Konzertbericht: Rekwi Festival 2012 mit Equilibrium, Kampfar, Helrunar, Obscurity, u.v.m.

Rekwi Festival 2012 – Equilibrium, Belphegor, Kampfar, Helrunar, Obscurity, Justice, Nothgard, Contaminant, Senicide, u.v.m.
Ort: Hof (D)
Datum: 20.10.2012

Belphegor 2
Belphegor

Schlappe vier Jahre hatte es gedauert, ehe das Rekwi wieder an seinen angestammten Platz zurückkehren konnte. Vier Jahre, in denen eine Menge passiert ist, denn mit der neuen Freiheitshalle haben sich die Hofer mächtig ins Zeug gelegt, um dem größten Metal-Festival der Region einen würdigen Rahmen zu bieten.

Und mit der neuen alten Location hatten die „Rekwianer“ in vielerlei Hinsicht einen Glücksgriff gemacht: Die neue Halle überzeugte nicht nur durch Großzügigkeit und (zumindest anfangs) Sauberkeit, sondern auch durch gute Klangverhältnisse.

Zu dem gelungenen Rahmen trugen neben den übersichtlichen Preisen (z.B. Bier/Softdrinks 0,4l für € 2,50 oder ein Paar Wiener im Brötchen € 2,50), auch die ausreichenden (kostenlosen) Parkmöglichkeiten unmittelbar vor der Halle oder ein Metal- und Merchandise-Bereich bei. Wobei letzterer etwas „textillastig“ war und die Auswahl an CDs oder Vinyl größer hätte sein können. Warum im Saal noch ausreichend Platz und die Veranstaltung offensichtlich nicht ausverkauft war, darüber kann man nun rätseln. Vielleicht lag es an dem ungewöhnlich warmen Samstagnachmittag, der den einen oder anderen Kurzentschlossenen doch noch abhielt, vielleicht auch an den vergleichsweise hohen Eintrittspreisen (€ 40,- an der Abendkasse). An der Bandauswahl kann es jedenfalls nicht gelegen haben, die war abwechslungsreich und wahrlich nicht abgedroschen (wie bei manch anderer Veranstaltung im Pagan-Metal Bereich). Entsprechend konnten sich diejenigen Metalheads, die dem Ruf der Finsternis aber gefolgt waren, über einen äußerst kurzweiligen Nachmittag/Abend freuen.

Kampfar
Kampfar

Den Auftakt machten die Lokalmatadoren von Senicide, eine Death Metal Formation aus Hof. Trotz lokalem Bezug lockten sie aber nur eine überschaubare Zuschauerzahl vor die Bühne. Schade eigentlich, denn die Jungs um Frontsau Sascha Meyer legten sich nicht nur mächtig ins Zeug, sondern spielten einen sauberen und technisch feinen Gig. Gleiches kann man von den darauf folgenden Contaminant sagen, die – ganz in weiß gekleidet – auch noch optisch aus dem metallisch-üblichen Rahmen fielen. Vielleicht war dies der Grund, weswegen die allmählich hereinströmenden Besucher auf die Melodic Death Metaller etwas zurückhaltend reagierten. Jedenfalls kam erstmals mit Nothgard Stimmung auf. Mit den Niederbayern füllte sich die Halle und so fanden die Mannen um den Wolfchant-Gitarristen Dom im Grunde ganz akzeptable Bedingungen für ihre inzwischen sehr professionelle Show vor. Beste Voraussetzungen also für einen feinen Auftritt, zumal die technischen Qualitäten – gerade im Bezug auf die Gitarren – wirklich sehr ansprechend sind. Das Manko von Nothgard liegt jedoch bei ihrem Songrepertoir. Das dürfte, gerade im Hinblick auf ihre nun über dreijährige Bandgeschichte, ein wenig größer sein.

Gleichwohl Nothgard die Messlatte wieder ein Stückchen höher gelegt hatten, gelang es Justice, hier noch deutlich eins draufzusatteln. Dabei ist das „draufsatteln“ durchaus wörtlich zu nehmen, denn zu den Klängen von „Bonanza“ kamen die Recken förmlich auf die Bühne geritten. Für den Rezensenten jedenfalls waren sie einer der Höhepunkte des Festivals, was vor allem daran liegen mag, dass man hier den etwas thrashigeren Tönen huldigt. Doch auch die Bühnenpräsenz war erste Sahne, was nicht unbedingt überrascht, bei einer Formation mit über 20 Jahren Erfahrung im Nacken und einer ganzen Reihe von (inzwischen ausgeschiedenen) bekannteren Musikern, die man hervorbrachte. Aber selbst solche Urviecher können mal einen Durchhänger haben, was man für den Auftritt beim Rekwi wahrlich nicht behaupten kann. Justice … wir werden uns wiedersehen!

Wo Justice aufgehört hatten, machten Obscurity dann auch weiter. Als Teil der Devilish Triumph Tour 2012 (mit Helrunar und Kampfar) boten sie kurzum fetten Sound, fette Songs und eine fette Show. Und das kam naturgemäß beim nun zahlreich versammelten Publikum gut an. Mit im Gepäck hatten die Jungs, wie schon vermutet ihr nigelnagelneues Album „Obscurity“, das einen beträchtlichen Teil der Setlist ausmachte. Und nachdem mit diversen Ausflügen ins Publikum auch noch ausreichend Publikumsnähe geboten wurde, blieb es Obscurity vorbehalten, die erste Zugabe des Abends zu spielen: Fimbulwinter.

Setlist Obscurity: Intro – Varusschlacht – Keldagau – Strandhogg – Weltenbrand – Wer Wind sät – Obscurity – Nach Asgard wir reiten – Bergischer Hammer – Fimbulwinter

Mit Helrunar ward erst einmal Schluss mit dem „Abfeier-Metal“, was nicht störte, denn ein bisschen Abwechslung kann nicht schaden. Dies umso mehr, als die anspruchsvollen Liedwerke mit ihrer psychedelisch schwarzen Grundstimmung ein echter Hingucker/-hörer sind. Dass die Stimmung bei solchen Bands eher gedämpft und weniger euphorisch ist, versteht sich von selbst. Helrunar konnten jedenfalls mit auf das größte Publikum des Festivals verweisen und das spricht Bände. Und so boten die Herrschaften aus Münster ihren zahlreichen Fans aus ihrem reichen Fundus ein wirklich schönes, buntes Potpourri ihrer bisherigen Alben.

Obscurity
Obscurity

Setlist Helrunar: Kollapsar – Unten und im Norden – Unter dem Gletscher – Nebelspinne – Ich bin die Leere – Älter als das Kreuz – Glámr

Zum Abschluss besagter Devilish Triumph Tour enterten letztlich die Norweger Kampfar die Bretter um mit ihrem schwarzen Pagan-Metal die versammelten Gehörgänge ordentlich durchzupusten. Doch trotz vollem Einsatz, der letzte Funke schien nicht überzuspringen. Oder musste sich die Meute nur ausruhen vor den beiden letzten Nummern? Zum Top Act des Festivals wurden Kampfar nicht, unterm Strich verblieb nur (oder immerhin) eine solide Leistung.

Setlist Kampfar: Mare – Inferno – Troll dod og trolldom – Norse – Hymne – Lyktemenn – Til siste mann – Huldreland – Vettekult – Altergang – Ravenheart

Was folget war d e r Top Act des Festivals: Belphegor. Und die schwarzen Death-Metaller hielten schon rein optisch, was sich jeder versprach. Jeder Metzgermeister hätte seine diabolische Freude an den abgenagten Ziegenschädeln, genagelten Schweinsköpfen und Knochenteilen gehabt, die man kunstvoll um die Mikroständer arrangiert hatte. Bestialisch, brachial und brutal fegten die Herren um Hellmuth über die Bühne, so dass die Freiheitshalle in ihren Grundfesten erzitterte. Nur leider hatte man den Beleuchter vergessen… oder waren das da am Mikroständer seine traurigen Überreste? Jedenfalls kämpften sich die Österreicher durchs Dunkel, während die Fotografen am Bühnenrand suchend in die Finsternis starrten. Sollte auf diese Weise den Protagonisten auf der Bühne verheimlicht werden, dass die Metal-Meute doch eher etwas ausgedünnt zu ihren Füßen abfeierte? Nein, im Ernst, die düster-dunkle Show passte natürlich ausgezeichnet zu den Klängen aus Salzburg, aber man musste sich schon sehr wundern, warum nun die Reihen so gelichtet waren. Hatte man sich noch vor dem Festival aller Orten ehrfurchtsvoll zugeraunt: Belphegor kommen! Nun waren sie da, aber nicht die Zuhörer! Verrückte Metal-Welt! Dabei konnte es auch nicht daran liegen, dass alle Minderjährigen nach Hause geschickt wurden. Zum einen gab es von Anfang an nicht allzu viele in diesem Alter, zum anderen war es gerade erst kurz nach 22.00 Uhr. Von derlei Rätseln ließ sich der verbliebene Rest aber nicht stören und mit einem wahrlich leckeren Querschnitt aus dem reichen (Song-)Fundus, konnten all die Wünsche der Fans meisterhaft erfüllt werden, zumal bei einem guten, differenzierten Sound.

Setlist Belphegor: Intro, Feast upon the dead – In blood, Devour this sanctity – Angeli mortis de profundis – Belphegor hell´s ambassador – Upon the tongue of satan – Necrodaemon terrorsathan -Pest and terror – Lucifer incestus – Justine soaked in blood – Rise to fall and fall to rise – Bondage goat zombie

Equilibrium
Equilibrium

Und so neigte sich der Abend allmählich dem Ende zu, als – nach geschlagener Belphegor-Schlacht – so ziemlich dessen Gegenteil angesagt war, der Headliner: Equilibrium. „Alle Mädels vor!“ hieß es also zum Schluss und die ließen sich nicht lumpen und kamen und kreischten in Massen. Um ehrlich zu sein, ich selbst hatte mich seit jenem fragwürdigen Album „Sagas“ von den Südbayern abgewandt und die weitere Entwicklung nicht mehr verfolgt. Letztmals hatte ich sie 2008 auf der Heidenfest-Tour gesehen, als sie ohne Drummer, aber mit Drum-Computer antraten (zum Grausen aller Metal-Fans). Doch diese Zeiten waren passé und Equilibrium 2012 waren zugegebenermaßen erfrischend sympathisch und ein bisschen härter als gedacht. Klar, die vielen kitschig-melodischen Passagen fehlten nicht, aber man konnte es durchaus noch als Metal identifizieren. Wirklich exorbitant spielfreudig vermittelten die Münchner dem Publikum jedenfalls, dass nicht nur die Zuhörer Spaß an der Show hatten, sondern auch die Musiker selbst. Wirklich selten, dass man Musiker mit so viel Spaß auf der Bühne sieht, zumal die Schar zu ihren Füßen doch auch hier eher übersichtlich war. Der Publikums-Kontakt war jedenfalls vorbildlich, die Stimmung allseits überschwänglich und die bisweilen viel zu fett aufgetragene „political correctness“ störte niemanden. Harmonie pur! Warum soll man da noch ein kritisches Wort verlieren? Und man muss ja nicht selbst alles mitgröhlen können oder wollen.

So waren Equilibrium ein würdiger Headliner und zugleich ein spaßiger, fetziger Abschluss eines rundum gelungenen Festivals, das wirklich nur positive Eindrücke hinterließ. Neben der souveränen und höflichen Security, dem schnellen Service an den Getränkeausgaben, den friedlichen und fröhlichen Festivalbesuchern gilt es abschließend nochmals die gelungene Organisation hervorzuheben. Das war einfach perfekt! Danke!

Und so strahlte die Freiheitshalle zum Ausklang in schönstem Rekwi-blau. Rekwi – ein Festival, das man sich nicht entgehen lassen darf!

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Karsten
karsten@folkmetal.at

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