odin owns ye all – Far far north – Ironbound

Sodann standen die Headliner des Festivals auf der stage: MOONSORROW. Die Finnen, die bereits bei der Autogrammstunde etwas distanziert wirkten, fanden später auch von der Bühne aus nicht wirklich den Draht zu der nun reichlich gefüllten Halle. Spieltechnisch gab es nichts auszusetzen, die Finnen lieferten eine solide Leistung ab. Der Sound war für die komplexe Musik durchaus gut. Die Lichtshow – wie üblich bei Moonsorrow – gedämpft düster, blau schillernd. Aber auch wenn man sich engagiert zeigte, der Funke zum Publikum wollte nicht wirklich überspringen. Vielleicht auch lag es an der Setliste. War die große Stärke bei ihrem Konzert im Escpae/Wien im Dezember 2011 noch in ihrer offensichtlichen Lust aufs Konzert und der unbedingten Nähe zum Publikum, ferner am Umstand, nicht einfach eine Setliste stur herunter zu dudeln, sondern auch auf Zuruf etwas aus dem restlichen Repertoire zu spielen, so raubte man beim Ragnarök die Hoffnung gerade auf derartige Bonbons von Anfang an: „Wir spielen einfach unsere CD runter, auch wenn´s Euch nicht passt!“ Nicht gerade eine motivierte Einstellung. Hinzukommt natürlich auch, dass das aktuelle Album der Finnen doch recht schwer und düster ist. Die epischen Momente vergangener Tage mit den Melodielinien nordischen Glanzes bietet dieses Album leider nicht und wurde schlussendlich von vielen Zuhörern durchaus vermisst.
So wurde MOONSORROWs Abgang nach ca. 70 Minuten vom Publikum klaglos akzeptiert. Nicht ein einziger Ruf nach Zugabe war zu vernehmen! Schade! Es wäre sehr viel mehr drin gewesen. Setlist MOONSORROW: Tähdetön – Muinaiset – Huuto – Kuolleiden Maa – Sankaritarina

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Dark Fortress

Der Spaß, der bei Moonsorrow gefehlt hatte, für den sorgten NACHTMYSTIUM aus den USA. Bei deren Auftritt blieb vielen Zuschauern schlichtweg die Spucke weg. Ein sichtlich besoffener Keyboarder musste sich, wenn er nicht gerade dabei war sich mit dem Publikum zu prügeln, das Mikro zu zerstören oder den Mikroständer auf die Security zu werfen, an seinem Keyboard festhalten, um nicht umzufallen. Sein Glück war, dass das Keyboard festgenug stand und nur schwankte, aber nicht fiel. Musikalisch blieb das Keyboard dann auch eher „im Hintergrund“, es wurde schlichtweg nicht gespielt. Und von dem Frust des Keyboarders ließen sich schlussendlich auch die Bandkollegen anstecken, so dass auch mal eine Gitarre über den Boden schlitterte. Schade um die musikalische Seite, denn diese hätte doch so einiges zu bieten gehabt. Ein kurzweiliger Auftritt allerdings, auch wenn man derlei nicht öfters braucht. Setlist NACHTMYSTIUM: Instinct – A Seed for Suffering – Cold Tormentor – Ashes to Ashes -High on Hate – Addicts – One of these Nights… – Assassins – Ghosts of Grace

Den Abschluss bildeten DORDEDUH, die vor großem Publikum zu später Stunde – ebenfalls wieder gut platziert – das nach wie vor große Publikum noch wirklich zu begeistern wussten.

Unterm Strich verbleibt ein ausgesprochen schönes Ragnarök 2012, das mit Bands wie Agalloch absolute Sternstunden feierte und auch sonst viele sehenswerte Auftritte bot. Manche Formation vermochte nicht zu überzeugen oder enttäuschte gar (mehr oder weniger), aber das vermochte das Festival insgesamt nicht zu stören. Das neunte Ragnarök machte jedenfalls Lust auf eine Fortsetzung. Ragnarök 2013: Warum bist Du nicht schon morgen?!

Highlight musikalisch: AGALLOCH
Highlight Stimmung: RABENSCHREY
Highlight Unterhaltungswert: NACHTMYSTIUM
Sonderpreis des Auditoriums: SANFORD PARKER, Keyboarder von Nachtmystium

Karsten – 27. April 2012

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