CD-Review: Nocte Obducta – Umbriel (Das Schweigen zwischen den Sternen)

nocte obducta_umbriel

[Avantgarde/Neo Folk/Dark Metal] – MDD Records (2013)
Deutschland
Symphonie der Kälte und Einsamkeit!

Nocte Obducta gehörten noch nie zum einfachsten musikalischen Stoff auf dem Markt und treffen, gerade nach gewissen Entwicklungen des eigenen Stils, nicht gerade den Geschmack eines jeden Metalheads. Straightes Geknüppel kommt zwar vor, wird aber vom kompletten Spektrum bis kurz vor der totalen Ruhe und Stille abgelöst. Jetzt kommt am 08.03.2013 mit „Umbriel (Das Schweigen Zwischen Den Sternen)“ ein neuer Longplayer heraus – das kann ja wieder spannend werden.

Wie klingt also die neue Scheibe? Nun, eins kann man wohl vorweg schicken: es ist auf jeden Fall eine Nocte Obducta Platte. Das soll aber keineswegs bedeuten, dass man einfach wieder zu alten Songrezepten zurückgekehrt wäre, falls es solche überhaupt jemals gab.

Umbriel, das ist der Name des dunkelsten der Monde des Uranus. Ein düsterer Eis- und Gesteinsbrocken, der viele tausend Kilometer von der wärmenden Sonne entfernt seine Bahnen durch die Finsternis zieht. Dem Titelsong ist sogar das Datum vorangestellt, an welchem die Sonde Voyager 2 die ersten Bilder dieses Himmelskörpers aufnahm. In den Worten von Bandkopf Marcel: „Ich denke, es war kalt dort draußen. Kalt und dunkel und einsam…“

Vielleicht lässt sich dieses Album am besten als Soundlandschaft beschreiben, die genau diesen Eindruck vermitteln will. Die Bandbreite an Stilmitteln ist mal wieder breit gewählt. Wer Nocte Obducta kennt, der wird hier beispielsweiße düstere Clean-Gitarren, den einen oder anderen mächtigen Ausbruch, rohe Gitarrensounds und das Spiel mit verschiedenen Gesangsstilen erkennen, die den Grundsound dieser Band schon seit langem prägen. Das ist aber längst nicht alles, denn wieder einmal haben sich neue Elemente in dieser Klanglandschaft eingefunden. Durchaus jazzig anmutende Passagen und mehrstimmiger Gesang fließen hier in rohe, groovige, irgendwie von Oldschool-Rock und etwas klassischem Blackmetal (der düsteren, nicht der rein aggressiven Art) beeinflusste Gitarrenparts und rau krächzende Growls. Selbst schwebende elektronische Klänge und vor allem auch der geisterhaft spukende Sound eines Theremins kommen hier zum Einsatz. Elektronika? Ohje, schlägt da der eine oder andere die Hände über dem Kopf zusammen, jetzt ist alles verloren!. Ich denke, da kann ich beruhigen, denn es endet in diesem Fall keineswegs mit aufdringlichem Keyboardgedudel, sondern die Sounds sind vielmehr geschickt in den Hintergrund, quasi als Grundgerüst der entsprechenden Passagen, eingearbeitet und helfen das düstere, kalte und kosmische Thema ins Ohr zu transportieren.

Blastbeats sucht man auf der Platte vergebens. Härte ist durchaus vorhanden, aber in Form von heavy und roh walzenden Riffs anstelle von Aggressivität. Hinzu kommen ruhige, simple Melodien, fast doomig anmutende Schwermut und viel Atmosphäre. Manch einer mag immer noch die Abkehr vom brachialen Blackmetal betrauern, aber wir erinnern uns noch einmal, was die Band hier darzustellen versucht: Kälte, Dunkelheit, Einsamkeit. Und dem sind die gewählten Stilmittel wesentlich zuträglicher als hartes Geknüppel.

Sicher, es ist nicht unbedingt Musik für jede Gelegenheit und bestimmt wird der düstere Felsbrocken Umbriel nicht für jeden eine Schönheit sein, wer aber der Band durch verschiedene Experimente hindurch etwas abgewinnen konnte oder einfach nur auf vielschichtige, geschickt gewebte Klanglandschaften und Texte zum Nachdenken steht, der sollte in das Schweigen zwischen den Sternen auf jeden Fall einmal genauer hineinlauschen! Meiner Ansicht nach ist es das auf jeden Fall wert!

Hörbeispiele zu Nocte Obducta finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/nocteobducta

geschrieben am 6.3.2013 von triel@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Nocte Obducta
MDD Records

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