CD-Review: Koenix – Vo de Gipfle

koenix_vo de gipfle

[Medieval] – Narrenschiff (2012)
Schweiz
Abschied und Fortsetzung!

Der königliche Herold erschütterte im Frühjahr das gemeine Volk mit der Kunde, dass sich Des Koenigs Halunken, ihres Zeichens einzige Mittelalter-Rock Band der Schweiz, im Herbst auflösen werden. Nach sieben Jahren, zahlreichen Auftritten im In- und Ausland sowie der Veröffentlichung zweier Alben (wovon das Zweitwerk „Irrfahrt“ ebenfalls durch uns rezensiert wurde) ist im September endgültig Schluss.

Trost spendet dabei die Tatsache, dass uns ein Grossteil der Halunken in Form ihres Akustik-Projekts Koenix auch in Zukunft erhalten bleibt. Doch damit nicht genug, denn in diesen Tagen erscheint nach dem Debüt von 2010 „Us em Gjätt“ auch gleich noch ein neuer Silberling, welcher auf den Namen „Vo de Gipfle“ („Von den [Berg-]Gipfeln“) hört.

Die Mehrheit der darauf enthaltenen 16 Songs ist dabei äusserst tanzbar ausgefallen, wobei sich diese Tanzbarkeit nicht immer gleich zu Beginn erschliesst, sondern sich oftmals erst im Laufe eines Tracks entwickelt. Die musikalischen Einflüsse sind gewohnt mannigfaltig und reichen von irisch bis hin zu orientalisch/arabisch. Der ‚Yklang‘ (‚Einklang‘) sowie ‚Aenedra‘ (was soviel wie ‚Auf der anderen Seite‘ bedeutet) weisen aufgrund der Verwendung eines Hackbretts gar Anzeichen von alter Volksmusik auf. Der letztgenannte Song besticht ausserdem durch seine wunderschöne Melodie. Eine mutige Kombination wird in ‚Sitarta‘ präsentiert, wo eine indische Sitar auf die irischen Uilleann-Pipes trifft. Erstaunlicherweise harmonieren diese beiden aus so unterschiedlichen Teilen der Erde stammenden Instrumente einwandfrei. Nebenbei bemerkt, rockt dieser Track auch ganz ordentlich, was dem Einsatz von äusserst treibendem Schlagwerk zu verdanken ist.

Die Schwachpunkte des Albums stellen die langsameren Songs dar. Zwar sorgen diese für Abwechslung zwischen den schnelleren Nummern, doch wissen sie leider weder textlich noch musikalisch zu überzeugen. Negativer Höhepunkt hierbei bildet das einzige Traditional ‚Dass du mi liebschte bisch‘ (im Original in Plattdeutsch ‚Dat du mien Leevsten büst‘), welches vom Anspruch her am ehesten mit einem Kinderlied verglichen werden kann.

Die Spielleute von Koenix sind (zumindest in ihren Songs – auf der Bühne sieht dies ganz anders aus) keine Freunde der grossen Worte. So verwundert es kaum, dass auf „Vo de Gipfle“ vorwiegend Instrumentals zu hören sind. Wenn dann doch mal gesungen wird, so erfolgt dies ausschliesslich auf Schweizerdeutsch.

Punkten kann dieses Zweitwerk in erster Linie dank der herrlichen Melodien, welche Koenix zu schreiben im Stande sind. Auch produktionstechnisch gibt es absolut nichts auszusetzen. Dass die balladesken Lieder nicht mit den up tempo Nummern mithalten können, fällt insofern nicht allzu stark ins Gewicht, als dass bei einer Spielzeit von 70 Minuten immer noch genügend sehr gute Tracks auf dem Album vorhanden sind. So bleibt zusammengefasst fest zu stellen, dass die Eidgenossen die hohen Ansprüche, welche sie mit „Us em Gjätt“ geweckt haben, erfüllen, aber leider nicht übertreffen können.

Anspieltipps: ‚Aenedra‘ und ‚Sitarta‘!

Hörbeispiele zu Koenix finden Sie unter folgendem Link: http://www.koenix-band.ch/index.php/medien/musik
geschrieben am 28.6.2012 von wallace@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Koenix
Narrenschiff

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