Interview: Wraithcult

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(c) Wraithcult

Die bayrische Black Metal Band Wraithcult erhob sich aus der Asche von Helfahrt. Vermochte das Quartett live bereits am letztjährigen Fimbul Festival als eine der Überraschungen des Wochenendes zu begeistern, steht nun die Veröffentlichung des Debütalbums „Gestalt“ unmittelbar bevor. Grund genug für uns, die Band zum Interview zu bitten, zumal das Werk auch im Review überzeugte. Rede und Antwort stand uns Andreas Mecker, seines Zeichens Drummer der Band.

Folkmetal.at: Hallo! Gratulation zu einem starken Debüt-Album! Doch bevor wir über
“Gestalt” sprechen, bitte ich dich, die Band unseren Lesern kurz vorzustellen.

Andreas Mecker: Wir haben Wraithcult vor zwei Jahren gegründet, als wir beschlossen hatten Helfahrt aufzulösen. Die Besetzung hat sich also bis auf unseren Sänger nicht verändert. Die Idee, thematisch mehr in Richtung Black Metal zu gehen, hatte sich ja auf dem letzten Helfahrt-Album „Drifa“ schon sehr deutlich abgezeichnet und diesen Schritt sind wir mit Wraithcult einfach konsequent weiter gegangen.

Folkmetal.at: Stöbert man auf eurem Facebook-Profil, stellt man fest, dass die Aufnahmen zu „Gestalt“ schon seit Anfang 2012 abgeschlossen waren. Was führte zum Umstand, dass der Release erst jetzt, am 20. September 2013, erfolgt?

Andreas Mecker: Die Aufnahmen zu dem Album waren tatsächlich schon sehr früh abgeschlossen, kurz nach unserer Bandgründung. Doch dann taten sich einige organisatorische Hindernisse auf, die einen Release immer und immer wieder zurückwarfen. Aber schließlich ist es uns gelungen, alle Hindernisse zu überwinden.

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(c) Wraithcult

Folkmetal.at: Die Lyrics sind ausnahmslos in englischer Sprache gehalten. Das Werk trägt jedoch einen deutschen Titel. Was hat es mit diesem scheinbaren Widerspruch auf sich?

Andreas Mecker: Das Wort „Gestalt“ ist tatsächlich auch ein englisches Wort. Es beschreibt den Zustand dessen, was geschieht, wenn sich viele einzelne Teile zusammen tun und am Ende mehr ergeben als nur ihre bloße Summe. Auch ist es nicht möglich, diese „Gestalt“ wieder in ihre Einzelteile zu zerlegen, es ist etwas Neues, Größeres entstanden, das nicht mehr dekonstruierbar ist. Das Wort bezieht sich vor allem auf bestimmte psychische Phänomene, da es auch aus dem Bereich der Psychologie kommt.

Folkmetal.at: Ihr schafft auf eurem Debüt eine ziemlich düstere Atmosphäre, geht hart ins Gericht mit der heutigen Gesellschaft. Was inspiriert euch zu dieser negativen Sichtweise?

Andreas Mecker: Man muss doch nur mit halbwegs wachen Sinnen durch den Alltag gehen, um Inspirationen in Hülle und Fülle zu erhalten. Politik, Religion, Soziales, es gibt überall Themen, die einen zornig oder traurig machen. Man könnte also ganz banal sagen, dass uns der Alltag und unsere Realität inspirieren.

Folkmetal.at: Ihr scheut euch nicht davor, mit gängigen Black Metal Konventionen zu brechen und räumt beispielsweise dem Bass viel Freiraum in eurem Sound ein, was man durchaus als Markenzeichen des Wraithcult-Sounds bezeichnen kann. Wie kam es dazu?

Andreas Mecker: Wir haben den Bass schon immer als sehr wichtiges Instrument erachtet, das sich nicht einfach nur rhythmisch hinter dem Schlagzeug verstecken sollte. Der Bass fügt sowohl dem Rhythmus als auch dem Gesamtsound eine neue Ebene hinzu. Und genau das haben wir für uns entdeckt. Dazu muss man sagen, dass unser Bassist und ich schon immer sehr eng zusammengearbeitet haben. Wenn man einer gut aufeinander abgestimmten Rhythmus-Fraktion dann den Raum lässt, sich einzubringen, kommen Groove und Härte in den Sound.

Folkmetal.at: Nebst Wraithcult sind einige von euch in anderen Bands, wie z.B. Thulcandra aktiv. Nichtsdestotrotz gehe ich davon aus, dass die meisten Bandmitglieder nach wie vor „gewöhnliche“ Berufe ausüben. Spielt ihr mit dem Gedanken euch zu professionalisieren und von der Musik alleine zu leben?

Andreas Mecker: Nein, mit diesem Gedanken spielen wir nicht und haben das auch nie getan. Die Chance, im Bereich Extrem-Metal sein Geld als professioneller Musiker zu verdienen, tendieren heutzutage gegen Null. Das sehen wir ganz realistisch. Tatsächlich gehen alle von uns geregelten Jobs nach. Das hat jedoch auch Vorteile. Das sicher verdiente Geld macht unsere Band-Aktivitäten ein wenig planbarer und wir erhalten uns als Band die Freiheit, kreative Prozesse und dergleichen nicht forcieren zu müssen.

Folkmetal.at: Sind Tour-Aktivitäten zur Promotion des neuen Albums geplant? Wie stehen die Chancen, dass man Wraithcult demnächst wieder einmal ausserhalb Deutschlands live on Stage erleben kann?

Andreas Mecker: Derzeit ist in dieser Richtung nichts geplant. Auch haben wir noch keine großen Live-Aktivitäten für das Jahr 2013 auf der Liste. Priorität hatte in der letzten Zeit die Veröffentlichung des Albums „Gestalt“. Mal sehen, was sich auf dem Live-Sektor noch für uns auftut.

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(c) Wraithcult

Folkmetal.at: Was dürfen wir in der (nahen) Zukunft von Wraithcult erwarten? Sind allenfalls bereits Ideen für ein weiteres Album vorhanden?

Andreas Mecker: Wir sind tatsächlich schon wieder am Komponieren für unser zweites Album. Der lange Veröffentlichungszeitraum von „Gestalt“ hat uns genug Zeit gegeben, neue Kompositionen anzugehen und einige Ideen zu entwickeln. Da ist aber noch nichts spruchreif oder in Stein gemeißelt. Ansonsten planen wir, unsere Musik möglichst viel live unter die Leute zu bringen.

Folkmetal.at: Helfahrt liegt seit längerer Zeit auf Eis. Da mir die Band persönlich viel bedeutet, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um nachzufragen, wie sich der Stand der Dinge im Helfahrt-Lager derzeit präsentiert. Gibt es diesbezüglich Neuigkeiten? Oder ist dieses Kapitel endgültig abgeschlossen?

Andreas Mecker: Zuerst einmal freut es mich, dass die Band Helfahrt auch heute noch Leuten etwas bedeutet und einigen in Erinnerung geblieben ist. Aber leider muss ich dich an diesem Ende enttäuschen. Das Kapitel „Helfahrt“ ist für uns eigentlich abgeschlossen. Man soll ja bekanntlich niemals nie sagen, aber eine Rückkehr zu Helfahrt würde für uns derzeit keinen Sinn ergeben. Wraithcult ist nicht ein neues Projekt der Helfahrt-Musiker, es ist für uns vier eine logische Weiterentwicklung, ein nächster Schritt sozusagen.
Wir sind alle sehr stolz auf das, was wir mit Helfahrt erreicht haben und wir sind unglaublich dankbar für diese tollen Jahre, die Erfahrungen und die Leute, die wir auf unserem Weg getroffen haben, aber es war einfach an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Folkmetal.at: Besten Dank, dass du dir Zeit genommen hast und hoffentlich sehen wir uns bald einmal auf Tour!

Das Interview führte Wallace von Folkmetal.at im September 2013

Weitere Informationen über :

Facebook Seite von: Wraithcult

Aktuelle CD Rezension: Wraithcult

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