CD-Review: Fjoelnir – Das Grab im Wald

fjoelnir_das grab im wald

[Pagan Metal] – Eigenproduktion (2013)
Deutschland
„Gut Ding will Weile haben“…!

… eine Weisheit, derer sich die Mannen aus der fränkischen Kleeblattstadt scheinbar gerne bedienen, denn rund vier Jahre benötigte man, um das Debüt-Album „Das Grab im Wald“ auf CD zu fräsen. Mit sechs Songs und einer Gesamtlaufzeit von rund 25 Minuten ist es dabei nicht gerade üppig ausgefallen. Allerdings sei an dieser Stelle schon das Resümee erlaubt: Die vergangenen zwei Jahre seit dem Demo „Ahnenkrieg“ haben Fjoelnir wahrlich genutzt sich weiterzuentwickeln.

Zwei Jahre, in denen nicht nur mehrere Besetzungswechsel vorgenommen und wieder revidiert wurden, sondern auch ein wenig Bühnenluft geschnuppert werden konnte. Alles Umstände, die sich nun in einem deutlich professionelleren Auftreten und damit letztlich in einem deutlichen Plus an Qualität niederschlagen.

Lästerten wir einst noch über einen bescheidenen Klang, dürfen wir hinsichtlich des Debüts nun mehr schon beinahe euphorisch feststellen: Wow!

Es fällt wirklich auf, wenn ein Newcomer einen solchen Sound auf die Reihe kriegt, der eher einige Stufen höher auf der Karriere-Tonleiter zu vermuten wäre, so klar und wohl differenziert hämmern die Söhne Freyrs auf uns ein. Unangenehme instrumentale Dominanz… Fehlanzeige! Und auch der Gesang geht weder unter, noch dröhnt er in den Ohren, sondern bleibt stets angenehm präsent.

Bei all dem Licht in Sachen Sound wollen wir das bisschen Schatten nicht verschweigen, etwa wenn bei „Siegreiche Schlacht“ oder „Menschenhass“ im schönsten Gitarren-Intermezzo urplötzlich Mono-Klänge durch die Kopfhörer rauschen. Bei allem Verständnis für „individuelle Klangerlebnisse“, aber das hätte sich besser lösen lassen.

Ausbaufähig wären auch die Drums, die zwar sauber, bisweilen aber ein wenig zu schnörkellos vorwärts prügeln und Individualität und Innovation vermissen lassen. Recht dezent wirken andererseits die Keyboards, was seine Ursache jedoch im Songwriting findet. Immerhin gelingt es ihnen mehrfach, zum rechten Zeitpunkt einen stimmigen und sphärischen Akzent zu setzen.

Aber wir wollen hier nicht am Songwriting mäkeln, denn die gesamte CD ist richtig gut gelungen. Einen Ausreißer nach unten konnten wir nicht finden. Und wenn auch eine Portion Raffinesse fehlt, die Scheibe versumpft trotz aller Geradlinig- und Schnörkellosigkeit und offensichtlicher Lust an fetter Gitarrenarbeit nicht in sinnlosem Geschrubbe. Vielmehr werden die beiden Gitarren immer wieder mit kleinen, einfachen und schönen Soli aufpoliert und zahlreiche Tempowechsel bringen Abwechslung. Diesem Album merkt man jedenfalls an, dass sich jemand (tatsächlich) Gedanken gemacht hat.

Insgesamt betrachtet, hält man sich freilich nicht mit komplexen Klangspielen auf, findet man nichts Subversives oder Filigranes, sondern setzt auf unkomplizierte, eingängige Melodien. Die machen allerdings – unterstützt von besagtem sauberen und druckvollen Sound – echt Laune. Dazu noch untermalt von des Sängerknaben Acos gnadenloser, dreckiger Röhre und fertig ist feiner Pagan Metal deutscher Spielart, der sich vor keiner anderen Kapelle zu verstecken braucht.

Angenehm metallisch verbleibt das Album trotz aller Melodie und von Kitsch – wie bei manch anderer Pagan-Metal-Kombo – braucht sich hier keiner zu fürchten. Dafür zieht sich ein unprätentiöser, stampfender und unerbittlicher Rhythmus durch das gesamte Album und erreicht spätestens mit „Menschenhass“ (trotz Mono-Geflacker) einen absoluten Höhepunkt auf Hymnen-Level! „Menschenhass“ live… wir sind gespannt! Wahres Suchtpotential ist zu befürchten!

So dürfen wir uns alle auf die Album-Release-Party am 23.11.13 in Fürth ( http://www.facebook.com/events/1380673738834941/ ) freuen. Und spätestens hier lässt sich dieses gelungene Debüt für schlappe 10,00€ im Digipack-Gewand erwerben. Ein fehlendes Booklet wird ab dem Erscheinungstag (10.11.13) durch Veröffentlichung der Songtexte auf der Band-Homepage ergänzt werden. Da können wir nur noch empfehlen: Zuschlagen!

Die Songtexte werden abrufbar sein unter: http://www.fjoelnir-band.de/

Hörbeispiele zu Fjoelnir finden Sie unter folgendem Link: http://www.facebook.com/FjoelnirOfficial

geschrieben am 9.11.2013 von karsten@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 8 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Fjoelnir
Eigenproduktion

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