Festivalbericht: Meh Suff! Metal-Festival 2013

Meh Suff! Metal-Festival 2013
Hypocrisy, Carpathian Forest, Destruction, Moonsorrow, Belphegor, Dying Fetus, Coroner, Jungle Rot, Dark Fortress u. a.
Ort: Hüttikon (CH)
Datum: 09.08. + 10.08.2013

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Hypocrisy

Freitag:

Wären wir hier ein Schlager-Webzine (gibt es so eine Geschmacklosigkeit eigentlich tatsächlich?), könnte man diese Zeilen etwa mit „Ein Festival im Kornfeld“ einleiten. Aber – dem Schicksal sei Dank – müssen wir uns hier nicht mit Jürgen Drews abgeben. Dieser Titel käme allerdings den örtlichen Gegebenheiten recht nahe, eingebettet wie dieses Festival zwischen Wäldern und Feldern, am Hüttikerberg bei Zürich „weit ab“ von jeglicher Zivilisation ist.

Die Wettergötter und -hexen meinten es erneut gut mit dem Meh Suff und so verzogen sich die letzten Regenwolken pünktlich vor dem Festivalstart und von bewölkt aber trocken bis hin zu strahlendem Sonnenschein war so dann bestes Open Air Wetter angesagt. Zudem hatte man die Besucher vor der Bühne auf Stroh gebettet, so dass Schlammschlachten à la Wacken gar nicht erst aufkamen oder eher ein Problem des Backstage-Bereichs blieben.

Wohin die Reise musikalisch gehen sollte, zeigten gleich SEAWOLVES als Opener. Vor noch kleiner Kulisse trugen die Eidgenossen zwar die Poser von Steel Panther auf der Brust, aber Amon Amarth im Herzen und auch die musikalische wie optische Verwandtschaft des Leadsängers zu Johan Hegg war unverkennbar.

Seawolves
Seawolves

Überhaupt musste man sagen, dass für zarte Gemüter (und sehr zur Freude des Verfassers dieser Zeilen) das Meh Suff 2013 eher nichts war. Hierzu trugen nicht zuletzt die Herren (& Damen?) des Mischpults bei, die es doch fast ausnahmslos schafften, allen Bands eine mehr oder weniger intensive Thrash-Note zu verpassen. Entsprechend prügelten selbst CARPATHIAN FOREST reichlich von der Bühne, während die subversiven Anleihen anderer Musikstile bei den Norwegern sich auf das (überlange) Outro reduzierten.

Bevor man sich allerdings zu diesem Höhepunkt des Festivals durchgeschunkelt hatte, waren noch einige „Vorbands“ zu durchlaufen. „Waren“? Wären gewesen! Denn nach den höchst interessanten SVAMANVCAEDERE, die rein atmosphärisch zum Ausklang des Tages besser platziert gewesen wären, machte sich zunächst gähnende Leere auf den Bühnenbrettern breit. MABON waren schlicht weg nicht aufgetaucht… und das Publikum stand etwas rätselnd davor. Wünschenswert wäre eine kurze Information von Seiten des Veranstalters gewesen, so aber blieb nur abwarten und ein, zwei oder gar mehr Bierchen zu trinken oder sich die Zeit mit der einen oder anderen Partie Kubb/Wikingerschach zu vertreiben. Eine Unterhaltungsmöglichkeit, welcher man auf mehreren Spielfeldern während des gesamten Festivals kostenlos nachgehen durfte. Entsprechend rege war dann auch das Interesse des Publikums.

Im Anschluss prügelten die US-Amerikaner JUNGLE ROT dem Publikum die allenfalls aufgekommene Langeweile aus den Gliedern und sorgten mit ihrem überaus groovigen Death Metal für nicht wenig Bewegung vor der Bühne. Dem ersten Ausfall folgte danach leider sogleich der nächste: EQUILIBRIUM enterten die Stage nur, um sich von dort umgehend wieder zu entfernen. Der Schlagwerker hatte sich unmittelbar vor dem Festival verletzt, so dass es die Band anstelle eines Ersatz-Drummers oder gar Drum-Computers vorzog, den Auftritt gleich ganz zu canceln. Immerhin hatten die Verbliebenen um Leadsänger Robert „Robse“ Dahn noch den Mumm, persönlich vor die enttäuschte Meute zu treten und sich zu entschuldigen. Schade fürwahr, aber nicht zu ändern und entsprechend gelassen wurde dies aufgenommen.

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Belphegor

Der Ausfall von EQUILIBRIUM hatte zur Folge, dass BELPHEGOR später starteten als es die Running Order zunächst vorgesehen hatte. So hatte man reichlich Gelegenheit das hervorragende Essensangebot auszutesten. In Sachen Auswahl und Qualität könnte sich hier manch´ anderes Festival ein Beispiel am Meh Suff nehmen! Und auch die Preise hielten sich (auch aus deutscher Sicht) durchaus noch im Rahmen bzw. waren in Relation zur gebotenen Leistung absolut akzeptabel. Hinzu kam, dass auch alle Metalheads hinter den Tresen nicht nur super schnell, sondern auch über alle Maßen freundlich und bemüht waren. Lange Wartezeiten gab es nirgends und man durfte stets in strahlende Gesichter blicken. Ein wirklich dicker Pluspunkt, denn es rundete die friedliche, fröhliche und relaxte Stimmung dieses Open Airs perfekt ab. Und auch die Security machte hier (wie sonst so oft) keine Ausnahme. Professionell und freundlich wurde man eher begleitet als geleitet… doch Anlass zum Eingreifen gab es ohnehin nicht.

Zurück zur Musik: Nach der entstandenen Pause enterten die Österreicher BELPHEGOR die Stage und sorgten zumindest in Sachen Lautstärke für heiße Ohren. Dem vermutlich lautesten Auftritt des Festivals folgten die deutschen Thrash-Urgesteine DESTRUCTION, die man als erste Band so richtig abfeierte. Der absolute musikalische Höhepunkt des ersten Tages stellten – wie eingangs schon erwähnt – die Herrschaften von CARPATHIAN FOREST dar, zwar ein wenig thrashig und weniger subversiv, aber sauber im Klang, bei perfekter Lautstärke und energiegeladen wie kein anderer. Ein Augen- wie Ohrenschmaus und viiiel zu kurz trotz der sechzigminütigen Spielzeit.

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Carpathian Forest

Nach den Norwegern war für den Verfasser Schluss (Berichten anderer Festivalbesucher zu Folge fiel auch noch die letzte Band des Abends, DECREPIT BIRTH, aus), der weite Anfahrtsweg forderte seinen Tribut bis zu BATTALION an Tag Zwei.

Samstag:

Bei nunmehr strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen taten sich allerdings weniger die Zürcher schwer, ihre Show in Sachen Stimmung zu präsentieren, sondern eher deren Nachfolger: Den Niederbayern von DARK FORTRESS wäre vermutlich eine Sonnenfinsternis lieber gewesen, hätte sie doch mit den schwarzmetallenen Klängen besser harmoniert. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz darf man (wieder einmal) von einem ganz feinen Gig sprechen… und was des einen Leid, ist des Fotografen Freud: Das Corpse Paint lässt sich bei etwas mehr Licht eben doch besser für die Ewigkeit festhalten… 😉

Dark-Fortress
Dark Fortress

Der Weg jedenfalls war bereitet für die vier Publikumsmagneten des zweiten Tages. Neben den alteingesessenen Lokalmatadoren von CORONER wurden insbesondere die Amerikaner DYING FETUS abgefeiert. Und wenn auch beide Formationen ihr Handwerk wahrlich beherrschten und die Stimmung prächtig anheizten so mussten doch erst MOONSORROW und zuletzt HYPOCRISY ran, um den Abend perfekt zu machen.

Ganz in „traditionelles“ Blau getaucht, vermittelten die Finnen eine Spielfreude, die man so (leider) nicht immer bei ihnen sieht. Hatten sie beim Ragnarök 2012 noch stur und übellaunig ihr (immer noch aktuelles) Album „Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa“ runter genudelt, so gingen sie nunmehr auf dem Hüttikerberg voller Spielfreude und Elan ans Werk, was sich nicht zuletzt auch auf das reichlich angetretene Auditorium übertrug. Allein das Keyboard war – dank der Thrasher vom Mischpult – eher unauffällig. Aber die Mannen um Ville Sorvali streben ohnehin den härteren Klängen entgegen, so dass sie es selbst wohl gar nicht wahrnahmen und die einstigen melodischen, fast folklore-lastigen Zeiten weit hinter sich ließen. Aber wir wollen hier nicht den ewig-gestrigen Nörgler raushängen, sondern anerkennen, dass MOONSORROW in dieser Spielstärke zum Besten gehört, was Pagan-Metal derzeit zu bieten hat und jedes Metal-Festival bereichern.

Moonsorrow
Moonsorrow

Ihnen folgten die schwedischen Nachbarn HYPOCRISY auf dem Podest und rotzten in bestem Death-(Thrash)-Sound manchen Klassiker wie „Roswell 47“, „Adjusting The Sun“ oder „Eraser“ in die Masse. Von manchem verehrt wie Götter (gleichwohl man vor Peter Tägtgren & Co. nicht auf die Knie sank), ließ man wohl keine Wünsche offen und schöpfte aus der inzwischen über zwanzigjährigen Band-Historie. Noch auf der Setlist etwa: „Fractured Millennium”, „The Eye”, „Fire In The Sky”, „Necronomicon”, „Warpath” und „44 Double Zero”.

Hypocrisy-01
Hypocrisy

Das altersmäßig gut durchmischte und nicht ganz so jugendliche Publikum hatte sichtlich seinen Spaß und die Stimmung ließ, wie schon das gesamte Festival über, nichts zu wünschen übrig. Ein feiner Festivalabschluss für den Verfasser, der sich nur wenige Stunden später wieder auf den Heimweg machte und so die Lumpensammler von EXCREMENTORY GRINDFUCKERS auslassen musste.

Was vom Wochenende übrigblieb, außer der Erkenntnis, dass es noch zwanzig weitere Tage hätte dauern dürfen? Ein kleines aber wahrlich feines Festival, in sommerlich-relaxter, fast familiärer Atmosphäre bei hartem, aber (gerade auch deswegen) tollem Sound und mit außergewöhnlich guten „weichen Standortfaktoren“! Kurz: Ein funkelndes Juwel unter den inzwischen zahllosen Veranstaltungen in den Sommermonaten, nicht nur aus Sicht der Einflugschneise des Zürcher Airports, sondern gerade auch für die am Boden gebliebenen.

Karsten – 14. August 2013

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