CD-Review: Ellende – Rückzug in die Innerlichkeit

ellende_rueckzug in die innerlichkeit

[Post Black Metal] – Eigenproduktion (2012)
Österreich
Philosophische Durchwanderung der Seele!

Es ist immer wieder interessant, wie sich der Black Metal im Laufe der Zeit in verschiedenste Richtungen weiterentwickelt hat. Wie ein Baum, der seine Zweige immer weiter und unkontrollierter emporstreckt. Auch wenn es einige nicht gerne hören, der B.M. hat sich wie keine andere Sparte von seinem Ursprung emanzipiert. Unberechenbar und nicht zu bändigen. So kommt es, dass immer mehr junge Musiker neue Wege im düstersten aller Genres bestreiten.

Dazu gehört ein Soloprojekt, welches gerade mal seit 2011 besteht und meines Wissens auch schon wieder keines mehr ist, sprich zu einen Duett angewachsen ist. „Ellende“ der Name und 2012 schon mit einer EP in Eigenproduktion auf dem Markt. Wohl vermerkt, dass hier das Rad nicht neu erfunden wurde, präsentiert sich Projektleader Lukas aus Graz sehr kreativ und eigenständig. Er gehört damit zur neuen Generation des B.M., die ich schon oben erwähnt habe. Platz ist für diese Nische trotz einer gewissen Trendansage immer noch. Was Bands wie Dornenreich oder Nocte Obducta vor rund 15 Jahren begonnen haben und Projekte wie Alexander Paul Blake heute weiterführen, strotzt nur so vor musikalischem Wissensdurst. Irgendwo zwischen den genannten Bands kann der Hörer Ellende hineininterpretieren.

Sehr überrascht bin ich auf „Rückzug in die Innerlichkeit“ von der enorm guten Soundqualität, die ein gewisses Niveau und vor allem die Wichtigkeit des Künstlers an seinem eigenen Projekt erkennen lässt. Nebenbei erwähnt, steht Lukas auch im Dienste der Band „Aphotic Excess“.

In der Regel tue ich mich sehr schwer, ein Urteil für viermal Liedgut abzugeben. Aber Lukas aus Graz macht es mir relativ einfach, nach rund 27 Minuten Spielzeit ein Fazit zu ziehen. Es wird hier nicht nur textlich von Innerlichkeiten gepredigt, sondern die Musik hat auch eine Tiefe, die die Hörerschaft berührt. Lyrics hin oder her, die Musik spielt die erste Geige. Und genau an dieser Stelle ein Kompliment an die Violinistin Anne, die mit ihren Violinen-Soli beeindruckt, sowie an Lukas mit der Akustikgitarre.

Technisch gibt es nicht viel zu meckern, das Timing der einzelnen Passagen passt, aber das ist noch lange nicht alles, um ein gutes Werk abzuliefern. Harmonie und Stimmung motivieren die Hörerschaft eher, um öfters zu ein und demselben Silberling zu greifen. Das ist Ellende mit der EP recht gut gelungen. Was mir aber noch abgeht, sind variablere Vocals. Nur Screams alleine kann ich mir auf einem Long Player nicht vorstellen. Hier würde phasenweiser Klargesang, ein Whispern oder einfach nur ein Stöhnen dem Gesang gut tun und dem Gesamtkonzept noch mehr Dramatik verleihen.

Was ich aber auf jeden Fall hören möchte, ist in Zukunft mehr Stoff von Ellende. Die Art von Musik kann ich mir sehr gut auf einer Spielzeit von 60-70 Minuten vorstellen, vorausgesetzt der Gesang wird variabler. Insgesamt steckt da noch viel Potenzial drinnen. Aber bereits „Rückzug in die Innerlichkeit“ mit seinen vier Stücken ist eine gute Empfehlung für alle, die auf extravaganten Black Metal stehen.

Hörbeispiele zu Ellende finden Sie unter folgendem Link: http://www.youtube.com/user/lukeassdelirium?feature=mhee
geschrieben am 31.7.2012 von erich@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 8 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Ellende
Eigenproduktion

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