CD-Review: Minas Morgul – Ära

minas morgul_aera

[Pagan Metal] – Black Skull Records (2012)
Deutschland
Wir werden uns beugen!

Über diese Formation aus dem Osten Deutschlands braucht man wohl nicht viele Worte verlieren, außer dass man in Brandenburg inzwischen etwas länger braucht eine neue Scheibe in Silber zu meißeln. Satte drei Jahre ließ man die Fans zappeln, ehe man sich ihrer nun erbarmte und mit „Ära“ das fünfte (eigene) Album präsentiert. Immerhin gibt es zum Ausgleich für das lange Warten satte 72 Minuten Pagan-Black-Metal vom Feinsten.

In den 15 Jahren seit ihrer Gründung haben Minas Morgul unzweifelhaft diese Sparte in Deutschland erheblich mitgeprägt und dabei einen eigenen Stil entwickelt. Und genau diese Linie wird auf „Ära“ fortgesetzt: Die Herrschaften aus Frankfurt/Oder machen – den Göttern sei Dank – da weiter, wo sie mit „Eisengott“ zuletzt aufgehört hatten. Andererseits wird manches Riff und der Sound dem Minas Morgul-Enthusiasten allerdings vertraut erscheinen

Aber natürlich ist die aktuelle Scheibe kein Vergleich zu „Schwertzeit oder „Todesschwadron Ost“. Denn auch wenn die unkonventionelle Härte und ebensolche Texte geblieben sind, so hat man sich über die Jahre konstant von dem rohen, ungeschliffenen Black Metal vergangener Tage entfernt, ist die schiere Raserei alter Zeit einer „zivilisierteren Wut“ gewichen, könnte man meinen, dass hier eine Brücke geschlagen wird zur sogenannten „Neuen deutschen Härte“. Ein neues Zeitalter für Minas Morgul?

Erwacht man aus dem verträumt-kitschigen Intro à la ‚Königreich der Himmel‘ und hat man den unsanften Stolperer hin zu ‚Winterherz‘ vollzogen, so taucht der Hörer sogleich ein in die Klangwelt von Minas Morgul. Eine Welt, die so unnachahmlich geprägt ist von stampfenden, fetten und unprätentiösen Gitarren. Gitarren, die dieses Album dominieren wie all seine Vorgänger. Und gemeinsam mit Ricos zum Niederknien authentischer, gnadenlos-heißer fies krächzender Stimme wird der unverkennbare Brandenburger Stil zusammengebraut, bis dem letzten Metal-Head der Schädel qualmt.

„Fein-Mechaniker“ darf man freilich nicht erwarten, dafür aber Leidenschaft pur… Leidenschaft, die mancherorts jedoch übertrieben wirkt: Ein wenig steril und (zu) dick aufgetragen, kommen bisweilen die Blastbeat-Attacken daher. Etwa bei ‚Leben‘ oder insbesondere bei ‚Stimme in mir‘ überspannt man den Bogen doch sehr. Bösartig könnte man auch von „Computer-Animationen“ sprechen, aber das wollen wir natürlich nicht unterstellen, sondern lediglich festhalten, dass diese Drums schlicht nicht zu den lebendigen, erdigen Liedwerken passen. Nachdem das Schlagwerk ansonsten untadelig und souverän den Takt vorprügelt, sind diese (wenigen) Momente umso unverständlicher, vor allem aber unnötig.

Und wenn wir hier schon am Kritisieren sind, dann wollen wir die Aufnahmequalität nicht unerwähnt lassen, die wir freilich nur im Mp3-Format beurteilen können. Denn gleichwohl der geniale Gesang akzeptabel abgemischt wurde und deswegen mit Spaß zu hören ist, so herrscht darüber hinaus ein etwas matschiger, dumpfer Klang vor. Vieles könnte noch weit aggressiver wirken, wenn man die einzelnen Instrumente klarer herausgearbeitet, den Klang feiner strukturiert hätte. Das brutale Potential von Minas Morgul und „Ära“ wirkt so nicht voll ausgeschöpft.

Mankos? Ja, aber keine Sorge, diese fallen nicht weiter ins Gewicht angesichts absoluter Kracher! Songs wie ‚Ego‘, ‚Ära‘ oder ‚Leben’… zum Zerreissen genial! Hymnen! Absolute MM-Referenzklasse jedenfalls und aufdrehen bis zum Anschlag ist angesagt. Entsprechend verwundert es nicht, dass „Ära“ förmlich nach den Bühnenbrettern schreit. Diese Scheibe muss live auf die Meute losgelassen werden und vermutlich werden dann noch ganz andere Dimensionen aufgetan.

Ein neues Zeitalter ist mit „Ära“ vielleicht nicht aufgeschlagen, aber ein geniales zweifellos genial abgerundet!

Hörbeispiele zu Minas Morgul finden Sie unter folgendem Link: http://www.facebook.com/MinasMorgul/app_178091127385
geschrieben am 13.8.2012 von karsten@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Minas Morgul
Black Skull Records

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