Festivalbericht: Ragnarök 2013 – Das Jubiläum

Ragnarök Festival 2013
Eluveitie, Helrunar, Dornenreich, Riger, Nocte Obducta, Carpathian Forest, Obscurity, Menhir, Vreid, Secrets of the moon u. v. m.
Ort: Lichtenfels (D)
Datum: 5. – 6.4.2013

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Besuch aus dem sonnigen Süden: Northland (c) Folkmetal.at

Einmal im Jahr treffen sich Heiden und Freunde des Schwarzmetalls zum fröhlichen Gelage bei guter Musik. Solche Traditionen müssen gepflegt werden und jähren sich darum erfreulicherweise heuer bereits zum zehnten Mal. Die Jubiläumsausgabe des Ragnarök Festivals wurde erneut in der Stadthalle zu Lichtenfels ausgetragen. Über die Festivitäten am Vorabend kann an dieser Stelle leider nicht berichtet werden, da unsere Horden erst am Freitag gegen Mittag in Lichtenfels einfielen.

Freitag

Pünktlich um 14:20 eröffneten die Innerschweizer ABINCHOVA den Konzertreigen. Nachdem die Band bei der letztjährigen Ausgabe krankheitsbedingt noch kurzfristig absagen musste, stand in diesem Jahr einem fulminanten Festivalauftakt nichts im Wege. Mit neuem Personal an Bass und Rhythmusgitarre nutzten die Folk/Death Metaller die Gelegenheit, dem bereits zahlreich anwesenden Publikum ordentlich einzuheizen. Dabei spielte das Septett um Sänger Arnaud mit Tracks wie „Wandlung“, „Wegweiser“ und „Eule“ einen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens. Ausserdem präsentierten die Luzerner einen brandneuen, bisher noch unveröffentlichten Song mit dem Titel „Unter der Erde“. Es folgten die Bajuwaren NOTHGARD rund um den Wolfchant-Gitarristen Dom. Zwischen den beiden Bands gibt es mittlerweile zahlreiche Überschneidungen, was sich unter anderem auch darin zeigte, dass Wolfchant-Sänger Lokhi während des Auftritts als Roadie fungierte.

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Abinchova bei der Autogrammstunde (c) Folkmetal.at

Nach diesen Gigs zeichnete sich ab, was leider während fast dem ganzen Festival bestand hielt: massive Soundprobleme. Diese äusserten sich insbesondere dadurch, dass die Tiefen die übrigen Instrumente übertönten, wodurch man den Sound primär als wummerndes Gedröhne wahrnahm. Gerade bei einer Band wie NOTHGARD, welche mit drei Gitarren agiert, fällt dies leider ziemlich negativ ins Gewicht.

HELLRIDE wurden zugunsten eines ersten Besuches des Metalmarktes ausgelassen. Aus dem entfernten Nordirland fanden DARKEST ERA den Weg nach Lichtenfels. Musikalisch ähnlich gelagert wie die Inselnachbarn Primordial fällt bei DARKEST ERA insbesondere die klare Stimme von Sänger Dwayne Maguire auf. Der zum Abschluss gespielte Track „The Morrigan“ stellte den Höhepunkt eines gelungenen Auftrittes dar. In völlig anderen Gefilden bewegen sich WINTERSTORM. Die aus dem nahe gelegenen Bamberg stammenden Jungs sind im Power-Metal mit leicht folkloristischem Einschlag beheimatet. WINTERSTORM dürfte man demnächst des öftern auf Europas Bühnen zu Gesicht bekommen, hat das Sextett doch eben erst einen Vertrag bei NoiseArt Records unterzeichnet.

Etwas aus dem Rahmen fielen die darauffolgenden AVA INFERI aus Portugal mit ihrem schleppenden Gothic-Metal. Nach dem stimmungsvollen Auftritt von WINTERSTORM zuvor hatte die Band mit genretypischer Opernstimme einen denkbar schweren Stand.

DER WEG EINER FREIHEIT zählen derzeit zu den angesagtesten Black-Metal Bands Deutschlands. Erfrischend ist die Tatsache, dass die Jungs meilenweit von genretypischen Attributen entfernt sind. Weshalb die Band allerdings von allen Seiten derart gehypt wird, ist für die beiden Schreiberlinge nicht unbedingt nachvollziehbar. Solider Black-Metal, der leider den Soundproblemen zum Opfer fiel, löst nicht unbedingt Begeisterungsstürme aus.

FJOERGYN veröffentlichen im Mai endlich ihr neues Album „Monument Erde“, welches übrigens exklusiv vorab auf dem Festival käuflich zu erwerben war. Review folgt in Kürze – stay tuned! Abgesehen von neuen Tracks wurde auch älteres Liedgut wie beispielsweise „Narziss(t)“ vom Album „Sade et Masoch“ oder „Am Ende der Welt“ („Jahreszeiten“) dargeboten. Im Anschluss wurde es wiederum schwarzmetallisch, wobei AGRYPNIE mit denselben Soundschwierigkeiten wie DER WEG EINER FREIHEIT zu kämpfen hatten. Bei Black-Metal Acts, wo die klirrenden Gitarren eine tragende Rolle übernehmen, wirkt sich die Tatsache, dass ebendiese von Bass und Bassdrum überlagert wurden, fatal aus.

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Dornenreich mir ihrem einzigen Metal Gig 2013 (c) triel@folkmetal.at

DORNENREICH spielten am Ragnarök ihren einzigen Gig in Metal-Besetzung in diesem Jahr. Bislang erlebten wir die Österreicher bei jedem Auftritt etwas stärker. In Lichtenfels vermochten sie jedoch nicht vollends zu überzeugen. Selbst bei DORNENREICH, deren Instrumentarium sich aus E-Gitarre, Geige und Drums zusammensetzt (sprich kein E-Bass), wirkte sich das Wummern der Bassdrums negativ auf den Gesamtsound aus. Würdiger Headliner des ersten Festivaltages waren ELUVEITIE. Als beinahe einzige Band des Tages mit einem akzeptablen Sound ausgestattet, spielten die Helvetier ein schweisstreibendes Set. Auffallend war die Absenz von Drehleierspielerin Anna Murphy, welche offenbar krankheitsbedingt nach wie vor nicht imstande ist, aufzutreten. Gute Besserung an dieser Stelle! Die übrigen Bandmitglieder um Chrigel Glanzmann präsentierten äusserst gut gelaunt Songs aus den Anfangszeiten des Bandbestehens wie auch Klassiker à la „Thousandfold“ und „Inis Mona“. Die darauffolgenden SHINING und HERETOIR mussten leider dem vorzeitigen Gang zurück ins Hotel weichen. Der nicht gerade kurze Anfahrtsweg und ein langer erster Festivaltag forderten ihren Tribut.

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Die Headliner des ersten Tages: Eluveitie (c) Folkmetal.at

Samstag

Zu einer unchristlichen – sprich heidnischen – Uhrzeit eröffneten die norddeutschen RABENWOLF Tag zwei der Jubiläumsausgabe. Die Tatsache, dass sich bereits um 11 Uhr in der Früh eine stattliche Meute vor der Bühne zusammenrottete, war sicherlich einerseits auf die Vorfreude über den Auftritt von RABENWOLF, andererseits aber auch auf die klirrende Kälte draussen (mit nächtlichen Minustemperaturen) zurückzuführen. Mit Songs wie „Gezeiten“ und „Feld der Steine“ vom bisher einzigen Album „Aus alten Zeiten“ vermochte die Band die Herzen des Publikums zu erwärmen. Einziger Kritikpunkt am Auftritt der Folk/Black Metaller war die Tatsache, dass die Akkordeonklänge von einem Keyboard erzeugt wurden.

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Asenblut (c) Folkmetal.at

Nicht ganz unerwartet, mauserten sich ASENBLUT zu einem der Highlights des gesamten Festivals. Der Auftritt der Göttinger hielt, was ihr neues Album „Von Worten und Taten“ versprach: die mitreissenden Riffs erschallten genauso druckvoll in der Halle wie aus den Boxen Zuhause. Beim Auftritt von ASENBLUT gab es für einmal auch beim Sound keinerlei Abstriche: glasklar und erstklassig abgemischt. Sänger Tetzel zeigte sich im Anschluss publikumsnah und war am Stand seines Labels MDD Records gutgelaunt zu Fachsimpeleien aufgelegt. Die beiden ersten Bands nutzten die Gunst der Stunde und starteten überpünktlich. Im Falle von ASENBLUT konnte so die eigentlich ultrakurze Spielzeit von 25 Minuten auf deren 35 verlängert werden.

NORTHLAND reisten aus warmen spanischen Gefilden an und begeisterten die Menge mit einer für ihre Herkunft so untypischen Mischung aus Viking- und etwas Humppa-Metal, wobei selbst einige Reggae Takte mit ins Set einflossen. Weder der Ausfall des Gitarristen – seine Gitarre überlebte den langen Anfahrtsweg nicht unbeschadet – noch der gnadenlose Countdown, welcher seitlich auf der Bühne die verbleibende Spielzeit jeder Band runterzählte, hielten Sänger Pau von Interaktionen mit dem Publikum ab. Nachdem NORTHLAND die Zuschauer unter anderem mit einer Wall of Death zu begeistern vermochten (bei welcher sich prompt ein Fan den Fuss verknackste), hatten MIDNATTSOL mit Publikumsschwund zu kämpfen. Dazu gesellten sich Probleme technischer Natur: Sängerin Carmen Elise Espenæs war anfänglich leider kaum hörbar. Nachdem dieses Problem behoben war, stand einem soliden Auftritt nichts mehr im Wege.

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Optischer Aufputz: „Carmen Elise Espenæs“ von Midnattsol (c) Folkmetal.at

UNDER THAT SPELL boten ein gelungenes Set aus zeitgenössischer schwarzmetallischer Schaffenskunst. Auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: die Probleme des Vortages mit den wummernden Tiefen konnten leider auch am zweiten Tag nicht behoben werden. Es folgten die Norweger von IN VAIN, welche sich derzeit zusammen mit ihren Landsmännern SOLEFALD und VREID auf der „Fire walk with me Vol. II“ Europa-Tour befinden. Genremässig ist die Band kaum einzuordnen, Extreme-Metal trifft es wohl am ehesten. Mit zwei Sängern ausgestattet, war dabei für viel Abwechslung am Mikrofon gesorgt.

Was sind schon zwei Sänger, wenn man deren drei haben kann, dachten sich die Mannen von MALADIE. Die Band mit französischem Namen spielte avantgardistischen Black-Metal (nach eigenen Angaben sog. Plague-Metal) mit atmosphärischen Piano-Einlagen und jeder Menge Theatralik. So beendete beispielsweise der eine Sänger den Auftritt am Boden liegend im Stile eines sterbenden Schwans. Der Geïst früherer Zeiten ist verflogen, was übrigblieb sind EÏS. Bis zu diesem Zeitpunkt der grösste Publikumsmagnet am zweiten Tag, vermochten die Bielefelder mit atmosphärischem Schwarzmetall und Songs wie „Kainsmal“ die Kälte von draussen in die Halle zu transportieren.

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Helrunar (c) triel@folkmetal.at

Nicht nur das Ragnarök Festival, sondern auch die Bergischen Löwen feierten ein Jubiläum und 15 Jahre OBSCURITY wurden standesgemäss zelebriert. Vier Gastsänger – oder besser Wettbewerbsgewinner aus dem Fanlager – zur Bandhymne „Obscurity“ und Pyroeffekte während des gesamten Auftritts, liessen die Temperaturen wieder steigen. Darüber hinaus wurden Kracher wie „Bergischer Hammer“, „Tenkterer“ und „Nach Asgard wir reiten“ aber auch selten gespielte Songs älteren Datums („Bergische Löwen“, „Die letzte Schlacht“) zum Besten gegeben, was für kreisende Köpfe im Publikum sorgte. Abgesehen vom nicht ganz optimalen Sound eine äusserst gelungene Geburtstagsparty. RIGER mussten einer Essenspause weichen, pünktlich zum Auftritt von HELRUNAR ging es jedoch wieder rein ins Getümmel. Bandkopf Skald Draugir freute sich, zum wiederholten Male beim Ragnarök spielen zu dürfen und bezeichnete die Stadthalle Lichtenfels liebevoll als sein Wohnzimmer. Darüber hinaus vermochten HELRUNAR das Publikum mit ihrem erhabenen Pagan/Black-Metal für sich einzunehmen.

Als nächster Programmpunkt standen MENHIR auf dem Plan, welche mit leichten technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Die Thüringer gaben ausserdem kurz vor dem Festival bekannt, dass sie im Herbst ein neues Pagan-Metal Manifest namens „Varus“ veröffentlichen werden. Interessanterweise wurde der Sound in der Vorhalle teilweise als fast besser wahrgenommen, weshalb NOCTE OBDUCTA lediglich aus der Ferne verfolgt wurden. Als zweiter Teil der „Fire walk with me“ Tour enterten SOLEFALD daraufhin die Bühne. Mit Livemusikern, welche aus den Reihen von IN VAIN rekrutiert wurden, verstärkt, spielten Cornelius Jakhelln und Lazare Nedland erstmals seit längerer Zeit wieder live in Deutschland. SOLEFALDs experimentelle Herangehensweise an Black-Metal setzte einen willkommenen Kontrapunkt zum übrigen Programm. Einzig Lazares Cleanstimme wurde auf Dauer als etwas anstrengend empfunden.

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Uranos landet in Lichtenfels: Nocte Obducta (c) triel@folkmetal.at

Daraufhin wurde düster und kalt. Eisig kalt! Die mächtigen CARPATHIAN FOREST sind endlich zurück auf der Bühne! Standesgemäss mit Corpse-Paint ausgestattet, entpuppten sich die Norweger als Publikumsmagnet sondergleichen. Zu keinem anderen Zeitpunkt standen die Zuschauer derart dichtgedrängt vor der Bühne. Mit für einen True Norwegian Black-Metal Act aussergewöhnlicher Spielfreude und einer gelungenen Mischung aus Black und Thrash dankte es die Band den zahlreich erschienenen Fans. Die norwegische Übermacht des Abends zementierten im Anschluss VREID, welche sich bekanntlich aus der Asche von Windir erhoben haben. Mit deren unvergleichlichem Stil hat die Truppe um Hváll jedoch nichts mehr am Hut. VREID haben die Keyboards komplett aus ihrem Sound verbannt und bewegten sich stattdessen mehr Richtung Black‘n’ Roll. Mit „Welcome Farewell“ veröffentlichte das Quartett aus Sogndal unlängst das bereits sechste Studioalbum. Dementsprechend bestand das Set denn auch aus Songs ebendieses Werkes wie beispielsweise „The Reap“ oder dem Titeltrack. Präsentiert wurde aber selbstverständlich auch älteres Material im Stile von „Songen Åt Fangen“ und „Raped by Light“ vom Debütalbum „Kraft“, „Alarm“ (von „Milorg“) bei welchem als Intro die Filmmusik von „Das Boot“ diente und zum Schluss „Pitch black Brigade“. Alles in allem ein überaus gelungener Auftritt mit gutem Sound. Für SECRETS OF THE MOON erklärten wir nach über 13-stündigem Bandmarathon schliesslich Forfait.

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Yes he can (really): Nattefrost von Carpathian Forest (c) Folkmetal.at

Fazit: Erneut zeichnete sich das Ragnarök als gemütliches und einwandfrei organisiertes Festival aus. Nachdem im letzten Jahr die Security für negative Schlagzeilen sorgte, blieben die Mitarbeiter der neuen Sicherheitsfirma diskret im Hintergrund, waren bei Bedarf jedoch jederzeit freundlich aber bestimmt zur Stelle. Als grösster Negativpunkt muss ganz klar die Soundqualität aufgeführt werden. Das Wummern und Dröhnen war stellenweise fast unerträglich und im direkten Vergleich zum Vorjahr ungewohnt schlecht. Darüber hinaus entsprach die Anzahl der Essensstände den Plusgraden: deutlich zu wenige, was ebenfalls ein Minus im Vergleich zur Vorjahresausgabe darstellte. Vermutlich hielten die Betreiber der Essensbuden noch Winterschlaf, was ihnen bei den vorherrschenden Temperaturen auch nicht zu verübeln war. Nichtsdestotrotz darf auch die Jubiläumsausgabe als absolut gelungen bezeichnet werden und schürt bereits die Vorfreude auf nächstes Jahr – we’ll be back!

Wallace & Anita – 8. April 2013

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