Interview: Garden of Grief (März 2011-Folkmetal.at-Archiv)

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Die eisige Kälte die Europa seit Monaten überzieht passt so richtig ins Konzept unseres aktuellen Interviewpartners. Nicht alleine weil er aus dem Land der Alpen kommt, sondern seine Musik eine schaurige Kälte versprüht, die den Black Metaller von Heute nicht nur wegen der Minusgrade das Blut in den Adern gefrieren lässt. Karsten von Folkmetal.at war von der eisigen Kälte so gefangen, dass er ein Interview in Überlänge mit „Boronian“ alias „Garden of Grief“ verfasst hat oder besser gesagt sich so eine intensive Gesprächsbasis ergeben hat, die wir euch keinesfalls vorenthalten möchten. Ob „Rezensionen und ihre Sinnhaftigkeit“, „Die Existenzfrage des Black Metals“ oder natürlich das neue Werk „Denied Sanctuary X“. So mussten wir aufgrund der Redseeligkeit das erste mal den Text verkleinern. Also setzt eure Brillen auf oder vergrössert die Schrift in eurem Browser. Es zahlt sich auf jeden Fall aus!

Folkmetal.at: Hallo Boronian! Zunächst ´mal vielen Dank für die Möglichkeit Deine letzte Veröffentlichung anhören und bewerten zu dürfen.

Boronian: Hallo! Danke auch dass du dich damit beschäftigt hast…Die Veröffentlichung verzögert sich ja leider schon erheblich weil die Entstehung des Covers schon einen längeren Leidensweg hinter sich hat.

Folkmetal.at: Nun liegt aber das Cover vor und wir durften es bereits veröffentlichen. Ein Cover, das so mancher „Pagan-Kapelle“ alle Ehren machen könnte. Hast Du dem Künstler entsprechende Vorgaben gemacht oder wurdest Du selbst hiervon „überrascht“?

Boronian: Das Cover war sehr genau vorgegeben, auch mit ein Grund warum es so lange gedauert hat bis zu Fertigstellung, da es Missverständnisse in der Ausführung gab und das ganze sicher 2 oder 3 mal überarbeitet worden ist bis zur endgültigen Version.

Folkmetal.at: Das Cover lässt einen gewissen Bezug des Albums zu „vergangenen Tagen“ vermuten. Eine Vermutung mit wahrem Kern oder nur hineininterpretiert?

Boronian: Da liegst du leider völlig falsch. Das Cover hat bloß symbolischen Charakter. Einiges ist offensichtlicher, anderes offenbart sich erst bei näherer Betrachtung. Das Cover ist zum einen mit Anspielungen auf das Album gespickt und zum anderen sind durch die Gestaltung des Künstlers zusätzliche Interpretationsmöglichkeiten hinzugekommen, die vordergründig gar nicht beabsichtig waren, aber dennoch bezogen auf das Werk Sinn machen würden.

Folkmetal.at: Die Rezension zu „Denied Sanctuary X“ steht auf Folkmetal.at online und wir denken, Du hast sie inzwischen durchgesehen. Bist Du damit zufrieden? Wenn nein, was würdest Du an der Kritik kritisieren?

Boronian: Ja, habe ich schon gelesen, das ist keine kurze Abhandlung Song für Song und in ein paar Absätzen erledigt, wie man sie sonst oft sieht. Das gefällt mir, dass das Review nicht so standardmäßig verfasst wurde. Nachdem ja nicht nur ein Magazin über ein Album schreibt sieht man schon wie unterschiedlich jeder dasselbe Werk auffasst, zu denselben Beobachtungen zum Teil konträre Ansichten. Um auf das Review Bezug zu nehmen: Die Intention hinter der Struktur des Albums ist etwas verloren gegangen kommt mir vor. Auf meinem ersten Album gab es bereits zwei Songs mit dem Untertitel „Denied Sanctuary“ part I und part II. Diese beiden Songs sind auch am Album, neu aufgenommen, mit Track 2 und 3 vertreten. Track 5 und 6 bilden den Zweiten Teil des Albums, der zuvor noch nicht aufgenommen worden war, aber bereits älter ist als der erste Teil des Albums. Anfang und Ende der beiden Teile bildet jeweils ein Ambient stück, das auch erst gar nicht den Eindruck erwecken soll, es möchte zu den Black Metal Songs dazugehören. Es soll den Hörer vor und nach den Black Metal Teilen wieder herausholen. Die Ambient Tracks sind so angeordnet, dass das Arrangement immer dichter wird bzw. der Sound weniger klar definiert ist – vom klaren Klavierstück in dem die Töne oft einfach nur Verhallen über den etwas dichteren Synth Track bis hin zum Instrumental Song am Ende mit roheren Gitarren als am Rest des Albums. Eine Wertung nach Punkten ist auch immer so ne Sache…oft liest sich das Review recht mittelmäßig und anhand der Punktewertung kommt man dann zu dem Schluss, dass der Autor offensichtlich doch mehr davon begeistert war, als der Text vermuten ließe. Andererseits gibt es aber auch Reviews, die sich sehr positiv lesen und am Ende fragt man sich dann, wie es denn nun zu einer vergleichsweise schlechten Wertung nach Punkten gekommen ist. Da blickt man nicht immer durch wonach da beurteilt wird…

Folkmetal.at: Das heißt, das wir mit unserer Punktezahl „zu hoch“ im Bezug zum Text liegen oder „zu niedrig“?

Boronian: Also ich habe schon für weniger positive Texte bessere Punktwertungen gesehen. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich die Grundlage für eure zweiteilige Punktebewertung bei anderen Rezensionen auch schon nicht verstanden habe. Also was da genau gemeint ist, das war mir nicht klar, aber der Text ist ohnehin wichtiger als eine Punktvergabe, da ist schließlich das Werk beschrieben.

Folkmetal.at: Ist eine „Benotung“ mit einem Punktesystem aus Deiner Sicht denn sinnvoll?

Boronian: Es täuscht eine Objektivität vor, die nicht gegeben ist. Ein Text gibt mehr Raum um zu differenzieren. Soll man alles zu einer Zahl zusammenfassen, so kommt letztendlich jeder im Text angesprochene Aspekt der Musik nur als Teil eines Durchschnitts zur Geltung. Sinnvoll ist das sicherlich nicht, aber das ist bei Schulnoten genau das gleiche: über nen Einser freut sich dann doch jeder. Für den Leser jedoch wird ein Vergleich zwischen Bands hergestellt, wo im Grunde in den meisten Fällen ein Vergleich aber völlig unnötig und unmöglich ist.

Folkmetal.at: Was denkst Du allgemein über die Rezensionen Deiner Musik?

Boronian: Ich finde es interessant zu lesen, was andere Leute zum Teil glauben in der Musik zu erkennen, bzw wie es jemand interpretiert, der das ganze einfach nur hört. Man schreibt ja nicht zu jedem Album eine Entstehungsgeschichte und das Konzept dahinter auf und reicht es jedem Hörer zum durchlesen. Lyrics werden meistens nur vereinzelt abgedruckt, von daher habe ich es bisher immer gut vermieden, dass versucht wird den Inhalt in einer Kritik anzuschneiden. Das wäre zwar amüsant, wenn Vermutungen über die Hintergründe angestellt würden, aber für Leser von Reviews einfach völlig unsinnig, denn wen es interessiert, der kann sich gerne selbst damit beschäftigen und sich seine eigenen Gedanken dazu machen, da ist eine „Vorbelastung“ durch eine Interpretation eines anderen Hörers bloß hinderlich.

Folkmetal.at: Es gibt Bands (z.B. Primordial, Minas Morgul etc.), die beschreiben zum Teil sehr detailliert in ihrem Booklet bzw. auf ihrer Homepage, was sie mit dem jeweiligen Song ausdrücken wollen. Sie nehmen zwar dem Hörer/Leser damit die Chance der (Eigen-) Interpretation, bewahren sich selbst aber vor Fehldeutungen und können etwaige Botschaften klar definieren. Warum machst Du hiervon keinen Gebrauch?

Boronian: Vielleicht mitunter deswegen, weil ich eben genau jenen Fehldeutungen Raum geben möchte. Das Konzept, das hinter einem Großteil der Songs steht, wird sich mit kommenden Veröffentlichungen zum Teil auch selbst erklären, daher wäre es falsch, jetzt Erklärungen oder Interpretationen vorweg zu nehmen. Ich will aber auch in Zukunft keinem Hörer eine Botschaft plump ins Gesicht werfen, denn selbst wenn vordergründig der Inhalt klar zu sein scheint, kann sich doch jeder für sich selbst überlegen, ob das tatsächlich die eigentliche Aussage darstellt.

Folkmetal.at: Lässt Deine Musik sich überhaupt bewerten und was macht für Dich eine gute Rezension aus?

Boronian: Ich würde sagen, dass eine gute Rezension so gut wie möglich darstellen sollte, was rein subjektives Gefallen des Autors ist und was hingegen objektive Beschreibung ist. Klar kann man meine Musik bewerten, das passiert ja auch in Reviews…allerdings ist eine Bewertung letztendlich immer subjektiv. Objektiv kann im Grunde nur eine Beschreibung der Musik sein. Ob man die beschriebenen Punkte positiv oder negativ sieht, da können die Meinungen sehr weit auseinander gehen, zB kann das Faktum „roher Sound“ für manche Hörer sehr positiv sein, andere wollen das überhaupt nicht, oder die Art der Vocals – eine Beschreibung ist hilfreich, eine subjektive Wertung davon legitim, aber beides zu vermischen und die Wertung als objektive Beschreibung darzustellen, sollte meiner Meinung nach nicht passieren.

Garden of Grief Album 2011 – Denied Sanctuary X

Folkmetal.at: „Handwerklich“ wird man bei GoG kaum Schwächen finden können, aber eine Rezension setzt sich ja auch mit der Komposition auseinander und damit werden immer auch Deine persönlichen Gedanken bewertet. Kann man aus Deiner Sicht, überhaupt eine Rezension für die „Allgemeinheit“ schreiben? Oder sind Rezensionen – aus Künstler-Sicht – immer „schief“ und einseitig individuell?

Boronian: Dass es keine technischen Mängel gäbe, halte ich für ein Gerücht. Ich gebe mich da keinen Illusionen hin, dass ich nach knappen 2 Jahren auf der Gitarre alles sauber spielen könnte. Tatsächlich sind schon einige Fehler in den Songs noch drin, die ich einfach auch nach mehreren Versuchen nicht auszubessern vermochte. Eine Rezension sollte aber eigentlich weniger handwerkliche Fehler aufdecken – denn die kennt man selbst ohnehin am besten – sondern einfach darstellen, wie das Album gewirkt hat beim Hören. Da ist es doch dann völlig egal ob das positiv oder negativ dargestellt wird, solange man als Leser das Gefühl hat, dass der geschilderte Eindruck tatsächlich beim Hören so entstanden ist. Ich habe selbst schon öfters nach extrem enthusiastisch schlecht bewerteten Alben mir jene angehört und bin persönlich aber voll fasziniert vom selben Werk gewesen.

Folkmetal.at: Das klingt jetzt ein bisschen danach, dass die Rezension für den /die Musiker zu schreiben ist. Eigentlich sollte sie ja Dritten, u.a. potentiellen Interessenten, eine Richtschnur sein, was für diesen interessant sein sollte bzw. könnte. Technische Mängel – die wir im Übrigen in größerem Maße bei Deiner neuen CD nicht erkennen können oder wollen – würden so einen Dritten vielleicht doch interessieren, während persönliche Stimmungen bei einem Rezensenten, den man als Dritter nicht weiter kennt, einem selbst nicht weiterhelfen. Ein Dilemma, das die Bewertung von Kunst immer mit sich bringt? Oder anders gefragt: Lässt sich Deine Musik überhaupt bewerten? Oder kann man sie „nur“ beschreiben?

Boronian: Wie bereits erwähnt, kann man natürlich bewerten…allerdings meiner Ansicht nach bloß die emotionale Wirkung. Wenn ich technische Aspekte darstelle, dann bin ich wieder im Bereich des Beschreibens und nicht mehr bei einer Bewertung. Allein die Aussage „Der Sound ist schlecht“ oder „Der Gesang ist dominant“, kann positiv oder negativ oder neutral sein, je nachdem wie diese Tatsache auf den jeweiligen Hörer wirkt. Wenn mir jemand eine subjektive Bewertung als objektive Beschreibung verkaufen will, dann habe ich dafür kein Verständnis, egal ob bei meiner eigenen Musik oder bei der von einer anderen Band. Ich lese aber gerne Reviews bei denen man merkt welche Emotionen das Album beim Autor ausgelöst hat. Das bringt einem Dritten gar nicht mal so wenig, denn wenn man liest, welche Emotionen das Album hervorgerufen hat, dann ist das wichtiger als die Frage ob eine Gitarre etwa schlampig gespielt worden ist oder der Sound schlecht ist. Die Beschreibung hilft dann natürlich, dass man sich in etwa vorstellen kann, ob diese Art Musik ähnliches hervorrufen könnte wie beim Autor der Rezension, aber das interessante an einem Review ist für mich eigentlich, wie das Werk gewirkt hat.

Folkmetal.at: Wie würdest Du Deine Songs von GoG beschreiben?

Boronian: Das ist schwer, weil ich beim Schreiben der Songs als einzige Grenze meine Gitarrenskills habe und die versuche ich ständig zu verbessern. Also stilistisch setze ich mir von vornherein keine Schranken, aber es wird wohl immer etwas im Black Metal Gewand stecken, egal was ich umsetze. Allgemein kann ich sagen, dass die Songs großteils einen linearen Aufbau haben. Es gibt meist keinen Refrain oder etwas ähnliches, was sich über den ganzen Song hinweg wiederholt. Eine inhaltliche Beschreibung macht hier meiner Meinung nach eher wenig Sinn, da reicht es wohl zu sagen, dass die Texte meist persönliche Hintergründe haben oder einem bestimmten Konzept folgen. Dass das nicht in ein paar Sätzen geschildert werden kann, was hinter der Musik steckt ist offensichtlich, dazu sind die Einflüsse und Themen zu weit gestreut.

Folkmetal.at Siehst Du die Musik von GoG eher im Black Metal, Depressive Black Metal oder Dark Ambient Black Metal? Orientierst Du Dich überhaupt an solchen Begrifflichkeiten? Wie wichtig sind sie für Dich?

Boronian: Das hängt immer vom jeweiligen Album ab, wenn nicht sogar vom einzelnen Lied. Thematisch und auch was die Gestaltung des Gesangs angeht bin ich allerdings im Depressive Black Metal angesiedelt. Wenn man sich allerdings die Stilbezeichnung anheftet, dann sind damit Erwartungshaltungen, vor allem an die Instrumentalisierung, verbunden, und diese werden einfach nicht erfüllt. Manche Tracks sind auch einfach reine Ambient Songs, daher sage ich meist ich mache Black Metal /Ambient und nicht etwa Ambient BM oder ein anderes Subgenre. Genrebezeichnungen sind ohnehin nur grobe Anhaltspunkte, um annähernd feststellen zu können, ob man sich etwas möglicherweise gerne mal anhören möchte…sobald man reingehört hat, weiß man ohnehin wie es klingt, dann ist die Genrebezeichnung ziemlich hinfällig. Es interpretiert ohnehin jeder die Bezeichnungen etwas anders, und solange Black Metal vorkommt, weiß man in etwa, dass es nichts sein kann, was dem 0815 Menschen von der Straße gefallen wird. Alles weitere ist doch bloß der Versuch, Musik in Kategorien einzuteilen und das hilft, wie bereits gesagt, nur solange ein wenig, bis man zum ersten mal reingehört hat.

Folkmetal.at: Nehmen wir ´mal das Genre „Black-Metal“, dem man GoG im Allgemeinen sicher zuordnen kann: Wie wird sich dieser Bereich des Metal weiterentwickeln und interessiert Dich das überhaupt?

Boronian: Nun ja, klar ist, dass nach einer gewissen Zeit einfach nichts Neues mehr gemacht werden kann, wenn man sich zu sehr auf eine Linie versteift. Wenn man heute versucht klassischen Black Metal zu machen, dann geht das kaum mehr, weil über die Jahre dieselben Harmonien komplett ausgeschöpft wurden und viel zu viele Bands in die gleiche Bresche geschlagen haben. Wie sich das ganze Genre weiterentwickeln wird kann man wohl schwer sagen, aber das ist doch für den einzelnen Musiker völlig irrelevant. Es soll jeder sein Ding machen, dann entwickelt sich das Genre so oder so…das sollte der einzelne Musiker nicht im Kopf haben, wenn er neue Musik produziert.

Folkmetal.at: Wo siehst Du Deine musikalischen Potentiale mit GoG?

Boronian: Meine Potentiale liegen vermutlich darin, dass ich vor allem bei den Saiteninstrumenten erst sehr kurz spiele und daher noch viel Steigerung möglich ist, alleine was den Umgang mit dem Instrument angeht. Ich denke, dass es mir in Zukunft sicher immer leichter fallen wird, die Ideen alle so umzusetzen wie geplant und daher werde ich wohl die Mischung aus einfachen, aber atmosphärisch wirksamen und technisch anspruchsvollen Elementen besser umsetzen können.

Folkmetal.at Du beklagst in früheren Interviews, dass Black Metal kein Hörer-Potential hat und damit auch kein Potential für Produzenten oder Auftrittsmöglichkeiten besteht. Woran liegt das?

Boronian: Nun ja, anders als in anderen Genres gibt es hier eine unverhältnismäßige Anzahl an Bands verglichen mit der Anzahl der Leute, die ausschließlich Fans sind. Das fällt auf, wenn man ein bisschen die Bekannten und Freunde aus der Szene betrachtet. Jeder versucht sich daran ein Soloprojekt zu machen oder eine Band auf die Beine zu stellen und es gibt extrem viele in der Szene, die sich gleichsam als Künstler als auch als Fan sehen. Also das Beispiel ist jetzt etwas grotesk, aber sagen wir mal man würde alle Bands und Projekte auf eine Bühne stellen und alle Fans würden kommen, dann wäre das Verhältnis Bands zu Zuseher sehr lustig anzusehen. Ich glaube das Problem ist, dass sich die Musiker alle gegenseitig hören, aber es nicht genug Leute gibt, die einfach nur hören, ohne selbst in irgendeiner Weise in dem Genre tätig zu sein. Also wenn ein Konzert veranstaltet wird, dann spielen vielleicht 5 Bands dort, aber im Publikum stehen schon wieder 20, die auch eine Auftrittsmöglichkeit haben möchten und irgendwie klappt das dann ja letztendlich nicht…

Folkmetal.at: Du äußerst in früheren Interviews (zumindest zwischen den Zeilen), die Black Metal–Szene etwa in Skandinavien wäre „besser“ als in Österreich. Wir verstehen das so, dass Black Metal Bands – bei grundsätzlich zumindest gleich guter Qualität – es dort leichter haben, als etwa in Österreich. Woran liegt das? Was müsste sich ändern?

Boronian: Also wie in dem angesprochenen Interview auch, würde ich nach wie vor nicht unbedingt sagen, dass gerade die Skandinavische Szene heute um so viel besser ist, wohl aber, dass der Eindruck von anderen Ländern sehr gut ist (z.B Frankreich, Kanada, Ukraine, Russland…auch Südamerika unter anderem). Ich finde die Unterstützung hier im Land ist einfach nicht wirklich der Wahnsinn. Es gibt z.B. kaum österreichische Labels, die sich momentan speziell für Black Metal engagieren, da läuft momentan primär Pagan. Es gibt auch sehr wenige Veranstaltungen die Black Metal als Thema haben. Paganfest oder Heidenfest macht jedes Jahr in Österreich Halt, ebenso ein Neckbreakers Ball, der mehr von Death dominiert wird, von den österreichischen Festivals bringt soweit ich alles im Überblick habe, bloß das angesprochene Northern Lights einen vernünftigen Black Metal Anteil. Das alles wird nicht alleine der Grund sein, dass es österreichische Black Metal Bands schwer haben, aber es ist schon auffallend, dass aus anderen Ländern oft neue Bands schneller im internationalen Underground sich verbreiten als es bei österreichischen Bands der Fall ist. Ich glaube es liegt auch viel daran, dass in der heimischen Szene oft so eine Garagenband-Mentalität vorzufinden ist. Da gibt es Bands, die sind musikalisch echt nicht schlecht, aber sehen das eher so „och da mach ich mal ein bisschen was“, dann kommt vielleicht ne Demo irgendwann und dann verschwinde ich wieder im Keller und probe für einen nicht kommen wollenden Auftritt, und wenn er dann da ist, ist das das Highlight der letzten 5 Jahre. Das ist sehr langweilig, weil so viel Potential da wäre, aber umgesetzt wird nicht viel, und da geht der österreichischen Szene viel verloren. Das führt dann dazu, dass aus internationaler Sicht der österreichische Black Metal aus Belphegor, Summoning und Abigor zu bestehen scheint. Man bedenke aber, dass die schon seit mehr als 15 Jahren tätig sind – wo war also der österreichische BM in dieser Zeit? Ich glaube, dass die österreichische Szene sich zu sehr im Schatten solcher großen Bands versteckt und sich keiner mehr hervortraut.

Folkmetal.at: Fehlt dem Black-Metal die Fähigkeit sich selbst weiter zu entwickeln?

Boronian: Manchen Leuten der Szene definitiv. Das Genre selbst hat sich ja trotzdem bereits weiterentwickelt, dem würde ich die Fähigkeit nicht absprechen.

Folkmetal.at: Gibt es eine Zukunft für den Black-Metal oder tritt er auf der Stelle? Wo liegt für Dich die Zukunft des Black-Metal?

Boronian: Wie bereits gesagt, das Genre an sich hat meiner Meinung nach kein Problem. Es gibt ja viele Bands die den Stil bereits weiterentwickelt haben. Wo früher Thrash einen großen Einfluss hatte, sind heute verstärkt andere Einflüsse zu finden, das ist schon mal sehr positiv finde ich. Man kann aus jeder Inspiration heraus Black Metal produzieren, das wird sich wohl noch mehr verstärken, je weiter man sich zeitlich vom Ursprung des Genres entfernt.

Folkmetal.at: Welches Problem hast Du mit Thrash-Metal? Auch in früheren Interviews äußerst Du Dich diesbezüglich eher negativ zu diesem Genre.

Boronian: Mir gefällt es einfach nicht, vermutlich aufgrund bestimmter verwendeter Harmonien, die ich eher langweilig finde. Da findet man im Allgemeinen eine Art der Melodieführung die mir nicht zusagt. Kurze thrashige Sequenzen passen auch manchmal recht gut, aber wenn es überhand nimmt, dann ruiniert das für mich die Atmosphäre schon ziemlich. Das wäre mal rein auf die Musik bezogen. Mit dem Gesang, der im Thrash meist praktiziert wird, fange ich sowieso nichts an, daher ist das Genre an sich für mich uninteressant. Das ist aber nichts exklusives, das trifft für Deathmetal und diverse Grind Spielarten im Allgemeinen ebenso zu.

Folkmetal.at: Ist der Pagan-Metal vielleicht (kommerziell) erfolgreicher, weil er „beweglicher“ ist? Ist Pagan-Metal innovativer?

Boronian: Pagan Metal ist auf jeden fall leichtere Kost würde ich sagen. Ich höre selbst auch gerne Pagan, aber es gibt da schon einen gravierenden qualitativen Unterschied. Da gibt es einige die hervorstechen, aber die Masse der durchschnittlichen Bands ist trotzdem noch mit halbwegs eingängigen Melodien bestückt und weiß damit schnell vor allem Metal-Neulingen zu gefallen. Vor allem die Leute die halt mal für ´n bisschen härtere Musik einen Abstecher zum Paganfest machen, die machen den kommerziellen Erfolg aus…zu einem Black Metal Konzert gehen verhältnismäßig wenige, die sich einfach nur mal härter beschallen lassen wollen, weil da viele Elemente drin sind, die einem entweder voll überzeugen oder aber auf schnelle Ablehnung stoßen bei einer ersten Konfrontation mit der Musik. Das ist aber auch gut so, denn Black Metal will nicht einfach jedem gefallen.

Folkmetal.at: Ist „Innovation“ für Dich – als GoG – überhaupt wesentlich?

Boronian: Innovation ist ständiger Bestandteil meines Schaffens. Sowohl musikalisch als auch was Arbeitsweise und Methoden angeht. Ich teste auch beim Aufnehmen und Mastern viel aus, sofern ich das Gefühl habe es könnte hilfreich oder sinnvoll sein.

Folkmetal.at: Schreibst Du diese Deine Musik nur bzw. vor allem für Dich oder auch für Deine Hörer?

Boronian: Beim Schreiben der Musik mache ich grundsätzlich Black Metal wie ich ihn mir wünschen würde. Wenn diese Vorstellung auch anderen gefällt, dann ist das natürlich positiv. Das Design und die Produktion eines Albums gehören für mich persönlich auch zur Kunst dazu, darum gestalte ich alles selbst und mache auch an den graphischen Arbeiten so viel geht auch selbst. Eine schönes Release im Sinne von sauber und professionell produziert, vielleicht in einer exklusiven Verpackung, ist leichter zu bekommen, je höher man die Auflage ansetzt, von daher helfen mir natürlich mehr Hörer auch indirekt meine Vorstellung einer „schönen Veröffentlichung“ verwirklichen zu können. Nachdem ich ursprünglich nicht geplant hatte viel live zu spielen, ist der Höhepunkt der Freude an der Musik nicht eine Show zu spielen, sondern ein selbst gestaltetes (und im besten Fall auch eigenständig produziertes) Album in den Händen zu halten. Wie bereits gesagt, je höher die Auflage, desto mehr Möglichkeiten in der Produktion. Allerdings muss die Auflage dann auch weg, sonst ist irgendwann kein Geld mehr da für das nächste Album und dann muss man wieder auf schönere Produktionen verzichten. Ich würde also sagen, dass die Musik nicht für den Hörer gemacht ist, aber in der Produktion sehr wohl vom Hörer profitiert…je mehr Hörer, desto leichter ist es eine Veröffentlichung schön zu gestalten.

Folkmetal.at: Was möchtest Du mit GoG überhaupt erreichen? Was wäre – musikalisch gesehen – Dein Wunschtraum?

Boronian: Kurzfristig gesehen möchte ich möglichst viel des „alten“ Materials aufarbeiten und aufnehmen und dazwischen neue Songs ebenso umsetzen. Längerfristig geht es mir darum ein thematisches Konzept weiterzuführen, das ich mit dem (leider bisher noch nur halb aufgenommenen) Album meiner Band Winterblast begonnen hatte. Ich habe aber oft Ideen, die nichts damit zu tun haben und daher kann das keine Blitzaktion sein, die schnell umgesetzt werden kann, das kommt alles nach und nach.

Folkmetal.at: Und was würdest Du Dir nun von der Fee auf Deiner Schulter für GoG wünschen, wenn Du könntest?

Boronian: Das ist leicht beantwortet: Zeit! Wie vorhin gesagt möchte ich viel altes Material aufarbeiten und aufnehmen und ein weitläufigeres Konzept umsetzen, aber das vollendete Werk ist erst richtig erfüllend, wenn man es nicht geschenkt bekommt.

Folkmetal.at: Was ist für Dich bei GoG derzeit verbesserungswürdig?

Boronian: Die Gitarrenarbeit ist wohl der wichtigste Punkt, denn da habe ich die größten Mängel. Etwas mehr Courage beim Einbauen von klarem Gesang wäre von Vorteil, aber das will ich keinesfalls übertreiben. Ich müsste bloß die klaren Gesangsparts vor dem Aufnehmen schon einplanen, denn bisher waren das spontane Entscheidungen und die entsprechenden Teile wurden vorher nie geübt. Das könnte wesentlich professioneller ablaufen eigentlich, und Unsicherheiten würden dadurch vermieden.

Folkmetal.at: Das klingt ein bisschen danach, dass Deine CDs aus Deiner Sicht … sagen wir ´mal …„etwas unausgereift“ veröffentlicht wurden. Zeitdruck hat es aber doch sicherlich nicht gegeben?

Boronian: Irgendwann ist einfach ein Punkt erreicht wo man das Beste gemacht hat, was zu diesem Zeitpunkt möglich war. Das kann man nie wissen, ob man es in einem halben Jahr besser oder einfach nur anders machen würde. Seit den Aufnahmen zu Denied Sanctuary hat sich aber nicht so viel an meinen Methoden verändert, dass es sich ausgezahlt hätte zu warten. Ab einer gewissen Soundqualität stellt sich dann auch die Frage ob eine weitere Veränderung tatsächlich „besser“ ist oder einfach nur anders. Was ich vorhin eher gemeint hatte, waren gelegentliche Spontanaktionen bei denen ich dann z.B. nachher nicht mehr weiß wie ein Solo gespielt worden war oder wie ich ein Riff abgeändert hatte. Das passiert sehr selten, ist aber dadurch umso ungünstiger, weil sonst alles sehr exakt notiert und geplant ist und auch tatsächlich ebenso unverändert aufgenommen wird. Die Zeit werde ich mir in Zukunft auf jeden fall immer nehmen, vor allem weil ich nun auch live Musiker habe, die das nachspielen können sollen und da ist es ebenso hinderlich wenn die Aufnahme sich von den Noten und Aufzeichnungen unterscheidet.

Folkmetal.at: Und im Hinblick auf Deinen Auftritt beim Northern Lights Festival 2011? Bist Du /seid Ihr schon gut vorbereitet?

Boronian: Ich werde Gesang und Bass machen, das klappt noch nicht bei allen Songs einwandfrei. Ich habe zwar selbst den Vorteil, die Lieder schon von Anfang an geübt zu haben, aber Gesang und Bass zugleich ist sehr ungewohnt und erfordert noch viel Übung.

Folkmetal.at: Wäre es für Dich eigentlich vorstellbar, GoG zu Deiner musikalischen Hauptbeschäftigung zu machen und etwa „Winterblast“ in die zweite Reihe zu stellen?

Boronian: Das ist bereits passiert. bei Winterblast tut sich im Moment leider nicht viel, da auch Lankraf, einer der Gitarristen, für GoG live spielt und das ist wegen der Show im Sommer dringlicher als das ohnehin schon längst überfällige Album für Winterblast aufzunehmen. Ich schätze mal, dass Winterblast wieder mehr Schwung bekommt, wenn ich selbst gut genug Gitarre spielen kann um die Songs auch selbst spielen zu können.

Folkmetal.at: Wie viel Zeit verwendest Du denn momentan überhaupt auf die Musik? Wie lassen sich berufliche Aktivitäten mit der Musik überhaupt noch verbinden?

Boronian: Aufnehmen alleine geht schnell. Man kann freie Stunden effektiver nutzen als würde man eine ganze Band zusammenrufen müssen.

Folkmetal.at: Wann ist mit der nächsten Veröffentlichung von GoG zu rechnen?

Boronian: Nun ja, vorerst einmal das aktuelle Album „Denied Sanctuary X“, das wird bald produziert sein, danach werde ich vermutlich bis im Sommer zumindest neue Aufnahmen haben. Meistens dauert es länger die Produktion vorzubereiten mit Artwork und allem drum und dran, als die Aufnahmen gedauert haben. Wenn man es nicht selbst produziert, dann können da auch mal Monate vergehen bis man ein Label gefunden hat bzw bis das Label dann tatsächlich die Produktion in die Wege leitet. Ich werde auf jeden Fall versuchen selbst zu produzieren, aber wenn das finanziell oder aufgrund anderer Probleme nicht möglich ist, dann kann sich alles verzögern.

Folkmetal.at: Gemessen an „Denied Sanctuary X“, was wird sich ändern? Denkst Du daran, auch bei Studio-arbeiten weitere Musiker zu integrieren?

Boronian: Ich werde weiterhin alleine arbeiten, das bleibt so wie es ist. Ebenso werde ich die Aufnahmen weiterhin selbst in die Hand nehmen. Die Arbeitsweise hat sich allerdings seit den Aufnahmen zum Album schon wieder etwas verändert, ebenso der Sound der Drums ist bereits überarbeitet worden und das Mischen der Vocals ist mittlerweile deutlich vereinfacht worden…musikalisch ändert sich vermutlich nichts, außer, dass die älteren Songs bald alle für mich möglich werden. Stilistisch habe ich ohnehin eine größere Bandbreite, die wird weiterhin bestehen bleiben.

Folkmetal.at: Du “firmierst” bei myspace – immerhin seit November 2009 – unter „the voice of suicide“. Eine „Web-Adresse“ die auffällt, die auch Fragen aufwerfen kann. Wie kommt man darauf? Was willst Du damit zum Ausdruck bringen? Ein Titel, den Du heute ändern würdest?

Boronian: Das würde ich nicht ändern, passt auch inhaltlich großteils zur Musik. Der Bandname zusammen geschrieben war einfach nicht mehr verfügbar als ich mich angemeldet hatte, daher etwas anderes…Adressen mit Unterstrich merkt man sich kaum, das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Folkmetal.at: Abschließend noch eine Frage: Nehmen wir an das „Genre Metal“ würde es nicht geben und würde auch nicht erfunden werden können, würdest Du dann trotzdem Musik machen und wenn ja, in welcher Sparte würden wir Dich finden?

Boronian: Vermutlich Ambient, Folk oder Industrial. Das sind auch die Genres die ich außer Metal hauptsächlich höre.

Folkmetal.at: Vielen Dank für Deine Geduld mit uns und viel Erfolg zunächst beim Northern Lights Festival 2011! Wir werden Dich jedenfalls stimmgewaltig unterstützen!

Boronian: Dankeschön, der Auftritt wird für uns alle sicher spannend, weil wir in dieser Zusammensetzung noch nie gemeinsam eine Show gespielt haben. Ich hoffe mal, dass es tatsächlich erfolgreich wird. Besten Dank für das Interview!

Das Interview führte Karsten von folkmetal.at – karsten@folkmetal.at

Weitere Informationen über Garden of Grief:

Offizielle Webseite von: Garden of Grief

My Space Seite von: Garden of Grief

Aktuelle CD Rezensionen: Denied Sanctuary X

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