CD-Review: Thunderkraft – Totentanz

thunderkraft_totentanz

[Industrial Folk Death Metal] – Svarga Music (2012)
Ukraine
Industrial goes Metal!

In Kharkov, der zweitgrössten Stadt der Ukraine, haben sich im Jahr 2001 vier Musiker zusammengeschlossen und sich ganz dem experimentellen Metal verschrieben. Ihren Musikstil nennen die Ukrainer „Industrial Folk Death Metal“. In den Texten, welche in Ukrainisch, Russisch und Deutsch gesungen sind, werden unter anderem die Probleme der Menschheit mit der Vergangenheit und die Freiheit der Gedanken besungen, was vermutlich auch mit der Vergangenheit, der im zweiten Weltkrieg arg gebeutelten Heimatstadt des Quartetts zusammenhängt.

Unter der Leitung von Frontmann Master Alafern haben Thunderkraft nun, nach dem 2005 erschienenen Erstlingswerk „The Banner of Victory“, im Frühjahr 2012 ihre zweite Scheibe „Totentanz“ unter dem Label „Svarga Music“ auf den Markt gebracht. Da ich die Band vorher nicht kannte, war ich doch etwas skeptisch und wusste nicht recht, ob das Schreiben dieser Rezension nicht noch zur Qual werden könnte, da Industrial und Elektro-Sound so gar nicht meins sind und ich davor nach Möglichkeit rasch die Flucht ergreife.

Bereits beim ersten Song ‚A Time Will Come‘ (zum Glück ist neben den ukrainischen Titel mit kyrillischen Schriftzeichen jeweils noch die englische Übersetzung dabei. Mein Computer weigert sich nämlich konsequent, diese in diesen Text einzufügen) wurden meine Zweifel aber beiseite geräumt. Der Song beginnt mit Fanfare und Gitarre, später kommen noch Keyboard und Geige dazu. Das Stück ist abwechslungsreich gestaltet und Thunderkraft lassen auch immer wieder einige Folkelemente einfliessen, die von der osteuropäischen Volksmusik geprägt sind.

‚Totentanz‘, Titel Nummer drei und Namensgeber der Platte, könnte – zumindest am Anfang – genauso gut aus dem Drum n‘ Bass Sektor stammen und ist ein gelungener Mix aus computergenerierter Musik und hartem, schnellem Metal. Der Text, obwohl auf Deutsch gesungen, ist nicht immer wirklich verständlich, was aber auch ein Stück weit am Akzent des Sängers liegt.

Die Nummer vier mit dem Titel ‚Death Won’t Separate Us‘ ist eine wunderbare Metalballade. Sie beginnt wie ein Lied von Jean Michel Jarre mit Synthesizer und sphärischen Klängen. Nach und nach stimmen Schlagzeug, Geige und Gitarren mit ein. Sänger Master Alafern zeichnet mit seiner rauchigen Stimme und Sprechgesang ein düster-trauriges Bild, das bei gleichzeitigem Betrachten des CD Covers schon fast apokalyptische Züge annimmt. Dazu kommt ein Gitarrensolo, das an Carlos Santana und Deep Purple erinnert und von dem man gerne mehr hören würde.

Beim Song ‚The Future World‘ geht es dann wieder so richtig zur Sache. Bereits beim ersten Mal hören erinnerte mich die Grundmelodie stark an Panteras ‚Mouth for War‘. Gewürzt mit Synthesizer, Keyboard, harten Gitarrenriffs, Sprechgesang, Growls und einer markanten Bassline. Ob nun die Ähnlichkeit mit dem Pantera-Song Zufall ist oder nicht, fest steht, dass einen ‚The Future World‘ so richtig mitreisst, was auch am rasenden Tempo liegt, welches nach einer geschickt platzierten Verschnaufpause nochmals eine Stufe zulegt. Meiner Meinung nach das musikalisch und technisch beste Stück der Scheibe und mein absoluter Favorit!

Mein Fazit: Mit „Totentanz“ ist Thunderkraft ein interessantes und abwechslungsreiches Album gelungen, bei dem auch beim fünften und sechsten Mal hören keine Langeweile aufkommt, da man immer wieder neue Elemente entdeckt. Die Vermischung von klassischem Black und Death Metal mit Industrial-Sound und Folk Elementen gibt der Musik von Thunderkraft eine ganz eigene Note, welche man so bestimmt noch nicht oft gehört hat. Die Band hat sich auch im Vergleich zum Erstlingswerk in allen Bereichen enorm gesteigert.

An der Aufnahmequalität gibt es von meiner Seite absolut nichts zu mäkeln. Der Sound wurde sehr sauber abgemixt und die einzelnen Instrumente sind wirklich alle gut zu hören. Keines ist zu laut und keines zu leise. Sogar die Bassgitarre, die sonst oftmals etwas untergeht und hauptsächlich für den „Hintergrundlärm“ gebraucht wird, ist hier sehr oft deutlich zu hören. Somit bleibt noch zu hoffen, dass bis zum nächsten Album nicht wieder sieben Jahre vergehen.

Sollten die Ukrainer in der Zwischenzeit die Konzerthallen in Westeuropa erobern, wäre ein Konzertbesuch auf alle Fälle zu empfehlen.

Hörbeispiele zu Thunderkraft finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/thunderkraft
geschrieben am 2.9.2012 von nicole@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 14 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Thunderkraft
Svarga Music

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