CD-Review: Borknagar – Urd (Vinyl)

borknagar_urd

[Progressive Viking Metal] – Century Media Records (2012)
Norwegen
Klänge aus der progressiven Eliteliga!

Was haben Bands wie Amorphis, Enslaved, Opeth, Solstafir und Ulver gemeinsam? Abgesehen davon, dass sie aus dem hohen Norden kommen, liegen ihre Wurzeln im Black oder Death Metal Anfang der Neunziger. Nicht nur. So haben sie sich von einem einzelnen Genre gelöst und sich Schritt für Schritt musikalisch emanzipiert, um neue Maßstäbe im progressiven Bereich zu setzen.

Mit ähnlicher Vergangenheitsbewältigung haben Borknagar aus dem schönen Bergen zu kämpfen. Hat man mit einen Stilwandel Ende der Neunziger doch einen großen Teil der schwarzen Fanfraktion vergrault, muss diese fast zwei Jahrzehnte später zur Kenntnis nehmen, dass es der einzig richtige Weg für Borknagar war. Kreativität und Veränderung waren Voraussetzung, geht die Gründung der Band doch auf ehemalige Mitglieder von Molested, Enslaved, Gorgoroth, Arcturus, Immortal und Ulver zurück.

Doch lassen wir die Vergangenheit ruhen und beäugen die Gegenwart, die da „Urd“ heißt. Und die ist, ja ich gestehe es ungern und gebe mich selten billiger Lobpreisung her, einfach „Genial“. Auf der einen Seite zeigt „Urd“ immer noch auf, wo die Wurzeln von Borknagar liegen, aber mit Black Metal hat es im Endeffekt nichts mehr zu tun. Die Norweger setzen dafür Maßstäbe, die dem modernen Progressive Metal gerecht werden. Ab und zu kann der Hörer ein Siebziger-Element wahrnehmen und auch Jethro Tull Einflüsse lassen sich nicht ganz verleugnen, jedoch ist es nur ein kleiner Part im Gesamtkonzept. Borknagar sind mit „Urd“ der Zeit einfach voraus. Genauso wenig überhörbar sind epische Elemente und Power Metal hat durchaus eine kleine Wahrhaftigkeit auf diesem Album.

Alles in allem lässt sich „Urd“ aber nicht einordnen und setzt so seine eigenen Maßstäbe. Sei es die imposante Dreistimmigkeit oder die häufigen Tempiwechsel, die die Hörerschaft nie zur Ruhe kommen lässt. Alle großen Magazine haben dieses Epos bestens bewertet und meist zum Album des Monats gewählt. Und so ist es! Bei diesem Werk kann man sich einfach nicht irren. Schon alleine wegen des Instrumentals ‚The plains of memories‘, welches für mich zu den besten im gesamten Metal Bereich gehört.

Schade, dass wir die Norweger nicht beim Ragnarök bewundern konnten. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich „Urd“ noch nicht. Um so mehr leid tut es mir jetzt. Die neue CD, die ja schon etwas länger im Handel erhältlich ist, sollte all jene trösten, denen es genauso wie mir geht. Oder noch besser auf Langspielplatte besorgen. Mit dem Knistern im Hintergrund kommt diese Scheibe noch besser zur Geltung. Musik für die Ewigkeit – dafür erstmals seit langem wieder die volle Punktzahl.

Hörbeispiele zu Borknagar finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/borknagar
geschrieben am 20.6.2012 von erich@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 15 von 15
Punkte (Gesamt): 15 von 15
Informationen: Borknagar
Century Media Records

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s