CD-Review: Draugûl – The Voyager

draugul_the voyager

[Viking Metal / Epic Metal] – Pesttanz Klangschmiede (2013)
Malta
Von Wikingern und Tolkien!

Dass Tolkien auch die Mittelmeerinsel Malta erobert hat, erstaunt eigentlich niemanden. Ob dies den Wikingern über tausend Jahre zuvor auch gelang, ist historisch allerdings nicht belegt. Die Normannen wiederum – letztlich direkte Nachfahren der Wikinger – nahmen die Insel Ende des 11. Jahrhunderts aber definitiv ein. Womit die Brücke zwischen der für einen Metal-Release eher ausgewöhnlichen Herkunft und den beiden Themenbereichen von „The Voyager“ geschlagen wäre.

Tolkiens Vermächtnis macht sich bereits im Namen dieses ambitionierten Projekts bemerkbar: Draugûl ist ein Wortspiel aus der Sprache Mordors und setzt sich aus den Teilen Draug und Gûl zusammen, was in etwa ‚Des Wolfes Fluch‘ bedeutet. Wann immer der englische Fantasyautor in Zusammenhang mit (Epic) Metal genannt wird, taucht unweigerlich der Name Summoning auf. Tatsächlich dürften die Österreicher einen nicht unwesentlichen Einfluss auf Hellcommander Vargblod, alleiniger Mastermind hinter Draugûl, ausgeübt haben. Darüber hinaus haben aber auch Bathory, von welchen mit ‚One Rode to Asa Bay‘ gar ein Cover enthalten ist, ihre Spuren im Sound des Maltesers hinterlassen.

Stilistisch bewegt sich Draugûl demnach im Bereich von Epic / Viking Metal mit mehr als nur einer Prise Schwarzmetall als weitere Zutat. Daneben finden sakrale Chöre (in ‚Furore Normanorum‘ und ‚Kazikly Voyvoda‘) ebenso Einzug wie die liebliche Stimme von Hellcomanders Ehefrau bei ‚The Curse of Heoroth‘.

„The Voyager“ enthält nebst einem Intro und zwei Interludien insgesamt sieben Songs mit einer Gesamtspielzeit von 56 Minuten. Mangelndes Abwechslungsreichtum kann man Draugûl dabei nicht vorwerfen: Selbst die teilweise überlangen Songs (der Rausschmeisser „The Barren Wastelands of Ragnarok“ beispielsweise knackt die elf Minuten Marke) schaffen es, die Spannung jederzeit aufrecht zu erhalten.

Einmann-Projekten stehe ich grundsätzlich eher kritisch gegenüber, zu häufig sind deren musikalische Resultate eher (unter)durchschnittlich. Draugûl muss man jedoch zugestehen, dass aus den vermutlich eher bescheidenen Möglichkeiten was Aufnahme und Sound anbelangt, das Optimum herausgeholt wurde. Selbstverständlich darf man auf „The Voyager“ keine Hochglanzproduktion erwarten, andererseits verleihen gerade die leichten Sounddefizite der Scheibe einen gewissen Charme. Auch die Tatsache, dass an Stelle eines realen Schlagzeugs ein Drumcomputer eingesetzt wurde, wirkt sich glücklicherweise nicht allzu negativ auf das Hörerlebnis aus.

Fazit: ein gelungenes Debütalbum, welches zwar nicht allzu innovativ daherkommt, jedoch im Rahmen der genrespezifischen Möglichkeiten durchaus kurzweilig ist. Fans genannter Bands sowie Liebhaber von Epic / Viking Metal sollten auf jeden Fall einmal reinhören!

Hörbeispiele zu Asenblut finden Sie unter folgendem Link: http://www.youtube.com/watch?v=geKwlpombM0 und http://www.youtube.com/watch?v=6SP7UApSXCI

geschrieben am 2.4.2013 von wallace@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 8 von 15
Punkte (Gesamt): 10 von 15
Informationen: Draugul
Pesttanz Klangschmiede

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Eine Antwort zu “CD-Review: Draugûl – The Voyager

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