Konzertbericht: Fimbul Festival 2012 mit Solstafir, Secrets of the moon, Negura Bunget, u.v.m.

Fimbul Festival 2012
Solstafir, Secrets of the moon, Gernotshagen, XIV Dark Centuries, Belenos, Vreid, Negura Bunget u. v. m.
Ort: Dettelbach (D)
Datum: 14. – 15.09.2012

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Einer der Höhepunkte: Der Gastauftritt von Aðalbjörn Tryggvason (Solstafir) bei Secrets of the moon

Freitag:

Erstmalig wurde das Fimbul Festival auf zwei Veranstaltungstage ausgedehnt. Zugleich wechselte der Veranstaltungsort von Fürth ins unterfränkische Dettelbach. Dettelbach? Da musste sich die helvetische Delegation zugegebenermassen einem ausgiebigen Landkartenstudium widmen, bevor die Fahrt am Freitag in der Früh losgehen konnte.

Pünktlich zum Auftakt der vierten Festivalausgabe – in der Zwischenzeit hatten sich auch die fränkische und österreichische Delegation eingefunden – begab man sich gemeinsam in die Frankenhalle, die für einmal für Metaller anstatt der üblichen Viehherden hergerichtet wurde. Wo normalerweise Viehschauen und –auktionen stattfinden, standen nun Bier-, Merchandising- und Essensstände.

Als Festivalopener fungierten die aus der Region Fürth stammenden FJOELNIR, welche folkmetal.at bereits im Vorfeld des Festivals mit einem Special vorgestellt hatte. Sichtlich nervös betrat das Sextett die Bühne, um dem noch ziemlich spärlichen anwesenden Publikum einzuheizen. Den ersten Takten folgte der sofortige Griff zum Gehörschutz, denn der Lautstärkenregler war definitiv am Anschlag – einer der lautesten Auftritte, welchem die helvetische Delegation jemals beigewohnt hat. Dies pendelte sich jedoch im Laufe des Tages auf immer noch lautem, aber auch ohne Schutz erträglichem Niveau ein. Die anfängliche Nervosität FJOELNIRs legte sich im Verlaufe des Gigs, so dass das Festival mit einem gelungenen Auftritt eröffnet wurde.

Musikalisch in eine ähnliche Kerbe schlugen STRYDEGOR aus Mecklenburg-Vorpommern. Die vier jungen Recken verwöhnten das Publikum mit einem halbstündigen Set bestehend aus solidestem Viking Metal. Es folgte der Gig von Flammensturm, welche deutlich schwärzere Kost als die vorangegangenen Bands darboten. Der Höhepunkt ihres Auftritts war nebst „Wotan“ der Song „Ostarrichi“, eine Ode an ihre Heimat Österreich.

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Flammensturm

Die Schwarzwälder FINSTERFORST präsentierten im Anschluss ihre Mischung aus epischen Elementen und Humppa-Metal. Gespielt wurde auch ein brandneuer Song namens „Nichts als Asche“ vom voraussichtlich im November erscheinenden Album „Rastlos“. In der Zwischenzeit verdichteten sich die Reihen vor der Bühne, was Sänger Oliver beim Partykracher „Försterhochzeit“ zu einem Ausflug ins Publikum animierte, woraufhin der „Refrain“ von verschiedensten Fans zum Besten gegeben werden durfte. In Erinnerung bleiben ein gelungener Gig und die Erkenntnis, dass Akkordeonist und Backgroundsänger Johannes Joseph mit einer überdurchschnittlich guten Singstimme gesegnet ist.

Gleiche Herkunft, anderer Stil: es folgten UNLIGHT, welche die Meute mit einer abwechslungsreichen Mischung aus räudigem Black Metal gewürzt mit einer Prise Thrash in Bewegung versetzten. Obwohl Frontschreihals Blaspherion monierte, es sei weder ihre Tages- noch ihre Jahreszeit, legte das Quartett einen guten Auftritt aufs Parkett.

Industrialklänge bilden bei einem Festival wie dem Fimbul eher die Ausnahme, doch genau solche bauen SINTECH immer wieder in ihr Verständnis von (Black-)Metal ein. Die Tatsache, dass bei SINTECH zwei Varg-Mitglieder mit von der Partie sind, führte dazu, dass die Wölfe in Komplettbesetzung am Fimbul vertreten waren. Am Beispiel von SINTECH/Varg sei erwähnt, dass die Bands Fannähe bewiesen und wiederholt im Publikum anzutreffen und immer auch für ein kurzes Gespräch bereit waren.

Die Umbauzeiten zwischen den Gigs wurden vom Veranstalter mit 15 resp. 20 Minuten ziemlich sportlich angesetzt. Leider führte dies im Falle von ODROERIR zu einigen Verzögerungen, da die Geige partout nicht auf den Verstärker zu bringen war. Dadurch verkürzte sich leider die Auftrittszeit der Thüringer Folkmetaller erheblich. Nichtsdestotrotz nutzten Fix und seine Mitstreiter die ihnen verbliebene Zeit optimal, um dem Publikum Songs wie „Zwergenschmiede“ und „Zur Taverne“ zu präsentieren.

Die Thüringische Übermacht des Abends wie auch Verzögerungen aufgrund technischer Probleme blieben im Anschluss beim Auftritt von XIV DARK CENTURIES erhalten. Thüringen zum Dritten: es folgten GERNOTSHAGEN, die nebst ihrem Auftritt auch als Mitorganisatoren des Festivals fungierten.

Letztlich machte sich die lange Anfahrtsreise immer deutlicher bemerkbar, weshalb die Verfasser dieser Zeilen nach dem Auftritt von GERNOTSHAGEN den ersten Tag mit dem Rückzug ins Hotel beschlossen. Die Gigs der vierten Thüringer Band des Abends EISREGEN sowie der Bathory Tribute Band BLOOD FIRE DEATH fanden ohne die beiden Schreiberlinge statt.

Samstag:

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Negura Bunget

Zur Mittagszeit eröffneten die Black Metaller RAVENPATH aus Zwickau den zweiten Festivaltag. Erstmals ertönten dabei auch symphonische Klänge an diesem Festival. Was folgte war eine der Überraschungen des Wochenendes: WRAITHCULT. Wobei, was heisst hier Überraschung? Die Tatsache, dass die Ludwig-Zwillinge (Thulcandra, ex Helfahrt) die Köpfe dieser bajuwarischen Schwarzmetall-Truppe sind, liess bereits im Vorfeld einiges erhoffen. Das Quartett vermochte mit melodischem Black Metal und wiederholten Black’n’Roll Einsprengseln zu überzeugen. Einziger Wermutstropfen war der sehr frühe Slot mit dementsprechend kurzer Spielzeit vor einem erst spärlich anwesenden Publikum. Diese Band gilt es definitiv im Auge zu behalten!

Es folgten NOTHGARD, ebenfalls aus Bayern, um den Wolfchant-Gitarristen Dom. Von selbiger Band hat man sich mit Skaahl als dritten Gitarristen unlängst Verstärkung ins Boot geholt. Das Quintett bot während einer halben Stunde schmissigen Pagan-Metal und lockte damit etwas mehr Publikum vor die Bühne. Musikalisch in eine ähnliche, wenn auch etwas schwärzere Kerbe schlugen daraufhin AHNENGRAB um den Riger-Gitarristen Christoph.

Eine Premiere auf deutschem Boden stellte der Auftritt der bretonischen Celtic-Black-Metaller von BELENOS dar. Das Quartett reiste für diesen Gig eigens mit dem Auto aus dem 1’300 km entfernten Westfrankreich an! Die eher depressiv ausgerichteten HERETOIR mussten danach einer Essenspause weichen und wurden somit lediglich aus der Ferne wahrgenommen. Es folgte der Auftritt von SEAR BLISS. Das Merkmal der Ungaren besteht primär darin, dass sie immer wieder eine Posaune in ihren Black Metal einbauen. Diese war erstaunlicherweise ausserhalb der Halle besser hörbar als vor der Bühne.

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Ahnengrab

Ein weiteres Highlight stellte der Gig der Rumänen NEGURA BUNGET dar. Am Paganfest noch eher kritisch beäugt, überzeugten die Transsylvanier mit einer Darbietung, in welcher zahlreiche Ethno-Instrumente wie Panflöte, Tulnic (eine Art kleines Alphorn) und ein Schlagbrett zum Einsatz kamen. Ganz offensichtlich muss man mehrere Gigs von Negura Bunget besuchen, um deren komplexe Songs erfassen zu können.

Der nächste Höhepunkt folgte sogleich: VREID aus Norwegen beehrten das Fimbul Festival im Rahmen ihrer „Fire walk with me“-Europatournee. Die Band, welche sich aus ehemaligen Windir-Mitgliedern zusammensetzt, legte einen beherzten Auftritt aufs Parkett, bei welchem der Funke erstmalig an diesem zweiten Festivaltag so richtig aufs Publikum übersprang. Gespielt wurden Bandklassiker wie „Milorg“, „Blücher“ und zum krönenden Abschluss „Pitch Black Brigade“. VREID werkeln derzeit an ihrem sechsten Album, wovon es als Appetizer einen brandneuen Song namens „The Devil’s End“ zu hören gab. GRAVEWORM aus dem Südtirol passten unseres Erachtens nicht so ganz ins Festivalbilling und wurden zugunsten eines ausgiebigen Besuches des Metalmarktes ausgelassen.

Mit Spannung erwartet wurde der Auftritt der Black Metaller SECRETS OF THE MOON, wobei ihr starkes Album Seven Bells wesentlich zur Vorfreude beitrug. Trotz engagiertem Auftritt der Protagonisten vermochten sich die komplexen Songs live nicht vollständig zu entfalten. Des Weiteren wurde das Hörerlebnis durch wiederholte Rückkopplungen etwas getrübt. Höhepunkt des Gigs war der kurze Gastauftritt von SOLSTAFIR Sänger Aðalbjörn Tryggvason.

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Negura Bunget

Mit einiger Verspätung betrat schliesslich der Festival-Headliner SOLSTAFIR die Bretter. Trotz später Stunde versammelte sich eine ansehnliche Menge vor der Bühne, welche für ihr Ausharren voll und ganz belohnt wurde. Die Isländer präsentierten in erster Linie Songs ihres aktuellen Albums „Svartir Sandar“ inklusive dem Übersong „Fjara“. Die düster-rockige Stimmung zog das Publikum vom ersten Moment an in seinen Bann und schloss das Festival mehr als würdig ab.

Rückblickend lässt sich sagen, dass das Fimbul Festival erstklassig organisiert war. Die zahlreichen Helfer steckten enorm viel Herzblut in die Organisation und man fühlte sich als Besucher jederzeit herzlich Willkommen. Besonders hervorzuheben sind dabei die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, welche dadurch auffielen, dass man sie kaum wahrnahm.

Das kleine aber feine Gelände bot neben einem Indoor-Metalmarkt auch einen Outdoor-Bereich, welcher mit Essensständen, einer Bierschenke und reichlich Festbänken ausgestattet war. Für viel Erheiterung und noch mehr Verwirrung sorgte das Getränkekarten-System, bei der sich Festivalbesucher und Ausschankpersonal Rechenduelle auf höchstem Niveau lieferten und dabei fleissig Becher, Plastikchips und Wertkartenpunkte addierten, subtrahierten, abstrichen, ausgaben und zurücknahmen.

Sehr löblich ist die Tatsache, dass im Vorfeld Autogrammstunden mit sämtlichen Künstlern organisiert wurden. Leider wartete man zeitweise vergeblich auf das Erscheinen der gewünschten Band, da insbesondere am zweiten Tag ein ziemliches Chaos im Zeitplan zu herrschen schien.

Die Frankenhalle zu Dettelbach hat ihre Feuertaufe als neue Location bestanden. Trotz eher kleiner Bühne ist sie absolut festivaltauglich und der Mix von Konzert- und Markthalle sowie Outdoorgelände wusste zu überzeugen. Einziger Negativpunkt sind die grossen Oberlichter in der Konzerthalle, weshalb es nachmittags fast schon taghell wurde, wodurch die Scheinwerfer in Bedeutungslosigkeit versanken. Erstaunlich war die Tatsache, dass relativ wenige Festivalbesucher den Weg nach Dettelbach fanden. Ob dies nun an wiederholten Absagen/Nichtbestätigungen geplanter Headliner (Einherjer, Thyrfing) oder an der Tatsache, dass Fürth doch sehr viel zentraler als das eher provinzielle Dettelbach gelegen ist, lag, kann nicht abschliessend beurteilt werden. Zu hoffen bleibt, dass die Organisatoren trotz dieser Tatsache eine positive Festivalbilanz ziehen können, so dass die sich in vollem Gange befindende Planung für die angekündigte fünfte Auflage im 2013 (13. + 14.09.), fortgesetzt werden kann.

Heimdalls Tochter & Wallace – 16. September 2012

2 Antworten zu “Konzertbericht: Fimbul Festival 2012 mit Solstafir, Secrets of the moon, Negura Bunget, u.v.m.

  1. Servus Sprengie

    Ja, ja die liebe Genre-Zuordnung 🙂 Andererseits geben die Jungs auf ihrer Myspace-Site selbst als Genre u. a. Black Metal an. Und die Metal-Archives listen sie auch unter „Symphonic Black Metal“. So falsch kann es als gar nicht sein… Natürlich handelt es sich bei Ravenpath nicht um eine Black Metal Band im eigentlichen Sinne. Aber erstens sind entsprechde Einflüsse durchaus vorhanden und zweitens macht es keinen Sinn mit einer Genrebezeichnung eine ganze A4 Seite zu füllen. Cheers

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